Scapegoating

Scapegoating oder Sündenbockmechanismus bezeichnet die Suche einzelner oder einer Gemeinschaft nach einem Sündenbock, dem man die Schuld für Fehler, Misserfolge oder sonstiges Konfliktpotential zuschieben kann, wobei die tatsächliche Schuld keinerlei Bedeutung hat.

Die soziale Rolle des Sündenbocks lässt sich nicht nur auf einzelne Wesen sondern auch einer ganzen Gruppe von Menschen per Attribution zuweisen, denn sind Menschen frustriert oder unglücklich, richten sie häufig ihre Aggression auf Gruppen, die unbeliebt, leicht identifizierbar und machtlos sind. So benutzen Teile der christlichen Religion den Teufel oder allgemein das Böse, um von der eigenen mangelnden oder schwindenden moralischen Verantwortung abzulenken, wobei eine solche Projektion auf einen Sündenbock für eine Gruppe durchaus identitätsstiftende Funktion bekommen kann.
Manche Soziologen sehen im Sündenbockmechanismus eine grundlegende Hypothese über die Entstehung der menschlichen Kultur, denn gebraucht wird ein Sündenbock immer dann, wenn die Gemeinschaft innerlich zerrissen ist, sich vom Zerfall oder von einer Katastrophe bedroht fühlt. Dadurch, dass damit eine falsche kausale Verbindung zwischen Bedrohung und dem ausgewählten Sündenbock hergestellt wird, wird das Übel externalisiert und die Gemeinschaft wieder stabilisiert. Das trifft etwa aktuell auf die katholische Religionsgemeinschaft zu.
Der Begriff des Sündenbocks ist biblischer Herkunft, denn am Jom Kippur übertrug der Hohepriester die Sünden des Volkes Israel durch Handauflegen symbolisch auf einen Ziegenbock, den man dann in die Wüste hinaus jagt, wobei man erwartet, dass dabei die Sünden mitverjagt werden. Das Bild des Ziegenbockes, der dem Teufel dargebracht wird, taucht übrigens immer wieder auch in Sagen auf.



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