Pragmatismus

Der Pragmatismus ist eine philosophische Grundhaltung, die das Handeln des Menschen in den Vordergrund stellt. Im pädagogischen Pragmatismus werden Theorien nach der praktischen Anwendbarkeit bewertet. So kann nach dem pragmatischen Ansatz beispielsweise auch der Behaviorismus seine Berechtigung besitzen, wenn er in einer bestimmten Lernsituation angemessen und praktisch anwendbar erscheint.

Begründer des psychologischen Pragmatismus war William James, einer der großen Pioniere der psychologischen Bewusstseinsforschung, der daneben Maler, Mediziner und Philosoph war und  eine Schlüsselrolle bei der Etablierung der Psychologie als wissenschaftliche Disziplin innehatte. Er begründete neben dem psychologischen Pragmatismus auch die Religionspsychologie, studierte paranormale Phänomenes. Mit dem Begriff Bewusstseinsstroms betonte er früh die Dynamik und Prozesshaftigkeit allen psychischen Geschehens.

Das Konzept des vorwiegend erfahrungsbasierten Lernens geht zurück auf die Pädagogik des Pragmatismus mit ihrem wichtigsten  Vertreter  John  Dewey, denn für  ihn  setzt  Lernen  stets  eine aktive, reflexive Auseinandersetzung  mit konkreten Erlebnissen voraus. Problematische Situationen, deren Bewältigung eine Herausforderung darstellt, sind der Ursprung von Lernprozessen, wobei aber erst die Reflexion, also das intensive Nachdenken über solche im Alltag auftretenden Problemsituationen zu lehrreichen Erfahrungen und somit zur Erweiterung des Wissens einer Person führt. Umgekehrt kann Lernen in formalen Bildungssituationen wie etwa in der Schule nur dann effektiv sein, wenn das dort vermittelte abstrakte Wissen an konkrete individuelle Erfahrungen geknüpft wird.

Anmerkung: Dewey hat in seinem philosophischen Werk die Motive eines philosophischen Experimentalismus, erkenntnistheoretischen Instrumentalismus und metaphysischen Naturalismus dargelegt, entlang derer Dewey eine spezifische Form von Pragmatismus entwirft. Dabei ist die experience nach Dewey der Ausgangspunkt aller Diskurse des Wissens, also eine Philosophie der Erfahrung in einem sehr spezifischen Sinn, der sich vom traditionellen philosophischen Empirismus in vielerlei Hinsicht unterscheidet. So lassen sich in den Grundannahmen von Deweys experience-Philosophie implizit konstruktivistische Gedanken auffinden. Deweys Philosophie des experience lässt sich aber auch als Angriff gegen einige der am tiefsten verwurzelten Grundzüge des traditionellen metaphysischen Weltbildes begreifen. Pragmatismus, wie ihn James und Dewey vertreten, unterscheidet sich in fundamentaler Weise vom historischen Empirismus, indem er den Bezug auf eine antizipierte Zukunft als einen konstitutionellen Bestandteil des reflexiven experience versteht. Für Dewey ist Reflexion und Kognition niemals allumfassende Erkenntnis, weil Erkenntnis selbst nur ein funktionaler Bestandteil innerhalb einer weiteren, nicht-kognitiven experience ist, sodass die Produkte einer Reflexion nach pragmatistischem Verständnis teleologisch auf mögliche Handlungsfolgen und praktische Konsequenzen bezogen sind. Experience in seiner lebendigen Form ist dabei stets etwas Experimentelles und auch ein Bemühen, das Gegebene zu verändern, und zeichnet sich durch Projektion bzw. durch ein Vorausreichen ins Unbekannte aus, sodass vor allem die Verbindung mit der Zukunft eine wesentliche Eigenschaft darstellt.

John Dewey rechnet in seinem Buch „Suche nach Gewißheit“ vor allem mit der Gegnerschaft der Philosophie gegen die Praxis ab: „Nachdem eine typische Intellektuellenklasse entstanden war, eine Klasse, die Muße hatte und weitgehend gegen die ernsteren Gefahren geschützt war, welche die Masse der Menschheit bedrohten, gingen ihre Mitglieder dazu über, ihre eigenen Aufgaben zu glorifizieren.“ Vor allem die Kritik, die die Philosophie der Aufklärung an der Religion geübt hat, wird nun auf die Philosophie selbst ausgeweitet. Der Pragmatismus zielt dabei auf ein spezifisches Ende der Philosophie, auf ein Denken, das bodenlos im Sinn des Wortes ist, denn diese Bodenlosigkeit war es, die ihr Prestige ausmachte, denn in einer materiell wie geistig unsicheren Welt verspricht sie Unwandelbarkeit und Unveränderlichkeit, also eine trügerische Gewissheit, wie sie zuvor nur Religion und Mythos versprochen hatten. In Deweys Augen stellt die Interpretation der Philosophie der Wirklichkeit selber nur eine Praxis der Erkenntnis dar, obwohl das die klassische Philosophie nie hatte wahrhaben wollen, weshalb alle ihre Interpretationen gemessen am jeweiligen sozialen Kontext unzulänglich geblieben sind. Erst in der neuzeitlichen Wissenschaft tritt ein Denken zu Tage, das programmatisch Praxis ist, und sich einerseits selbst als operational und experimentell begreift, und sich andererseits auch der Gefahr des Scheiterns und des Irrtums aussetzt. Vor allem die Naturwissenschaft beschert dem Menschen durch ihre Erkenntnisse und Anwendungen zum ersten Mal ein gewisses Maß an Sicherheit und lässt die Pseudosicherheit der letzten Wahrheiten der Philosophie als illusorisch erscheinen. Der Fortschritt in Gestalt der neuen Wissenschaften besitzt daher selbst eine normative Qualität, sodass Deweys in einem rigorosen Antidogmatismus alle ethischen Fragen aus einem abstrakten Normenkatalog herauslösen und als gesellschaftliche Operation betrachten und bewerten möchte.

Literatur & Quellen

Dewey, John (1998). Die Suche nach Gewißheit. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Erkenntnis und Handeln. Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag.
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/ PHILOSOPHIEORD/Dewey.html (05-11-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungsbasiertes_Lernen (11-10-20)





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