konduktive Förderung

Konduktive Förderung ist eine ursprünglich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von András Petö entwickelte ganzheitliche Behandlungs- und Fördermethode für Kinder mit Bewegungs- und Entwicklungsstörungen, wobei Therapie und Pädagogik als Einheit betrachtet werden. Ziel ist dabei, eine möglichst große Selbständigkeit zu erreichen und damit eine weitgehende Unabhängigkeit des Kindes von Hilfsmitteln wie Rollstuhl oder fremder Hilfe im Alltag, in der Familie und im Berufsleben.
Die Ausgangshypothese ist dabei, dass Bewegungsstörungen vor allem auch Lernstörungen sind, die neben der Motorik die gesamte Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen, sodass eine Stärkung von Persönlichkeit und Mobilität auf das Selbstbewusstsein und damit auf die Bewegungsebene zurückwirkt. Die sensumotorische Entwicklung des gesunden Kindes in den ersten Lebensmonaten und -jahren für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung zentral, wobei evident ist, dass eine erhebliche Störung der sensumotorischen Entwicklung auch zu einer Störung in anderen Bereichen führen muss, auch wenn es Beispiele dafür gibt, zu welch guten intellektuellen und psychischen Leistungen Kinder mit schweren Bewegungsstörungen fähig sein können. Bei Beeinträchtigungen der Aufnahme, Verarbeitung und Integration von Sinnesreizen, ist daher stets auch die Planung und Umsetzung von Verhalten betroffen, und dies wirkt sich negativ auf alle weiteren Lernprozesse aus.

Durch gezielte Reizzufuhr im Rahmen sinnvoller Aktivitäten können konzeptuelles und motorisches Lernen zur Planung und Organisation von Handlungsschemata verbessert werden.  Außer der Bewegung werden auf Grund individuell definierter Ziele auch Sprache und Sozialisation bzw. Kognition und Kommunikation gefördert, wobei neben Gymnastik und Bewegungsübungen auch Musikerziehung, Tanz, rhythmisches Sprechen, Lesen und Vorlesen, Malen und Basteln zum Einsatz kommen. Menschen mit Wahrnehmungsbeeinträchtigungen lernen ganzheitlich, aktivierend und alltagsbezogen durch gezielte Bewegungsangebote und Einbeziehung aller Wahrnehmungsbereiche sowie unter Anwendung von handlungsbegleitendem Sprechen.





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