evolutionäre Didaktik

Ausgangspunkt für die evolutionäre Didaktik ist die Erfahrung, dass man als Lehrer oder Lehrerin Unterricht zwar planen kann, dass sich aber die Durchführung und der Erfolg des Unterrichts nicht immer mit diesen Planungen decken. Unterricht in der Schule ist daher nicht einseitig als Lehrerhandeln zu beschreiben, sondern immer als Interaktion und Kommunikation zwischen LehrerInnen und SchülerInnen. Diese Kommunikation entwickelt sich jedoch nicht linear, sondern mit zahlreichen Optionen für Abweichungen vom Geplanten, sodass Lernen als evolutionärer Prozess zu fassen ist.
Nach Ansicht von Scheunpflug ist die pädagogische Didaktik von einem Technologiedefizit geprägt, denn wie man „Freiheit“ und „Mündigkeit“ nicht durch mechanische Lernarrangements geplant herstellen kann, so kann man auch den freien Gebrauch von Wissen und Kompetenzen nicht technisch trainieren. Aus dem Auswendiglernen von Vokabeln und Grammatikregeln führt kein direkter Weg zur richtigen und sinnvollen Anwendung der Vokabeln und Regeln bei der Kommunikation in dieser Sprache. Auswendiglernen ist eine eher technische Angelegenheit, Kommunikation hingegen erfordert den freien Zugriff auf einen komplexen Fundus an sprachlichen Materialien, der jedoch vom Material nicht vorbestimmmt ist.

Der relative Erfolg von Unterricht erklärt sich meist daraus, dass sich die Interaktion im Unterricht evolutionär entwickelt, d. h., es entstehen Strukturen, die sich im Wesentlichen aus der konkreten Interaktion im Unterricht ergeben und nicht so sehr aus der Planungen des Unterrichts abgeleitet werden können. Durch dieses Ansatz der evolutionären Didaktik werden LehrerInnen von der überzogenen Erfolgsvorstellung entlastet, dass Unterricht nach Plan laufen muss.



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