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Flimmerverschmelzungsfrequenz


Die Flimmerverschmelzungsfrequenz, auch Flimmerfusionsfrequenz oder kritische Flickerfrequenz (flicker fusion frequency), bezeichnet die Frequenz, bei der eine Folge von Lichtreizen als ein kontinuierliches Licht wahrgenommen wird. Beim Menschen liegt diese Flimmerverschmelzungsfrequenz bei niedriger Lichtintensität (skotopisches Sehen durch die Stäbchen) bei 22 Hz bis 25 Hz, bei höheren Lichtintensitäten wird photopisches Sehen möglich und die Zapfen auf der Retina werden zusätzlich angeregt. Die Flimmerfusionsfrequenz des Menschen steigt dann mit der Lichtintensität und zwar abhängig von der Flächenverteilung der Lichtintensität auf bis zu 90 Hertz. Auf diesem Prinzip beruht übrigens die Kinematografie, die mit 16–20 Bildern pro Sekunde arbeitet. Je höher die Flimmerverschmelzungsfrequenz, umso leistungsfähiger ist dabei der Sehapparat des Individuums. Der klassische Flimmerversuch, der sich mit der Abfolge von Hell und Dunkel etwa mithilfe eines Flimmergerätes als Reiz bedient, bietet in Experimenten etwa Einblick in den Ermüdungszustand eines Probanden. Darum kann ein solcher Test mit gewissen Einschränkungen bei Sportlerinnen auch als ein Indikator für Trainingswirkungen auf den Zustand des Zentralnervensystems eingesetzt werden.

Bei unvollständiger Verschmelzung zweier Lichtreize tritt in der Wahrnehmung ein Flimmern auf, denn für die chemischen Prozesse in der Netzhaut des Auges, die bei der Lichtreizung ausgelöst werden und zur Erregung führen, ist eine Mindestzeit erforderlich. Ist das Zeitintervall zwischen einzelnen Reizen kürzer als diese Mindestzeit, so können diese Reize nicht mehr als periodisch wahrgenommen und von einem gleichmäßig andauernden Reiz unterschieden werden, d. h., das zeitliche Auflösungsvermögen des Auges wird in diesem Fall also überschritten. Die Ursache für die Flimmerfusion liegt also darin, dass oberhalb dieser Frequenz das Rezeptorpotential zwischen den Wechseln nicht mehr abklingen kann, die Potentialwellen vereinigen sich zu einem gleichbleibenden Depolarisationsniveau, was vom Zentralnervensystem als Dauerlicht interpretiert wird.

Manche Menschen haben dabei eine solche überdurchschnittliche Sehfähigkeit, denn so vermutet man, dass etwa Leonardo da Vinci den Flügelschlag von Libellen beobachten konnte, denn er hielt in Zeichnungen von Libellen bereits fest, dass deren Vorder- und Hinterflügel sich asynchron bewegen, also eine Entdeckung, die man erst vier Jahrhunderte später mit Zeitlupenaufnahmen nachweisen konnte. Auch der japanischen Maler Hokusai, dessen Bild der „Großen Welle vor Kanagawa“ weltberühmt ist, hat diesen Unterschied zwischen Libellenflügeln bemerkt. Damit die beiden die Flügel einer Libelle sehen konnten, mussten sie zwischen 50 und 100 Reize pro Sekunde wahrnehmen.

Diese Gabe zur Flimmerverschmelzungsfrequenz wird auch vielen Tennis- und Baseball-Profis zugeschrieben, denn dadurch erleben sie gewissermaßen das Geschehen während des Spiels in Zeitlupe und haben daher mehr Möglichkeiten, etwa auf den Flug des Balles zu reagieren. Während normale Spieler im Schnitt zwischen 20 und 40 Reize pro Sekunde einzeln wahrnehmen können , sind manche Baseballprofis sin der Lage, die Details eines Baseballs zu erkennen, wenn dieser bis zu fünfzigmal pro Sekunde rotiert.

Siehe dazu auch das von Max Wertheimer entdeckte Scheinbewegungs- bzw. Phi-Phänomen, bei dem zwei Reize, die in schneller Folge hintereinander dargeboten werden, als Bewegung erscheinen. Ist das Zeitintervall zu kurz, wird eine Simultaneität der Reize erlebt, ist es zu lang, entsteht der Eindruck der Sukzessivität. Wertheimer bezeichnet übrigens das Phi-Phänomen nicht als Wahrnehmungstäuschung, da es nicht verschwindet, wenn die Probanden darüber aufgeklärt werden.

Literatur

Bredenkamp, J. (1966). Eine Analyse der FVF als Ermüdungsindikator. Zeitschrift für Experimentelle und Angewandte Psychologie, 13, 199–221.
Stangl, W. (2020). Daten zu Geschichte, wichtigen Richtungen und Personen der Psychologie. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PsychologiePersonen.shtml (2020-06-19).
https://de.wikipedia.org/wiki/Flimmerverschmelzungsfrequenz (14-11-21)


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