Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

situiertes Lernen


Das situierte Lernen knüpft an Klassiker wie John Dewey, Jean Piaget und Lev Vygotsky an und ist eine konstruktivistische Unterrichtsform, die aus der neueren Lernforschung entstammt und in unterschiedlichen Ansätzen mit unterschiedlicher Qualität entwickelt wurde. Das situierte Lernen steht in direkter Kombination mit den Methoden der Anchored Instruction, des Cognitve Apprenticeship, des Problem Based Learning, des Cognitive Flexibility-Ansatzes, des Collaborative Learning und der Metakognition. Situiertes Lernen zielt auf die Herstellung kontextbezogener sozialer Lernumgebungen und umfasst daher ein weites Spektrum an Methoden. Im Grunde ist situiertes Lernen daher weniger eine konkrete Methode als vielmehr ein Lernanspruch, der insbesondere auf Aspekte der sozialen, kulturellen und auch ökologischen Umgebung der Lerner aufmerksam macht, der jedoch diese Umgebung nicht nur als äußerlich, sondern auch als innerlich ansieht. Insoweit gehören die Communities of Practice im Sinne einer ständigen Partizipation der Lerner, einer Mitbestimmung und Demokratie im Kleinen ebenso zu einer guten Lernumgebung wie ein kooperatives Unterrichtsklima und eine insgesamt auf Eigenaktivität und Selbstbestimmung ausgelegte Didaktik.

Situiertes Lernen verbindet nach Mikula (2008, S. 60ff) soziale und situative Erfahrungsinhalte mit entsprechenden biografischen Lernprozessen. Lernen findet in dieser Perspektive immer in einem gesellschaftlichen und situativen Kontext statt. Im kooperativen Setting vollzieht sich Lernen, indem über gemeinschaftliches Bearbeiten von Krisen oder Problemen die Subjekte ihrem impliziten Wissen auf die Spur gelangen und so im Gemeinsamen an der Bewältigung von Lebensaufgaben arbeiten.

Situierte Ansätze des Lernens und Lehrens betonen daher, dass Lernen in situative Kontexte und in soziale Gruppen eingebettet ist und dass Wissen in diesen Situationen aktiv von den Lernenden in Interaktion mit dem Kontext und anderen Personen konstruiert wird. Lehrende müssen daher der Bereitstellung und Gestaltung geeigneter Kontexte Beachtung schenken, in denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Lernenden die erwünschten Konstruktionen vornehmen. Insbesondere authentische Kontexte sollen dabei die Bildung trägen Wissens vermeiden helfen, indem Wissen stets in jenen Kontexten konstruiert wird, in denen es auch angewendet werden soll, sodass es später mit den jeweiligen Kontexten assoziiert und leichter abgerufen werden kann. Neben der Vermeidung trägen Wissens können authentische Kontexte auch einen positiven Effekt auf die Lernmotivation haben, wenn dadurch die Relevanz des zu erlernenden Wissens deutlich wird. Im ARCS-Modell (Keller, 1983) bildet die Relevanz eine wesentliche Motivationskomponente, denn Lernende sind motivierter, wenn ihnen die Lerninhalte für den Alltag oder die Zukunft relevant erscheinen, sodass inhaltliche Relevanz auch einen positiven Einflussfaktor auf die Bildung selbstbestimmter Formen der Motivation besitzen. Die zentralen Elemente des von Keller & Kopp (1987) entwickelte ARCS Modell sind Aufmerksamkeit, Bedeutung der Lerninhalte, Erfolgszuversicht und Zufriedenheit (Attention, Relevance, Confidence, Satisfaction).

Zwar sind situierte Lernszenarien nicht automatisch motivierend, sondern so müssen etwa auch die Prüfungsanforderungen entsprechend angepasst werden. Auch motiviert nicht jeder Inhalt jeden Lernenden in gleichem Ausmaß, was aber durch die Gewährung einer gewissen Wahlfreiheit des Kontextes erreicht werden kann, damit sich Lernende als autonom erleben, wodurch selbstbestimmte Formen der Motivation gefördert werden.

Literatur

Keller, J. (1983). Motivational design of instruction. In C. Reigeluth (ed.), Instructional design theories and models. An overview of their current studies. Hillsdale, NJ: Erlbaum. Keller, J.M. & Kopp, T.W. (1987). An application of ARCS model of motivational design. In Reigeluth, C. M. (ed.), Instructional theories in action. Lessons illustrating selected theories and models (S. 289-320). Hillsdale, NJ: Erlbaum.
Mikula, Regina (2008), Die Mehrperspektivität des Lernens in der Verortung und Rekonstruktion biografischer Veränderungsprozesse. In Rudolf Egger et al. (2008), Orte des Lernens: Lernwelten und ihre biographische Aneignung (S. 59-72). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Reich, Kersten (Hrsg.) (2012). Methodenpool. Anchored Instruction.
WWW: http://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/didaktik/situierteslernen/frameset_situiertnetz.html  (11-03-21)
Spannagel, C. & Schimpf, F. (2009). Öffentliche Seminare im Web 2.0. In A. Schwill & N. Apostolopoulos (Hrsg.), Lernen im Digitalen Zeitalter. Workshop-Band. Dokumentation der Pre-Conference zur DeLFI 2009 (S. 13-20). Berlin: Logos.

Weitere Seiten zum Thema

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:



You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu



© Werner Stangl Linz 2020
/p> ...............
<