role taking

Role taking ist im Prozess der Identitätsbildung jener Aspekt, bei dem die antizipierte Erwartungen ständig geprüft und auf Grund neuer Informationen, das der fortschreitende Prozess liefert, immer wieder revidiert werden, bis sich die Interpretationen einer bestimmten Situation und ihrer Erfordernisse unter den beteiligten Interaktionspartnern einander angenähert haben. Wie bei der Rollendistanz, kann Empathie die Identitätsbildung fördern, setzt aber auch voraus, dass schon ein Teil der Identität gebildet wurde, d. h., Empathie ist sowohl Vorraussetzung wie Korrelat von Ich-Identität. Ohne die Fähigkeit, die Erwartungen der anderen zu antizipieren, ist die Formulierung einer Ich-Identität nicht denkbar. Jedoch bestimmt auch die jeweils ausbalancierte Ich-Identität durch die Art, in der sie Normen und Bedürnisdispositionen aufgenommen hat, die Möglichkeit des role talking mit: Die Ich-Identität, die das Individuum in einer bestimmten Situation entwickelt, legt Grenzen fest, über die hinweg der Person ein role talking schwerfällt.  Ist die Ich-Identität durch vielfältige Rollenerfahrungen gelungen, fällt es dem Individuum leichter sich in Rollenerwartungen anderer hineinzuversetzen. Unangenehme Rollenerwartungen, die an das Individuum herangetragen werden, werden nicht sogleich zu einer Bedrohung der Identität. Ist die Ich-Identität nur wenig ausgebildet, werden neue Rollenerfahrungen und Rollenerwartungen kaum aufgenommen, und zwar aus Angst, die eigenen Identität zu gefährden.

Literatur
Krappmann, L. (2000). Soziologische Dimensionen der Identität. Strukturelle Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.




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