Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

Webersches Gesetz


Das Webersche Gesetz bezeichnet in der Psychologie bzw. Psychophysik jenes Prinzip, das besagt, dass sich zwei Reize um einen konstanten minimalen Prozentsatz (und nicht um einen konstanten Absolutbetrag) unterscheiden müssen, damit der Unterschied zwischen ihnen wahrgenommen wird. Die Psychophysik beschäftigt sich demnach mit den Gesetzmäßigkeiten zwischen dem subjektiven Erleben und dem physikalisch messbaren, also den objektiven Reizen, die diese auslösen.

Das Webersches Gesetz ist übrigens das älteste Gesetz der Psychophysik, wobei diese Regeln gleichsam das wissenschaftliche Fundament für die mathematische Erklärungen der Reizverarbeitung des menschlichen Gehirns bilden. Dennoch blieb bis dato unklar, wie das Gehirn beim Erfassen von Unterschieden den Faktor der Gesamtstärke des Sinneseindrucks herausrechnet.

Pardo-Vazquez et al. (2019) haben nun entdeckt, dass das Webersche Gesetz an eine weitere psychophysikalische Regel geknüpft ist, welche die Zeit betrifft, die erforderlich ist, um eine Entscheidung zu treffen. Im Rahmen ihrer Studie untersuchte man das Webersche Gesetz über die Fähigkeit von Ratten, zwischen Tönen verschiedener Lautstärke zu unterscheiden. Sie konstruierten dazu winzige Kopfhörer, die speziell an den Kopf der Tiere angepasst waren, wobei bei jedem Versuch der Ton auf einem der beiden Lautsprecher etwas lauter war. Die Ratte wurde in dem Experiment darauf trainiert, sich auf jene Seite hin auszurichten, auf der der Lautsprecher den lauteren Ton wiedergab. Es bestätigte sich dabei, dass das Verhalten der Tiere beim Hören genau dem Weberschen Gesetz entspricht, d. h., die Fähigkeit zu bestimmen, welcher der beiden Töne lauter war, hing nur vom Verhältnis zwischen den Intensitäten der Töne ab. Wenn die Ratte die Intensitäten von zwei leise gespielten Tönen vergleichen musste, war ihre Genauigkeit genauso gut wie bei einem Paar Töne, die lauter gespielt wurden, solange beide Paare nur das gleiche Intensitätsverhältnis aufwiesen. Des weiteren zeigte sich, dass die Entscheidungszeiten mit dem Niveau der Lautstärke der beiden Klänge proportional verknüpft waren, d. h., je lauter die beiden Klänge waren, desto kürzer war die Entscheidungszeit, solange die relativen Lautstärken zwischen beiden Tönen konstant blieben. Die Entscheidungszeit beim Vergleich zwischen zwei leisen Geräuschen blieb genau proportional zu den Entscheidungszeiten, die gemessen wurden, als die Tiere zwischen zwei lauten Geräuschen unterscheiden sollten. Beim gleichen Experiment mit menschlichen Probanden zeigten sich dabei ähnliche Ergebnisse. Man schließt aus diesen Ergebnissen, dass es sich dabei um ein neues psychophysisches Gesetz handelt, das als „Zeit-Intensitäts-Äquivalenz bei der Diskriminierung“ bezeichnet werden kann.

Siehe auch das Weber-Fechnersche Gesetz.

Literatur

Pardo-Vazquez, Jose L., Castiñeiras-de Saa, Juan R., Valente, Mafalda, Damião, Iris, Costa, Tiago, Vicente, M. Inês, Mendonça, André G., Mainen, Zachary F. & Renart, Alfonso (2019). The mechanistic foundation of Weber’s law. Nature Neuroscience, doi:10.1038/s41593-019-0439-7.
https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/einblick-in-ein-psychophysikalisches-raetsel/ (19-08-12)

 


Weitere Seiten zum Thema

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:



You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu



© Werner Stangl Linz 2019