self-compassion

Übersetzt als Selbstachtung bezeichnet es eine Richtung der Psychologie, die davon ausgeht, dass man sich selbst mögen muss, um Depression oder Angstgefühle zu überwinden. Neben Willenskraft und Selbstdisziplin kann Selbstachtung nach Meinung von Kristin Neff, Psychologin an der Universität Texas, helfen, aus der Spirale von Selbstkritik und Schwarzseherei herauszukommen. Der Hauptgrund, weshalb Menschen nicht mehr Achtung gegen sich selbst aufbringen, ist die meist Furcht, zu genusssüchtig zu sein und die hohen Ansprüche an sich selbst zu sehr zu senken, denn viele Menschen glauben – meist von einer von Konkurrenz geleiteten Umwelt angeregt -, nur Selbstkritik hält sie in der Spur.

Self-compassion bedeutet unter anderem sich selbst gegenüber einfühlsames Verständnis und wohlwollenden Respekt zu zeigen, besonders dann, wenn man sich mit seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten konfrontiert weiß. Diese positive Lebenshaltung führt nicht nur dazu, dass man sich leichter in der Lage sieht sich so zu akzeptieren wie man ist, sondern Selbstachtung kann auch als Resilienzfaktor fungieren, indem Alltagswidrigkeiten besser angenommen und dadurch als weniger belastend erlebt werden. Das Erfordernis achtsam mit den eigenen Gefühlen umzugehen, beinhaltet eine angemessene Regulation der Emotionen, was nachhaltig emotional intelligentes Handeln bedeutet.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass Selbstachtung Menschen kreativer macht und ihnen hilft, die Anfälligkeit für Depressionen zu bekämpfen.
Menschen mit geringer Selbstachtung sollten ein Tagebuch führen oder sich selbst aus der Perspektive eines einfühlsamen Freundes einen Brief schreiben, denn ein Freund weiß um die Schwächen der menschlichen Natur, er vergibt und hat große Sympathien für den Adressaten. Diesen Brief sollte man beiseite legen und ihn erst nach einiger Zeit lesen und dann die Worte richtig auf sich wirken lassen.

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Self-Compassion unter psychischer Belastung

Die Ergebnisse einer Studie von Reiss (2013) zum Konstrukt der Self-Compassion im Kontext psychischer Belastung zeigte die soziale Bedingtheit von psychischem Befinden auf und warf damit ein anderes Licht auf Menschen, die unter psychischen Problemen leiden. Zum Beispiel widersprechen die Ergebnisse ihrer Studie jenen Erklärungsansätzen, die eine starke Selbstbezogenheit von depressiven Personen hervorheben. Psychisch belastete sowie hoch sozial ängstliche Personen berichteten geringere Self-Compassion, geringere Positivität, ein eher ungünstiges Muster im Umgang mit Emotionen (z.B. weniger Ablenkung von negativen Emotionen, aber mehr Unterdrückung von negativen und positiven Emotionen aus Rücksichtnahme auf andere), höheren empathischen Distress (unangenehme Gefühle als Reaktion auf die Emotionen anderer) sowie intensivere interpersonelle Schuldgefühle, wobei eine hohe Self-Compassion mit günstigeren Strategien im Umgang mit schwierigen Situationen und negativen Gefühlen einhergeht. Interpersonelle Aspekte wie Mitgefühl, Verantwortungs- und Schuldgefühle gegenüber anderen scheinen damit von großer Bedeutung für das psychische Befinden zu sein. Self-Compassion ist somit eher ein Schutzfaktor gegenüber psychischer Belastung, sodass es sinnvoll erscheint, die Förderung von Self-Compassion in die psychologische und psychotherapeutische Behandlung von Personen mit verschiedenen Belastungen zu integrieren.

Auswüchse der Selbstbezogenheit

Manche Experten sind der Ansicht, dass sich Menschen heutzutage oft zu sehr mit sich selbst beschäftigen, wobei die ständige Konzentration darauf, wie es einem geht, ob einem sein Beruf die Erfüllung bringt, oder ob man mit dem richtigen Partner zusammen ist, letztlich dazu führt, dass man immer unzufriedener wird. Studien belegen, dass Menschen, die sich stark darauf konzentrieren, zufrieden zu sein, letztlich weniger Zufriedenheit erleben, denn wer ständig darauf achtet, ob er auch glücklich ist, nimmt viel stärker wahr, wenn er es einmal nicht ist. Der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit, dass man selbst etwas bewegen kann, ist stark verwurzelt, denn es heißt sehr oft, man muss nur genug wollen, dann schafft man es auch. Die Wissenschaft, insbesondere die Psychologie, hat bei vielen Menschen einen extrem hohen Stellenwert, wenn es darum geht, das Leben zu gestalten, denn Menschen orientieren sich daran, was Forscher über Glück, Resilienz, Sex, Erfolg usw. herausgefunden haben. Man vergisst jedoch dabei, dass es sich um zahlreiche kleine und kleinste meist noch unüberprüfte Hypothesen oder Theorien handelt, die einander oftmals widersprechen, und mit minimalen statistischen Zusammenhängen, die keinen Leitfaden zum richtigen Leben ergeben können, nicht alltagstasuglich sind.

Literatur
Reiss, J. (2013). Self-Compassion, Emotionsregulation und Empathie in Zusammenhang mit psychischer Belastung. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Wien.

Linktipp: http://www.self-compassion.org/





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