Habituation

1. Definition
Um Habituation verständlich erklären zu können, ist es ratsam erst grundsätzlich über menschliche Verhaltensweisen zu sprechen. Diese werden durch Veränderungen der Umwelt, also Reize oder Stimuli, beeinflusst. Die zugrunde liegende Literatur unterscheidet zwei Varianten der Reaktion, nämlich erlerntes Verhalten und reflexartiges Verhalten. Letzteres ist für Habituation relevant. Reflexe sind angeboren und müssen nicht erlernt werden, sie werden von Sinnesorganen wahrgenommen und über das zentrale Nervensystem zum Beispiel zu einem Muskel geleitet und führen zu einer schnellen Reaktion. Nimmt nun das Ausmaß der Reaktion ab, je öfter der Reiz auftritt, dann spricht man von Habituation, nimmt die Reaktion zu, dann spricht man von Sensitivierung. Abschließend soll auch das Verhältnis von Habituation zu anderen Phänomenen abgegrenzt werden. Habituation soll nicht verwechselt werden mit Adaption beziehungsweise Ermüdung. Adaptionen betreffen mehrere Reize, während Habituation nur jeweils einen Reiz betrifft. Ermüdung ist im Unterschied zu Habituation dauerhaft. Bei Habituation stellt sich daher die ursprüngliche Reaktion wieder ein, wenn ein Reizwechsel durchgeführt wird (vgl. Tewes & Wildgrube, 1992, S. 162f).

2. Definition
Habituation stellt eine abnehmende Bereitschaft dar, auf einen Reiz zu reagieren, der wiederholt dargeboten wird. Bei Habituation handelt es sich nicht um eine Ermüdung der Muskulatur und auch nicht um eine Abstumpfung der Sinnesorgane, sondern tatsächlich um eine Gewöhnung an zentral-nervöser Stelle (vgl. Gudemann, 1995).

3. Definition
„Gewöhnung, die dann Eintritt, wenn ein Reiz wiederholt dargeboten wird […] Diese besteht in einer Abschwächung bis zum völligen Verschwinden der Reaktion nach einer zentralen Verarbeitung des ankommenden Reizes […]“  (Städtler, 2003, S. 147).

4. Definition
Habituation tritt auf, wenn unbedingte Reize unter gleichen Bedingungen wiederholt ausgelöst werden. Es kommt zu einer Gewöhnung an den Reiz und die angeborene Reaktion nimmt immer weiter ab, bis sie schließlich ganz ausbleibt. Habituation kann keine neuen Reaktionen aufbauen, sie führt ausschließlich zum Nachlassen instinktiver Antwortreaktionen. Habituation ist bei allen Organismen nachzuweisen. Die verwendete Literatur führt das Beispiel einer jungen Katze an, welche durch das auf Tonband aufgezeichnete  Piepsen einer Maus in Jagdstimmung versetzt werden kann. Der oben angeführten Theorie folgend nimmt die Reaktion der Katze immer weiter ab, je öfter man ihr das Tonband vorspielt (vgl. Clauß, 1976, S. 220).

5. Definition
„Eine Habituation  (Gewöhnung)  der Orientierungsreaktion findet statt, wenn ein spezifischer Reiz wiederholt dargeboten und dadurch bekannt wird“ (Margraf, 1996, S. 92).

Verwendete Literatur
Clauß, G. (1976). Wörterbuch der Psychologie. Köln: Verlag Pahl-Rugenstein.
Gudemann, W. (1995). Lexikon der Psychologie. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.
Margraf, J. (1996). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Berlin: Verlag Springer.
Städtler, T. (2003). Lexikon der Psychologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie-Lexikon, München:  R. Oldenbourg Verlag.

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