Kontrollverlust

Kontrollverlust benennt den Vorgang des Verlierens von Kontrolle, wobei ein Kontrollverlust subjektiv anders empfunden werden kann als er objektiv betrachtet ist. Kontrolle zu haben bedeutet, Macht zu besitzen ein bestimmtes Ereignis oder eine Klasse von Ereignissen herbeizuführen, aufrechtzuerhalten oder zu vermeiden. Handlungserfolg setzt Kontrolle voraus, Handlungsinitiative und Durchhaltewille benötigt Kontrollüberzeugung. Je mehr Kontrolle ein Mensch hat, desto zufriedener, gesünder und stressfreier ist er im Durchschnitt, wenig Kontrolle zu besitzen, also Kontrollverlust, kann hingegen zum Angst führen. Auch für psychisch stabile Menschen bedeutet es Stress, wenn ihnen etwa die Kontrolle über ihr Schicksal aus der Hand genommen wird. Vom einen Moment auf den anderen liegt der weitere Verlauf ihres Lebens nicht mehr in den eigenen Händen, sondern wird durch höhere Mächte oder die Entscheidungen Dritter bestimmt. Ein solcher Kontrollverlust löst zunächst Angst, Wut und Widerstand aus, und wenn es nicht gelingt, die Kontrolle zurückzugewinnen, schlägt die Frustration in Hilflosigkeit und Resignation um.

Kontrolle zu haben, bedeutet, dass es einen erkenn- und vorhersagbaren Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und den darauf folgenden Konsequenzen gibt, wobei Kontrolle letztlich die Differenz zwischen zwei Wahrscheinlichkeiten ist: einerseits der Wahrscheinlichkeit, dass ein erwünschtes Ergebnis ohne eigenes Zutun eintritt, andererseits der Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ereignis durch eigenes Handeln herbeigeführt werden kann. Je größer diese Differenz, desto mehr Kontrolle bzw. Einfluss hat ein Mensch. Umgekehrt liegt ein Kontrollverlust dann vor, wenn die Differenz dieser beiden Wahrscheinlichkeiten gegen Null geht, denn in diesem Fall macht es für das Ergebnis keinen Unterschied, ob ein Mensch überhaupt etwas tut oder nicht, d. h., der Mensch ist dem Geschehen ausgeliefert. So ist etwa die Flugangst zu einem großen Teil auf Kontrollverlust zurückzuführen, denn im Falle eines wenn auch eher unwahrscheinlichen Absturzes besteht für einen Flugpassagier keine Möglichkeit, dieses Schicksal abzuwenden.

Kontrollverlust und Angst

Obwohl keine sichtbare Gefahr besteht, plagt viele Menschen im Alltag eine diffuse Angst, sodass die evolutionäre Schutzfunktion der Angst verloren geht und die pathologische Angst, die auftritt, obwohl es eigentlich gar keinen Grund dafür gibt, ihre Stelle tritt und dafür sorgt, dass eine Bedrohung viel intensiver wahrgenommen wird, als es angemessen ist. Wenn ein Mensch die ganze Zeit in Alarmbereitschaft ist, obwohl keine konkrete Bedrohung besteht, verbraucht er sehr viel Energie, der ganze Körper ist auf Flucht eingestellt, das Herz rast, er schwitzt und zittert, der Verdauungsapparat spielt verrückt. Evolutionär betrachtet dient die Angst funktional dazu die Aufmerksamkeit auf die Gefahrenquelle einzuengen. Was die Angst auslöst, ist in den meisten Fällen der Verlust von Kontrolle. Eine Strategie kann dann sein, dass man die Aufmerksamkeit wieder weitet, möglichst viele Informationen sammelt, die ausgeglichen sind und nicht nur fragt, wie gefährlich ist das, sondern auch, was dafür spricht, dass einem nichts passiert. Menschen mit klinischen Angststörungen können häufig nicht akzeptieren, dass es im Leben immer ein Restrisiko gibt und wünschen sich maximale Sicherheit, an der man dann scheitert. Diesem unerfüllbaren Wunsch liegt unterschwellig in manchen Fällen auch eine katastrophisierende Medienberichterstattung zugrunde, die sich durch viele Themen zieht, Kleinigkeiten zur Bedrohungen aufbläst und vieles zu mental unüberwindlichen Hürden macht.





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