Herpes

Herpesviren sind weltweit verbreitet und praktisch jeder Mensch trägt sie in sich, denn die Viren werden durch direkten Kontakt etwa beim Küssen oder durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen übertragen, aber auch das gemeinsame Benutzen eines Handtuchs oder Trinkglases kann zur Infektion führen. Man weiß nicht genau, wie viele Menschen das Virus in sich tragen, schätzt aber, dass rund 85 % mit Typ 1 und 25 % mit Typ 2 infiziert sind. Eine psychologische Komponente wird in der Regel vor allem dem Herpes Zoster zugesprochen, der als Gürtelrose bekannt ist. Aber auch der Herpes simplex (Fieberbläschen) kann aufgrund psychischer Reaktionen aktiviert werden. Vor allem der Zostervirus, der Feuchtblattern verursacht, bleibt in den Rückenmarksnerven und wartet dort auf eine Gelegenheit wieder hervorzubrechen. Da fast 100 Prozent der Menschen den Zostervirus im Blut, dennoch erkkranken nicht alle Menschen daran.

Bei den meisten Menschen verläuft die Erstinfektion, die in der Regel bereits im Kindesalter stattfindet, unbemerkt, und nur bei einem Teil der Virusträger kommt es zu den bekannten immer wiederkehrenden Ausbrüchen. Herpes wird meist durch Belastungen ausgelöst, und zwar sowohl körperliche als auch seelische. Besonders häufig treten sie als Begleiterscheinung (Fieberbläschen) bei akuten und vor allem fieberhaften Krankheiten auf, bei denen das Immunsystem mit der Abwehr anderen Erreger beschäftigt ist. Auch starke Sonneneinstrahlung, Verletzungen oder die Periodenblutung sind Situationen, in denen es zu Lippenherpes kommen, aber auch seelischer Stress wie Ekel, Schreck oder Angst können eine Attacke auslösen.

Bekannt ist, dass vor allem ein schwaches Immunsystem zur Bläschenbildung führen kann, wobei Betroffene oft einem Leidensdruck ausgesetzt sind, denn die Bläschen sind meist an gut sichtbarer Stelle auftreten. An den Herpesviren kann man sehen, dass Gefühle nicht nur das körperliche Wohlbefinden sondern auch die menschliche Haut beinflussen, denn diese ist bekanntlich das flächenmäßig größte Organ des Menschen. Die Haut hat eine Vielzahl nicht nur physiologischer sondern psychologischer Funktionen, denn sie ist die Schnittstelle des Körpers zur Umwelt, sie schützt den Organismus vor äußeren Einflüssen, und sie liefert ihm Informationen über Änderungen der Umwelt, denn sie reagiert auf Berührungen, auf Druck, auf Temperaturen und auf Licht. Beim Zusammenhang zwischen Haut und Psyche können psychische bzw. psychosoziale Ursachen mitverantwortlich für die Entstehung einer Hauterkrankung sein, aber manche psychischen Erkrankungen und Störungen sind eine psychische Reaktion auf eine Hauterkrankung, denn diese ziehen häufig psychosoziale Beeinträchtigungen nach sich. Psychische oder psychosoziale Beeinträchtigungen können sich bei Hauterkrankungen ähnlich wie bei anderen, langwierigen chronischen Erkrankungen in Form von Depressionen oder sozialen Ängsten zeigen, die zu Rückzug oder Isolationführen.

Zwar ist im Detail unklar, warum etwa starke Empfindungen wie Ekelgefühle Herpes auslösen, aber in Experimenten zeigen von Herpes betroffene Menschen in ihrem Blut eine überdurchschnittlich hohe Konzentration von Stoffen, die auf eine erhöhte virale Aktivität schließen lassen. Man vermutet daher, dass Ekel zunächst das Immunsystem schwächt, das die Herpesviren normalerweise in Schach halten soll und dadurch die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs erhöht. Vermutlich ist Stress dann für die Schwächung des Immunsystems verantwortlich, denn sowohl kurzanhaltender als auch dauerhafter Stress stört die Immunabwehr des Körpers.

Bis heute existiert keine Therapie, die das Herpesvirus für immer aus dem Körper eliminieren, sodass das Auftreten von Herpesnbläschen nur rein symptomatisch behandelt werden kann.

Literatur
Niepoth, L. (1998). Chronische Hauterkrankungen. Ein psychologisches Behandlungsprogramm. Weinheim: Beltz.





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