Erziehung

Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen,
sie machen uns sowieso alles nach.
Karl Valentin

Erziehung und erziehen (lt.Duden von ahd. irziohan = herausziehen) bedeutet, jemandes Geist und Charakter zu bilden und seine Entwicklung zu fördern.

Im allgemeinen versteht man unter Erziehung soziales Handeln, welches bestimmte Lernprozesse bewusst und absichtlich herbeiführen und unterstützen will, um relativ dauerhafte Veränderungen des Verhaltens, die bestimmten Erziehungszielen entsprechen, zu erreichen. Allerdings ist dieser Erziehungsbegriff hierarchisch definiert, indem beteiligte Personen ErzieherInnen und Zöglinge sind. Deshalb wird der Begriff der Erziehung gern um die selbstorganisierten Lernprozesse erweitert, man versteht Erziehung dann als spezifische Lernprozesse. Des Weiteren heißt Erziehung auch Sozialisationshilfe, Enkulturationshilfe und dient dem Aufbau der Persönlichkeit und der Ausbildung eines Individuums. Unter Erziehung werden demnach Handlungen von Erziehern, z.B. Eltern, Lehrern und Ausbildern verstanden, die bewusst und absichtlich unter Einsatz von bestimmten Mitteln und Maßnahmen erfolgen, um Kindern und Jugendlichen erwünschte Kompetenzen, Verhaltensweisen und Wertorientierungen zu geben, wobei die als falsch oder schädlich erkannten Eigenschaften des Kindes  durch Erziehung verhindert oder unterdrückt werden sollen. Diese intentionale Erziehung wird durch planmäßige, zielorientierte Handlungen bestimmt (Schaub & Zenke, 2000, S. 277 f.).

Perspektive der modernen (westlichen) Erziehung ist die eigenständig handelnde und emanzipierte Person.

„Erziehung kann als Versuch der Beeinflussung (Intervention) verstanden werden, durch den eine Verbesserung und Vervollkommnung der Persönlichkeit des Erzogenen erreicht werden soll“ (Hurrelmann, 2006, S. 156). Die dabei angestrebten Erziehungsziele sind von den Erziehenden subjektiv beeinflusst, bevorzugte Eigenschaften bei Heranwachsenden heutzutage sind Ehrlichkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 156).

Einige Definitionen

Erziehung ist an eine Hierarchie gebunden: „Erziehung ist … dasjenige Handeln, in dem die Älteren (Erzieher) den Jüngeren (Edukanden) im Rahmen gewisser Lebensvorstellungen (Erziehungsnormen) und unter konkreten Umständen (Erziehungsbedingungen) sowie mit bestimmten Aufgaben (Erziehungsgehalten) und Maßnahmen ( Erziehungsmethoden) in der Absicht einer Veränderung ( Erziehungswirkungen) zur eigenen Lebensführung verhelfen, und zwar so, dass die Jüngeren das Handeln der Älteren als notwendigen Beistand für ihr eigenes Dasein erfahren, kritisch zu beurteilen und selbst fortzuführen lernen“ (Bokelmann, in Speck & Wehle 1970, S. 185).

Brezinka (1990) definiert Erziehung als zielgerichtete Aktivität von Personen, die soziale Handlungen ausführen, um die Persönlichkeit des Kindes in Förderabsicht zu verbessern. Die Persönlichkeit setzt sich aus Verhaltens- und Erlebnisbereitschaften zusammen, d.h. Fähigkeiten und Haltungen, Wissen und Können sowie Einstellungen und Überzeugungen; diese Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet er als psychische Dispositionen eines Menschen. Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten. Die Änderungen des psychischen Dispositionsgefüges werden durch psychische Aktivität erreicht; diese psychische Aktivität besteht einerseits aus Reifungsprozessen, andererseits aus Lernprozessen. Reifung kann definiert werden als die Ausbildung angeborener Verhaltenstendenzen, ohne dass Übung und Erfahrung mitwirken, Lernen ist hingegen ein innerer Vorgan, der durch Erfahrung zum Neuerwerb oder zur Veränderung der psychischen Dispositionen für ein bestimmtes Erleben oder Verhalten führt. Lernvorgänge sind aber nicht direkt beobachtbar, sondern können nur aus Beobachtungsergebnissen etwa von Leistungen erschlossen werden. Wenn man Erziehung als Lernen definiert, muss der Erzieher fähig sein, seine Handlungspläne in nachvollziehbare Lernschritte zu gliedern, den Lernfortschritt zu steuern und das Kind zu motivieren, sein Lernen als sinnvoll und notwendig zu begreifen. Lernen ist stets von bereits gemachten Lernerfahrungen abhängig, was  in den Lehrprozess mit einbezogen werden muss. Erziehung wird somit als zweckrationale Handlung zur Formung einer Persönlichkeit begriffen, wobei von einem defizitären Ist-Zustand das Kind einem angestrebten Soll-Zustand  des psychischen Dispositionsgefüges durch Lernen möglichst nahe kommen soll.

„Erziehung heißen wir zwischenmenschliche Einwirkungen … insoweit, als durch sie eine mehr oder minder dauernde Verbesserung fremden oder eigenen Handelns beabsichtigt oder erreicht wird (Dolch 1969, 106ff.).

Siehe dazu auch Erziehungsstil

Literatur

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPAEDAGOGIK/ ErzwissInhalte.shtml (10-09-04)
Brezinka, W. (1990). Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft. Analyse, Kritik, Vorschläge. München Basel: Reinhardt.
Hurrelmann, Klaus (2006). Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
Ladenthin, V. (2004). Zukunft und Bildung. Entwürfe und Kritiken. In: Rekus, J. (Hrsg.) (2004): Grundfragen der Pädagogik. Studien – Texte – Entwürfe, Band 5: Zukunft und Bildung. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften.
Oelkers, J. (2001). Einführung in die Theorie der Erziehung. Weinheim und Basel: Beltz.
Schaub, H. & Zenke, K.G. (2000). Wörterbuch Pädagogik. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
Schröder, H. (1995). Theorie und Praxis der Erziehung. Herausforderung an die Schule. München: Ehrenwirth.
Wiater, W. (2007): Bildung und Erziehung als Aufgabe der Schule. In Apel, H.J. & Sacher, W. (Hrsg.) (2007). Studienbuch Schulpädagogik (S. 311-336). Bad Heilbrunn: Klinkhard.





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