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Lysergsäurediethylamid – LSD


Lysergsäurediethylamid (LSD) ist eine starke halluzinogene Droge, die auch als Acid bekannt ist. LSD ist das Alkaloid des Mutterkornpilzes und der Trichterwinde. Erstmalig 1938 von Albert Hofmann in den Labors von Sandoz (Basel) extrahiert und 1943 in seiner Wirkung von demselben entdeckt. Hofmann hatte LSD für die Firma Sandoz bei der Suche nach einem Kreislaufmittel synthetisiert und nachdem er angeblich aus Versehen damit in Berührung kam. Bei seinem ersten Selbstversuch erlebte er die Wirkungen während einer Fahrradfahrt. Seither feiern manche Menschen den 19. April als den Bicycle Day.

LSD ist die Substanz mit der stärksten bekannten psychoaktiven Wirkung. Durch ihre Wirkung auf das Bewusstsein erzeugt sie einen Rausch, der häufig verdrängte oder unterbewusste Erlebnisse wieder hervorbringen kann, vor allem auch negative.

Die Aufnahme erfolgt in der Regel oral über die Schleimhäute, und wird in flüssiger Form auf Löschpapier aufgetragen. Auch auf Zuckerwürfel geträufelt kann LSD  konsumiert werden. LSD liegt meist als LSD-getränkte Löschpapier-Blättchen (“Pappen”, “Trips”, “Tickets”), seltener als Pillen (“Micros”) vor, wobei diese häufig höher dosiert sind als die Pappen. Von den Trägerstoffen verflüchtigt sich die Droge innerhalb weniger Wochen, wenn sie mit Luft, Licht oder Feuchtigkeit in Kontakt kommt, daher wird die Droge meist unter Verschluss aufbewahrt. LSD ist bereits in sehr geringer Dosierung wirksam. Rausch bei etwa 0,1 mg. Einnahme: oral oder intravenös.

Die Wirkungen von Halluzinogenen auf die Psyche sind vielfältig, unter anderem verändern sie Wahrnehmung, Zeiterleben, Denken und emotionales Erleben. Unmittelbar nach der Entdeckung war das Interesse insbesondere in der Psychiatrie groß, denn man erhoffte sich etwa Einblicke in die Entstehung von Halluzinationen und führte Studien zur Wirksamkeit bei Erkrankungen wie Depression oder Alkoholabhängigkeit durch. In den 1950er und 1960er Jahren gab es Untersuchungen zur Eignung als Therapiemittel, wobei die Anzahl beobachteter psychotischer Reaktionen, Suizidversuche und Suizide sich nicht von denen konventioneller Psychotherapiemethoden unterschieden. Auch das US-Militär und der Geheimdienst CIA untersuchten die Droge für den Einsatz als biologischen Kampfstoff oder als Wahrheitsserum, allerdings löste der Wirkstoff bei den Probanden den Wunsch aus, das Militär zu verlassen, woraufhin  die Versuchsreihen beendet wurden. In den 60er Jahren wurde LSD weltweit für illegal erklärt und die medizinische Forschung kam zum Erliegen, doch seit einigen Jahren ist das Interesse an der Erforschung von Halluzinogenen für medizinische Zwecke wieder erwacht.

Carhart-Harris et al. (2016) haben mit bildgebenden Verfahren untersucht, was unter LSD-Einwirkung im Gehirn passiert – man verabreichte zwanzig Freiwilligen an einem Tag 75 Mikrogramm LSD und an einem anderen Tag ein Placebo -, wobei die Ergebnisse zu den Selbstbeschreibungen der normalen Konsumenten von LSD und zu deren Halluzinationen passen. Werden nämlich visuelle Informationen im Wachzustand für gewöhnlich im visuellen Cortex verarbeitet, spielt dieser zwar bei LSD-Konsumenten auch eine wichtige Rolle, steht aber in einem stärkeren Austausch mit anderen Gehirnarealen, sodass durch LSD die Grenzen zwischen den einzelnen neuronalen Netzwerken durchlässiger werden, was zu einer vielfältigeren Wahrnehmung führt, in der verschiedene Sinneseindrücke ineinanderfließen. Im Laufe des Lebens werden menschliche Gehirne immer spezialisierter und starrer, was sich jedoch unter LSD-Einfluss ändert, indem diese wieder anschlussfähiger an andere werden, was auch Areale betrifft, die für das Selbstbewusstsein zuständig sind. Man fand damit vermutlich auch eine neuronale Erklärung dafür, warum Menschen unter LSD-Einfluss ihr eigenes Ich plötzlich so viel leichter und intensiver in einen größeren Kontext, etwa als Teil der Erde oder gar des Universums, einordnen und nachempfinden können. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist ein Gehirn im LSD-Zustand eher wie das eines Kindes, nämlich freier und ungezwungen. Nach einer Untersuchung von Preller et al. (2018) lässt LSD offenbar die Grenzen zwischen der eigenen Person und anderen Personen während einer sozialen Interaktion verschwimmen, wofür im Gehirn der Serotonin 2A-Rezeptor (5-HT2A-Rezeptor) verantwortlich zeichnet. Probanden mussten durch Augenbewegungen einem virtuellen Avatar folgen, wobei die Unterscheidung zwischen der eigenen und anderen Personen unter LSD-Einfluss weniger leicht möglich war, wodurch sich auch die soziale Interaktion veränderte.

LSD reduziert nach neueren Untersuchungen auch die Aktivität jener Hirnregion, die für die Verarbeitung von negativen Emotionen wie Angst von zentraler Bedeutung ist. Psychoaktive Substanzen wie LSD könnten daher vor allem in der Kombination mit Psychotherapien eine Alternative zu herkömmlichen Medikamenten bieten, denn Halluzinogene binden an einen Rezeptor des Neurotransmitters Serotonin. Mueller et al. (2017) konnten nämlich zeigen, dass eine Evokation von Angst unter LSD zu einer deutlich niedrigeren Aktivität der Amygdala führt, also jene Hirnregion, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Diese Beobachtung könnte auch jene Veränderungen im emotionalen Erleben erklären, die nach der Einnahme von Halluzinogenen auftreten, denn je niedriger die LSD-induzierte Amygdala-Aktivität eines Probanden war, desto höher war der subjektive Drogeneffekt dieser Person.


Lysergsäurediethylamid wurde als starke halluzinogene Substanz von Psychiatern in den 1950er und 1960er Jahren umfassend untersucht, wobei man sich besonders für die Effekte, die durch diese Substanz hervorgerufen werden, von denen einige den Symptomen der Schizophrenie ähneln, interessierte. Darüber hinaus wurde LSD während dieser Zeit auch zur Behandlung verschiedener psychischer Störungen wie Depressionen, Angstzuständen, Süchten und Persönlichkeitsstörungen eingesetzt. Trotz dieser langen Forschungsgeschichte ist noch immer relativ unklar, welche spezifischen Auswirkungen dieses Suchtmittel auf neuronaler Ebene induziert. Vor allem aber will man bei einem Einsatz wissen, wie dieses Halluzinogen auf der Ebene der einzelnen Neuronen wirkt. Daher hat man in zahlreichen Untersuchungen die Substanz gesunden Freiwilligen verabreicht und die Wirkungen auf deren Gehirn beobachtet. Vor allem in den letzten Jahren hat die Forschung zu halluzinogenen Medikamenten und ihren möglichen klinischen Anwendungen wieder an Bedeutung gewonnen, wobei vor allem Neuroimaging-Studien mittels funktioneller Magnetresonanztomographie immer zahlreicher eingesetzt werden.
Müller & Borgwardt (2019) haben diese Untersuchungen gesammelt und versucht, diese gesamthaft zu interpretieren. Insgesamt deuten frühere Ergebnisse darauf hin, dass die LSD-Verabreichung mit umfangreichen Veränderungen in der funktionellen Gehirnvernetzung verbunden ist, indem sie die korrelierten Aktivitäten zwischen verschiedenen Gehirnregionen beeinflusst. Die Studien berichteten daher hauptsächlich über eine Zunahme der Konnektivität zwischen den Arealen und fanden insbesondere eine erhöhte Konnektivität innerhalb des thalamocortikalen Systems, was im Einklang mit Modellen steht, die davon ausgehen, dass halluzinogene Drogen ihre Wirkung entfalten, indem sie die zerebrale Filterung externer und interner Daten hemmen. In der Regel fungiert der Thalamus als Filter und entscheidet, welche Sinneseindrücke an die Hirnrinde weitergegeben werden sollen. Lässt dieser Filter nämlich sämtliche Eindrücke passieren, führt das zu einer intensiveren Wahrnehmung des Selbst und der Umwelt ähnlich einem LSD-Trip. Eine solche erhöhte Verbundenheit der Gehirnareale könnte daher die therapeutische Wirkung des Halluzinogens erklären, doch gibt es zahlreiche Einschränkungen der Interpretation aufgrund potenzieller Verzerrungen bei solchen Messungen. Auch müsste geklärt werden, welchen Einfluss die Dosis etwa auf die Vernetzung der Hirnareale hat, wobei gleichzeitig zahlreiche physiologische Parameter wie Herzfrequenz und Blutdruck verändert werden, was dann die mittels funktioneller Magnetresonanztomographie gefundenen Messdaten beeinflussen könnte.

Literatur

Müller, F. , Lenz, C. , Dolder, P. C. , Harder, S. , Schmid, Y. , Lang, U. E. , Liechti, M. E.  & Borgwardt, S.  (2017). Acute effects of LSD on amygdala activity during processing of fearful stimuli in healthy subjects. Translational Psychiatry, 7, doi:10.1038/tp.2017.54.
Müller, F. & Borgwardt, S. (2019). Acute effects of lysergic acid diethylamide (LSD) on resting brain function. Swiss Med Wkly, 149, doi:10.4414/smw.2019.20124.
Robin L. Carhart-Harris, Suresh Muthukumaraswamy, Leor Roseman, Mendel Kaelen, Wouter Droog, Kevin Murphy, Enzo Tagliazucchi, Eduardo E. Schenberg, Timothy Nest, Csaba Orban, Robert Leech, Luke T. Williams, Tim M. Williams, Mark Bolstridge, Ben Sessa, John McGonigle, Martin I. Sereno, David Nichols, Peter J. Hellyer, Peter Hobden, John Evans, Krish D. Singh, Richard G. Wise, H. Valerie Curran, Amanda Feilding, and David J. Nutt (2016). Neural correlates of the LSD experience revealed by multimodal neuroimaging. PNAS, doi:10.1073/pnas.1518377113.
Preller, K. H., Schilbach, L., Pokorny, T., Flemming, J., Seifritz, E. & Vollenweider, F. X. (2018). Role of the 5-HT2A receptor in self- and other-initiated social interaction in LSD-induced states – a pharmacological fMRI study. J. Neuoscience.
https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Wie-LSD-seine-Wirkung-im-Gehirn-entfaltet.html (17-04-10)


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