Lernwerkstatt

Die Lernwerkstatt ist eine didaktische Form, bei der der Unterricht bzw. das Lernern in der Schule aber auch schon in einem Kindergarten sich nicht ausschließlich am Lehrplan orientiert, sondern vorwiegend an den Kompetenzen der SchülerInnen. Können diese etwas noch nicht, wird das Thema solange mit den betreffenden SchülerInnen bearbeitet, bis es alle verstanden haben. Mit dem Begriff Werkstatt wird ein Arbeitsprinzip beschrieben, bei dem es darum geht, sinnvolles, ganzheitliches Lernen „mit Kopf, Herz und Hand“  im Sinne Pestalozzis erleben zu können.  Besonders wichtig ist dabei, dass die Aufgaben mit dem Alltag der SchülerInnen zu tun haben. So muss etwa für das tägliche gemeinsame Frühstück einmal in der Woche eingekauft werden, für die ganze Klasse, mit Planung und Einkaufszettel, und ganz nebenbei werden etwa die Grundbegriffe der Mathematik wiederholt oder über gesunde Ernährung unterrichtet. So bekommen etwa Kinder mit speziellem Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Fragen in einer Lernwerkstatt die Möglichkeit, sich forschend und selbsttätig Wissen anzueignen. Auch kann zum Beispiel Gartenarbeit in eine Lernwerkstatt integriert werden, etwa in Form eines Hochbeetes, wenn SchülerInnen ihre Setzlinge selber pflanzen und das Wachstum geduldig und ausdauernd beobachten können. Eine Lernwerkstatt bietet eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenverantwortliches Lernen steht. Wesentlich ist dabei auch die Motivation, denn Lernwerkstätten sind Orte, an denen die Menschen durch Eigenaktivität das lernen, was sie interessiert und wofür sie durch den Lernprozess selbst Interesse entwickeln. Kinder können in einer Werkstatt ganz individuell und entsprechend ihrer Fähigkeiten und Begabungen selbstständig arbeiten. Dazu liegen an den Lern- und Arbeitsplätzen unterschiedliche Arbeitsmaterialien für die Kinder bereit, die sie selbst auswählen können. Sie werden so präsentiert, dass die Kinder in ihnen eine Aufforderung zum Handeln entdecken, Ausprobieren und zum Begehen von Lernwegen.

Auch die Lehrerrolle ändert sich, denn viel mehr als LehrerInnen anderer Schulformen haben sie mit dem Alltag ihrer SchülerInne zu tun.

Beispiel einer Lernwerkstatt in einem Kindergarten: „Sternwerkstatt“

Zu Beginn der Adventszeit wurde im Kindergarten St. Martin in Hechingen eine Sternwerkstatt eingerichtet, in der individuelle Basteleien entstehen. Es gibt dort verschiedene Bücher und Geschichten zum Thema Sterne, Bilder und Fotos von Sternen, verschiedene Papiere, Werkzeuge wie Schere, Prickelnadeln, Kleber, Sternenstanzer, Fingerfarben, Sternstempel, Stifte und vieles mehr. Die Kinder zeigen sehr großes Interesse an dieser Sternwerkstatt, so Susanne Wannenmacher-Pavisic, Kindergartenleiterin und Mitbegleiterin der Jungen und Mädchen in diesem Bereich. So viele individuelle und kreative Sterne sind entstanden. Sie zieren die Fenster und Pinnwände des Kindergartens und können vor Weihnachten mit nach Hause genommen werden. Sehr interessiert sind die Kindergartenkinder auch an den Büchern über Sterne. Ganz besonders angetan hat es ihnen „Der Stern und das Weihnachtswunder“. Darin heißt es: „Wir betrachten staunend den Stern, der die Welt hell erleuchtet, silbern strahlt er von fern. Auch wir spüren das Wunder, das vom Himmel niederfällt. Es bringt Strahlen der Hoffnung in das Dunkel der Welt. Sanft leuchtet der Stern auf das Kind dort im Stroh. Es bringt Liebe in die Welt und macht alle froh.“

Literatur & Quellen
Nickel, Ingo (2005).  Von Kerschensteiner bis zur Lernwerkstatt. Hohengehren: Schneider Verlag.
Stangl, W. (1996). Die Lernwerkstatt.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LEHREN/Unterrichtsformen.shtml (96-06-19)
Hohenzollerische Zeitung vom 16. Dezember 2014





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