Peter-Pan-Syndrom

Das Peter-Pan-Syndrom ist die Bezeichnung für ein kindliches Verhaltensmuster bei Männern, das auf den Titel eines Buches von Dan Kiley zurückgeht, in dem er populärwissenschaftlich über Männer schreibt, die nie erwachsen werden. Mittlerweile fand der Begriff auch Eingang in die Wissenschaft, wobei man sechs Symptome des Peter-Pan-Syndroms, definiert, die ganz allgemein für Menschen gilt, die nicht erwachsen werden wollen:

  • Verantwortungslosigkeit: Der Betreffende drückt sich vor seinen Pflichten. Er verlacht unbekümmert die geltenden Regeln, schiebt die Erledigung von Aufgaben vor sich her. Spaß und Abneigung gegen Selbstdisziplin sind sein Credo. Nie sucht er die Schuld an Misserfolgen bei sich selbst. Dank blühender Fantasie kann er sich zum Tagträumer entwickeln.
  • Angst: Er verbirgt ein Schuldgefühl gegenüber den Eltern. Er verarmt emotional, wird unfähig zu tiefer Liebe für andere Menschen.
  • Einsamkeit: Aus dem Gefühl, vom Vater abgelehnt zu werden, entwickelt sich eine ständige Suche nach Freunden, die aber vergeblich bleibt und durch Anpassung an Kumpel-Gruppen kompensiert wird.
  • Sexueller Rollenkonflikt: Einerseits führen Sexualtrieb und Wunsch, geliebt zu werden, schnell zu Partnerschaften, andererseits verhindern Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen, Prahlerei und cooles Macho-Gehabe eine positive und von Offenheit geprägte Beziehung zur Partnerin, außer wenn sie aus Angst vor Verlust und Selbständigkeit willig die überfürsorgliche, nachgiebige, einseitig altruistische, stets auf Harmonie und Konfliktvertuschung bedachte, sich zur Märtyrerin stilisierende „Mutterrolle“ übernimmt.
  • Narzissmus: Selbstverliebtheit, Perfektionismus.
  • Chauvinismus: verächtliche sexistische Einstellung.

Komplementär zum Peter-Pan-Syndrom findet sich die Bezeichnung Wendy-Syndrom für Frauen, die Beziehungen mit Männern führen, die nicht erwachsen werden wollen. Dieses Verhalten geht mit starker Abhängigkeit und Bemutterung des Partners einher.

Literarische Wurzel: Peter Pan ist Held einer Anfang des 20. Jahrhunderts vom britischen Autor J. M. Barrie geschaffenen Kindergeschichte, die von der vorübergehenden Freundschaft dreier gewöhnlicher Londoner Kinder mit dem faszinierenden Jungen handelt, der sie in sein traumhaftes Nimmerland lockt, wo sie zahlreiche Abenteuer erleben, schließlich aber doch vom Heimweh zurückgetrieben werden. Peter Pan, der partout nicht erwachsen werden will, sondern sein Leben in ewigem Spiel verbringt, bleibt einsam zurück.

Literatur
Kiley, D. (1984). The Peter Pan Syndrome: Men who have never grown up. London, Corgi Books.
Ratey, John J. & Johnson, Catherine (1999). Das Schattensyndrom. Neurobiologie und leichte Formen psychischer Störungen. Stuttgart: Klett-Cotta.



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