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Wille


Der menschliche Wille ist in der Psychologie ein deskriptives Konstrukt, das im Gegensatz zum Trieb eine bewusste Entscheidung zum Handeln voraussetzt. Er wird in der Psychologie vor allem mit rationalem Handeln (im Gegensatz zum affektgesteuertem Handeln) und der Intelligenz in Verbindung gebracht.

Der menschliche Wille gewann erst nach dem 1. Weltkrieg zunehmende Aufmerksamkeit als psychologischer Forschungsgegenstand, wobei der Wille in der Geist-Seele-Dichotomie eingegliedert als bewusster Impuls der Ratio zugeordnet wurde und somit dem Leben diametral gegenüberstand. Ludwig Klages hatte nach der Jahrhundertwende durch sein graphologisches und charakterologisches Werk an Popularität gewonnen und avancierte danach zu einem bekannten Vertreter der Lebensphilosophie. Während Klages seine Willenspsychologie zum Teil in Abgrenzung zu Friedrich Nietzsche entwickelte, gewann diese Kategorie auch und vor allem im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit der seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert expandierenden naturwissenschaftlichen Psychologie und ihren experimentellen, an der Psychophysiologie orientierten Verfahren Aufmerksamkeit. Neue Schulen wie die Ganzheits-, Gestalt- oder Strukturpsychologie kritisierten den kausalanalytischen, atomisierenden Zugang zur Seele und die Vernachlässigung von emotionalen und motivationalen Faktoren. Im Zusammenhang mit der Messung von Leistung und der Erklärung von individuellen Unterschieden wurde das im Kontext von Arbeit oder schulischem Lernen vor allem im Labor gewonnene Wissen als unzureichend betrachtet. Im Aufschwung waren zu dieser Zeit daher Konzepte wie Charakter oder Persönlichkeit, wobei vor allem großes Interesse an der Typenbildung bestand. Damit rückte der Wille als Leistungsdisposition an die Seite von Kategorien wie Ermüdung oder Intelligenz. Dieser Paradigmenwechsel kann auch unter den Vertretern der Psychotechnik nachgewiesen werden, denen es vordringlich um die Effizienzmaximierung des Menschen etwa im Produktionsprozess ging.


1. Definition
„Als Wille bezeichnet man (philosophisch) de dem bewussten Handeln zugrunde liegende «Fähigkeit», sich bewußt aufgrund von Beweggründen (Motiven) für einen bestimmten Handlungsweg oder eine bestimmte Handlungsart zu entscheiden“ (Fröhlich, 1993, S. 433).

2. Definition
Dieser Begriff beschreibt die bewusste Entscheidung etwas zu erreichen. In der modernen Psychologie werden Wille und Absicht oft nur als Teil der Motivation gesehen. Außerdem geht die Psychologie davon aus, dass jeder Mench Opfer seiner Erziehung ist. Auch kulturell gesehen ist der Wille wichtig. Die Viktorianer zum Beispiel glaubten an Willenskraft und waren überzeugt mit dieser alles erreichen zu können (vgl. Cohen, 1995, S. 343).

3. Definition
Das Bestreben, eine bestimmte Handlung auszuführen, wird als Wille bezeichnet. Es ist ein seelischer Vorgang, der auf die Verwirklichung eines vorgestellten Erfolgs gerichtet ist. Dabei wird das Ich als Ursache dieses Verhaltens erlebt. Ganz wichtig ist dabei der Entschluss, der auf psychischen Vorgängen und Motiven emotionaler Natur beruht. Auf den Entschluss folgt die Willenshandlung bei der zwischen Triebhandlung (nur ein Motiv vorhanden) und Wahlhandlungen (Auswahl unter mehreren Motiven) unterschieden wird (vgl. Häcker & Stampf, 1998, S. 950, 951).

4. Definition
Unter dem Begriff Wille versteht man die im Handeln zum Ausdruck kommende Fähigkeit der persönlichen Selbstbestimmung. Man übernimmt Verantwortung für sein Handeln. Daher muss für den Willensakt ein Maß von Wachheit und Einsicht vorausgesetzt werden. Der Handlungsvollzug kann sich zeitlich weit vom Entschluss absetzen (vgl. Hehlmann, 1967, S. 575,576).

5. Definition
„Ein erlebnismäßig und funktional unterscheidbarer Teilprozeß motivierten, zielgarichteten Handelns und der dem Handeln vorgeschalteten Entscheidung. Der Willensbegriff betont die bewußte Ausrichtung und Anspannung des Handelns, und damit die Anstrengungsbereitschaft auf ein Ziel hin. Die auffälligste Willensbekundung des Entscheidungsprozesses ist der Entschluß, eine bestimmte Alternative auszuwählen“ (Clauss, 1990, S. 518).


Siehe dazu auch den Prozess der Willensbildung, der heute im Rahmen der Volitionspsychologie erforscht wird.

Literatur

Berner, E. (2018). Takt vs. Rhythmus: Die Erziehung des Körpers zwischen Technisierung und Technikkritik. Body Politics, 6, 123-146.
Clauß, G.  (1995). Fachlexikon ABC Psychologie. Frankfurt/Main: Verlag Harri Deutsch.
Cohen, D. (1995). Lexikon der Psychologie. München: Verlag Heyne.
Fröhlich, W.D. (1993). Dtv-Wörterbuch zur Psychologie. München: Verlag Deutscher Taschenbuch-Verlag.
Häcker, H. & Stampf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Hehlmann, W. (1967). Wörterbuch der Pädagogik. Stuttgart: Verlag Kröner.


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