Phobokratie

Phobokratie bezeichnet ganz allgemein eine Herrschaft durch Angst, die in vielen Kulturen und manchen Religionen seit der Antike zu beobachten ist.

Insbesondere bedient sich die katholische Kirche innerhalb der christlichen Glaubenslehren der Phobokratie, denn sie hat als zentralle Prämisse, nur über sie allein könne das Heil erlangt werden. Das dabei entwickelte diese in ihrem Katechismus ein Sündenregister, angefangen von der Erbsünde bis zu den durch mannigfache Verstöße bedrohten Sakramenten, wodurch primär Angst erzeugt und am Leben erhalten wird. Bezeichnenderweise setzt insbesondere die katholische Kirche bei der wohl elementarsten Triebkraft des Menschen, der Sexualität an, und verleibt sich diese im Sakrament der Ehe ein, wobei sie sich letztlich davon distanziert, denn dieses Sakrament wird bekanntlich nicht von ihr, der Kirche, gespendet, sondern durch die Ehepartner.

Peter Sloterdijk deutet insgesamt die Geschichte der jüdisch-christlichen Religion als Herrschaft einer Angstagentur, die weltlichen Rechtssystemen einst überweltlichen Nachdruck verschafft hat, und behauptet, dass seit 2500 Jahren Religion in Europa nur ein anderes Wort für Phobokratie darstellt.

Literatur

Sloterdijk, P. & Macho, T. (2014). Gespräche über Gott, Geist und Geld. Freiburg: Herder.



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