Corpus callosum

Kurzdefinition: Das Corpus Callosum oder der Balken verbindet die beiden Gehirnhälften, wobei seine 250 Millionen Nervenfasern dienen dem Informationsaustausch.

Der Corpus callosum bzw. Balken ist jenes breite Band aus Nervenfasern, das die beiden Gehirnhälften (Hemisphären) miteinander verbindet und über das Informationen weitergeleitet werden. Über den Balken erfolgt der Informationsaustausch und damit die Koordination zwischen den beiden Hemisphären, die jede für sich zum Teil unterschiedliche Aufgaben bei der Informationsverarbeitung besitzen. Allerdings dient dieser Balken zwischen den Hirnhälften nicht nur zur Verbindung, sondern auch der Hemmung, denn eine Hirnhälfte kann über das Corpus callosum die Aktivität der anderen unterdrücken.

Aufgrund von anthropologischen Forschungen weiß man, dass die Brücke zwischen den beiden Hirnhälften im Zuge der menschlichen Entwicklung immer dünner geworden ist. Das Corpus callosum ist daher relativ zum Gehirnvolumen im Laufe der Evolution nicht gewachsen, sondern geschrumpft. Zwar sind zahlreiche menschliche Organe doppelt angelegt, doch eine schlüssige Theorie, warum gerade das Gehirn aus zwei Hälften bestehen muss, fehlt bis dato. Beim Gehirn scheint die Zweiteilung auch deshalb zumindest fragwürdig, denn eigentlich ist das grundlegende Bauprinzip des Denkorgans die Konnektivität, also die Maximierung von Verbindungen.


Bemerkenswertes: Übrigens haben Untersuchungen gezeigt, dass Menschen, die jahrelang regelmäßig Schlagzeug spielen, sich in ihrer Gehirnstruktur und -aktivität von unmusikalischen Menschen unterscheiden. Schlagzeuger besitzen zwar weniger aber dafür dickere Fasern im Corpus Callosum, also der Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften. Darüber hinaus sind die motorischen Areale der Schlagzeuger effizienter organisiert, was daran liegt, dass die meisten Menschen vor allem feinmotorische Aufgaben nur mit einer Hand ausführen können und Probleme haben, mit beiden Händen unterschiedliche Bewegungen auszuführen bzw. im Fall der Schlagzeuger sogar gleichzeitig unterschiedliche Rhythmen zu spielen. Durch dieses stärker ausgebildete Corpus Callosum können die Schlagzeuger Informationen daher schneller zwischen den Gehirnhälften austauschen, wobei auch das Gehirn von Schlagzeugern bei motorischen Aufgaben viel weniger aktiv ist als bei anderen Menschen, denn Schlagzeuger haben für komplexe Abläufe eben effektive Routinen entwickelt, die ihr Gehirn beim Musizieren in dieser Hinsicht entlasten.

Literatur

Lara Schlaffke, Sarah Friedrich, Martin Tegenthoff, Onur Güntürkün, Erhan Genç, Sebastian Ocklenburg (2019). Boom Chack Boom – A multimethod investigation of motor inhibition in professional drummers. Brain and Behavior, doi:10.1002/brb3.1490.

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