ABC-Modell der Emotionen

Menschen werden nicht durch die Dinge an sich beunruhigt,
sondern durch die Meinungen, die sie darüber haben.
Epiktet

Das ABC-Modell der Emotionen von Ellis (1962) dient in der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie zur Beschreibung, zum Aufspüren und zur Diagnose von Situationen, Kognitionen, Emotionen und Verhalten. Die Abkürzung ABC steht dabei für Activating moment (Ausgangssituation), Belief system (Bewertungssystem) und Consequences (Konsequenzen). Ellis Ansatz, die selbstschädigenden Gedanken des Klienten zu betrachten, gehört zur kognitiven Wende in der Psychologie, also der Rückbesinnung auf das Denken und Fühlen in der Abkehr vom Behaviorismus, indem die Rational-Emotive Verhaltenstherapie auf die verändernde Kraft der Einsicht des Menschen setzt.

Dieses ABC-Modell besagt, dass nicht die Ausgangssituation die Gefühlskonsequenz oder die Verhaltenskonsequenz bestimmt, sondern das Bewertungssystem, sodass jemand, der unter emotionaler Belastung leidet, diese durch eine Bewertungsänderung ablegen lernen kann. Die Ausgangssituation beschreibt den Zeitpunkt, in dem ein aktivierter Bewertungsvorgang zu einer emotionalen Konsequenz führt. Um einen Bewertungsprozess in Gang zu setzen, muss vorher etwas geschlussfolgert worden sein, wobei sich häufig diese Schlussfolgerungen auf etwas zuvor Wahrgenommenes beziehen. Die Wahrnehmungen bzw. die Schlussfolgerungen können dabei mehr oder minder bewusst oder unbewusst ablaufen. Da die Ausgangssituation die Grundlage für das zu diesem Zeitpunkt aktivierte Bewertungssystem und die daraus hervorgehenden Gefühls- und Verhaltenskonsequenzen bildet, ist offenkundig, warum es bei der Beschreibung der Ausgangssituation auf eine möglichst präzise Wiedergabe des dort Wahrnehmbaren ankommt. Wenn es nämlich nicht gelingt, die Situation annähernd objektiv zu betrachten, werden die Bewertungen auf verzerrter Realitätswidergabe beruhen, und das wird in vielen Fällen zu unnötigen emotionalen Turbulenzen führen. Zu einer objektiv beschriebenen Ausgangssituation gehören dabei möglichst wenig Gedanken, Erinnerungen, Spekulationen und Vorwissen. Menschen können im übrigen in derselben Situation völlig verschiedene Wahrnehmungen haben, wofür etwa das unkontrollierte Einfließen von Phantasien, soziokulturellen Normen und Erinnerungen, willkürliche oder unwillkürliche, mehr oder weniger sinnvolle Schlussfolgerungen und Spekulationen und die unterschiedlich gut ausgeprägte Fähigkeit, Fakten von Hypothesen und Meinungen zu trennen, verantwortlich sein können.

Literatur
Ellis, A. (1962). Reason and emotion in psychotherapy. New York: Lyle Stuart.
Stangl, W. (1998). Kurzzeittherapeutischen Schulen.
WWW: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/PSYCHOTHERAPIE/Kurzzeittherapien.shtml (98-09-17)
http://en.wikipedia.org/wiki/Albert_Ellis (12-11-21)
http://cjc.synergiesprairies.ca/cjc/index.php/rcc/article/viewFile/1720/1571 (12-11-21)




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