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Invektivität


Invektivität bezeichnet Phänomene der Schmähung und Herabwürdigung, der Beschämung und der Bloßstellung von Menschen und Menschengruppen, und lassen sich als spezielle epochen- und kulturübergreifende Arten von Kommunikation auffassen. Der Begriff leitet sich von der antiken Schmährede (invectiva oratio) ab und bezeichnet ein breites Spektrum von herabsetzenden Stereotypisierungen, Stigmatisierungen, Beleidigungen und Ausgrenzungen.

Solche Phänomene der Herabwürdigung hat es zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben und waren und sind von den jeweiligen sozialen, politischen, ökonomischen und medialen Kontexten geprägt, auf die sie ihrerseits zurückwirken. Moderne Formen der Invektivität finden sich etwa aktuell in Form von Shitstorms, populistischen Twitter-Nachrichten und Internet-Kommentaren, denn sie stacheln an, hetzen auf, provozieren, diskreditieren, grenzen aus und stigmatisieren.

Verbale und zeichenhafte Aggressionen gegen Menschen oder Menschengruppen sind dabei aber grundlegende Erscheinungsformen des Sozialen, wobei Herabsetzungen oder Ausgrenzungen oft an Zuschreibungen anknüpfen, die sich auf ethnische, nationale oder religiöse Zugehörigkeiten, soziale Positionierungen, Geschlecht, sexuelle Orientierungen oder andere für die Konstruktion von Identität relevante Merkmale beziehen. Solche invektiven Akte sind dabei mehr als marginale oder deviante Formen sozialer Interaktion, denn sie zielen direkt auf das Soziale, indem sie veränderte soziale Verhältnisse destruieren, destabilisieren oder dynamisieren wollen.

Invektivität fokussiert dabei auf jene Aspekte von Kommunikation (verbal oder nonverbal, mündlich, schriftlich, gestisch oder bildlich), die dazu geeignet sind, andere herabzusetzen, zu verletzen oder auszugrenzen. Dabei unterliegen Erscheinungsformen und Funktionen
des Invektiven keinem starren Muster, sondern treten in medialer, politischer, sozialer und ästhetischer Hinsicht in komplexen, historisch variablen Konstellationen auf. Sie können deshalb angemessen nur als performatives Geschehen, als relationales Geflecht von Zuschreibungen, Resonanzen und Anschlusskommunikationen sowie im Kontext ihrer sozialen, diskursiven und medialen Ermöglichungsbedingungen verstanden werden.

Klassisches Beispiel sind die Philippischen Reden, mit denen Cicero versuchte, den Untergang der Republik verhindern zu können, indem er seine Mitbürger dazu brachte, Mark Anton zum Staatsfeind zu erklären, damit dieser sich nicht zum Nachfolger Caesars als Diktator aufschwingen konnte. Dieses Ziel verfolgte er in allen vierzehn Reden, die zwischen September 44 und April 43 v. Chr. entstanden sind. Die schärfsten Angriffe enthält die zweite Rede, bei der es sich um die einzige handelt, die Cicero nicht vor dem Senat gehalten hat, sondern lediglich in Gestalt eines fingierten Vortrages konzipiert und vermutlich im Herbst 44 v. Chr. auch als Flugschrift in mehreren Abschriften publiziert hat. Nicht zuletzt wegen ihres hochgradig invektiven Charakters hat gerade die zweite Philippica eine besonders intensive Rezeption erfahren.

Literatur

https://kulturwissenschaftlichezeitschrift.de/artikel/ellerbrock-et-al-invektivitaet/ (19-06-08)
https://tu-dresden.de/gsw/sfb1285/forschung/forschungsprogramm (19-06-08)


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