Poriomanie

Poriomanie – auch Dromomanie, dissoziative Fugue, pathologischer Wandertrieb, zwanghafte Wander- oder Fluchtbereitschaft – bezeichnet eine Impulskontrollstörung, die ein zwanghaftes unvermitteltes Weglaufen ohne einen einsichtigen Grund und ohne ein fassbares Ziel zur Folge hat. Objektiv betrachtet ist dieses Weglaufen eine mehr oder minder zielgerichtete Ortsveränderung, die über die gewöhnliche Alltagsmobilität hinausgeht. Es ist daher umstritten, ob es sich tatsächlich um eine Krankheitserscheinung im eigentlichen Sinn handelt ist, wobei die Häufigkeit in den letzten hundert Jahren deutlich abgenommen hat. Häufig besteht für die Zeit der Flucht eine Amnesie, d.h., das Verhalten des Betroffenen während dieser Zeit wirkt auf unabhängige Beobachter vollständig normal. Psychodynamisch wird ein solches Fluchtverhalten als unbewusster Abwehrmechanismus gesehen, der dazu dient, Verantwortung und Konflikte in der aktuellen Lebenssituation zu vermeiden. Dieser Mechanismus lässt die Grenze zur Simulation bei Überforderungssituation verschwimmen, sodass eine eindeutige Einordnung schwierig ist. Dieses zwanghafte Weglaufen erfolgt meist im Zuge einer psychischen Störung wie einer Neurose, einer Depression oder eines Wahns, aber auch bei Menschen mit kognitiven Behinderungen wie altersbedingter Demenz oder der Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind dann nicht in der Lage, den Heimweg zu finden, sie können auch ihre Motive nachträglich kaum erklären. Die Poriomanie ist nicht einfach mit Fernweh, Neugieroder Abenteuerlust zu erklären, denn die meisten Betroffenen leiden unter Angst und Heimweh und sind nicht in der Lage, einfach umzukehren. Solche Ausbruchs- und Fluchtversuche wiederholen sich regelmäßig, wobei die entsprechenden Auslöseimpulse der Umgebung oft lange verborgen bleiben.
Die Poriomanie findet sich sporadisch auch bei Kindern und pubertierenden Jugendlichen.





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