Somatopsychologie

Die Somatopsychologie geht davon aus, dass physische Probleme durch psychische Probleme hervorgerufen werden können. Die Somatopsychologie untersucht daher, wie eine organische Erkrankungen zu mangelhafter Belastbarkeit bei der Arbeit, zunehmenden Ängsten, Depressionen oder sogar Wahnvorstellungen führen kann, denn manche psychischen Störungen sind nicht immer nur durch psychosoziale Belastungen bedingt. Die Somatopsychologie ist das Gegenteil der Psychosomatik, denn während in der Psychosomatik Denken und Gefühle körperliche Funktionen nachhaltig stören, können umgekehrt auch organische Erkrankungen eine massive Auswirkung auf emotionale und kognitive Prozesse ausüben. Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs, aber auch verschiedene Behinderungen können schwere seelische Beeinträchtigungen nach sich ziehen.

Nach Fydrich & Martin (2010) ist es also der Gegenstand der Somatopsychologie, „die psychologischen Aspekte primär körperlicher Erkrankungen zu erforschen sowie psychologische Techniken für die Prävention, Behandlung oder Linderung somatischer Erkrankungen zu entwickeln und zu überprüfen“. Über psychische Folgen schwerer somatischer Erkrankungen hinaus löst eine beträchtliche Zahl von körperlichen Störungen direkte psychische Veränderungen aus. Eine Fülle von körperlichen („somatischen“) Krankheiten verursacht direkt oder indirekt psychische Probleme. An körperlichen Ursachen für psychische Störungen kann man unterscheiden:

  • angeboren/genetisch-bedingt,
  • endokrin/metabolisch bedingt,
  • Störungen des Gehirns,
  • Organerkrankungen,
  • Infektionen,
  • Drogen, Gifte,
  • Medikamenten-Nebenwirkungen,
  • ernährungsbedingt.

Vor allem externe Faktoren wie Drogen, Gifte, Medikamentennebenwirkungen und sogar manche Ernährungsbedingungen können dazu führen, dass sich psychische Störungen entwickeln, die nicht (allein) durch psychosoziale Faktoren verursacht worden sind. Problematisch ist manchmal, dass  die Schäden an Gehirn oder Nervensystem zu einer Symptomatik führen, die hinsichtlich des klinischen Bildes seelischen Störungen gleichen und auch von Experten mit diesen verwechselt werden können. In vielen Fällen gibt es auch Wechselwirkungen von somatischen und psychischen Faktoren bei der Entstehung von Erkrankungen, sodass sich häufig nicht eindeutig festlegen lässt, welche Störung Ursache und welche Folge ist.

Bei einer Reihe von scheinbar unheilbaren psychiatrischen Erkrankungen wurde in den letzten Jahren eine körperliche Ursache entdeckt, was beweist, dass es auch biologische und bisher unbekannte Mechanismen bei der Entstehung von Geisteskrankheiten geben kann. Heute herrscht Einigkeit darüber, dass in den kommenden Jahren weitere Psychosen als körperliche Erkrankungen enttarnt werden können, wobei unter den Ursachen immunologische Prozesse wie Entzündungen, Infektionen oder Autoimmunreaktionen an erster Stelle stehen. Als Kandidatin, hinter der eine organische Ursache vermutet wird, gilt eine der häufigsten Psychosen: die Schizophrenie. Das Immunsystem verteidigt den Körper gegen Eindringlinge, kann sich aber, wenn diese Abwehr falsch programmiert ist gegen das eigene Gehirn richten.

Dabei ist das Versagen des Immunsystems zwischen Selbst und Fremd gesund unterscheiden zu können, meist nicht Ursache sondern eher Symptom. Die Ursachen sind eher die Mechanismen, die dazu führen, dass das Immunsytem nicht richtig funktioniert. Man geht auch davon aus, dass die meisten Autoimmunerkrankungen multifaktoriell bedingt sind und der auch der Verlauf einer Autoimmunkrankheit durch mehrere Faktoren bedingt ist, wobei eine genetische Prädispositon  in jedem Fall beteiligt sein dürfte. Es gibt generell zwei Hypothesen, die einander aber nicht ausschließen müssen:

  • Die „bad genes and bad luck“ Hypothese geht von einer genetischen Prädisposition in Kombination mit immunstressenden Umweltfaktoren wie Infektionen oder Stress aus.
  • Die „Hygiene-Hypothese“ postuliert, dass Autoimmunerkrankungen durch zu wenig Wechselwirkung mit den Antigenen unserer Umwelt (untrainiertes Immunsystem) begünstigt werden, wobei auch Ernährung und die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle spielen.

Literatur & Quellen
Fydrich, Thomas & Martin, Alexandra (2010). Somatopsychologie. Psychotherapeut, 55, 189-193.
http://www.zeit.de/2014/31/enzephalitis-gehirn-entzuendung (14-08-09)




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