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Parasoziale Interaktion


Parasoziale Interaktionen sind abweichende, ersatzweise geübte soziale Verhaltensweisen, wobei ein Akteur mit Individuen oder Gruppen interagiert, die organisatorisch oder technisch fingiert werden und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Wissenssoziologisch fällt eine solche Interaktion in den Bereich der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit.

Parasoziale Interaktion steht für einen spezifischen Modus, mit dem sich Rezipienten zu den in den Medien dargestellten Akteuren in Beziehung setzen, denn während Identifikation und Imitation in der Regel den Wunsch der Menschen ausdrücken, einer Medienperson ähnlich zu sein, beschreibt die parasoziale Interaktion das Phänomen einer gleichsam partnerschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser. Typisch für eine solche Art des Umgangs mit medialen Bezugspersonen ist, dass die dabei entwickelte Beziehung weitgehend im Imaginären verbleibt und keine wechselseitige Auseinandersetzung (Reziprozität) zwischen Rezipient und Medienakteur erlaubt. Eine quasi-reale Beziehung stellt diese Konstellation aber dar, sofern sie auf einer impliziten Übereinstimmung zwischen der Medienperson und dem Rezipienten beruht, so zu tun, als sei die Beziehung nicht medial vermittelt, sondern tatsächlich gelebt.

Da aktuell reale Beziehungsnetze immer brüchiger werden und es teilweise zur Substitution menschlicher Beziehungspartner durch maschinell generierte kommt, beschäftigen sich manche ForscherInnen schon mit der Frage, ob parasoziale Gegenüber überhaupt richtige Beziehungspartner sind oder ob sich hier eine Virtualisierung von Menschsein abzeichnet. Die Mediengesellschaft verändert nicht nur Kommunikationsumgebungen und -praktiken, sondern sie tangiert auch das Beziehungsleben der Menschen. Medien beeinflussen Beziehungen insofern, als sie z. B. dazu bestimmte Vorstellungen, Bilder und Ideale vermitteln, sie gestalten Beziehungen mit, denn schon mit der Wahl der Kommunikationsform wird ein bestimmter Rahmen gesetzt, denn es macht einen Unterschied, ob man sich über Chat, ICQ oder E-Mail austauscht. Medien konstituieren letztlich neue Formen von Beziehungen, insbesondere dann, wenn z. B. mit virtuellen Charakteren interagiert wird oder wenn Beziehungen online gestiftet und gelebt werden. Solche parasozialen Beziehungen findet man in zahlreichen Rollenspielen in den neuen Medien, wobei diese genutzt werden, um die SpielerInnen an das Spiel zu binden. Viele Spieleproduzenten wissen genau, wie wichtig soziale Einbindung für die Menschen ist und stellt sie auf gleich drei Ebenen her: durch Nicht-Spieler-Figuren, über Multiplayer und mit Sharing-Funktionen. Die Möglichkeit, andere zu besuchen oder mit anderen zu interagieren, geben den SpielerInnen das Gefühl, sozial eingebunden zu sein. Durch Nicht-Spieler-Figuren werden „Freunde“ eingebaut, auch wenn man ganz allein spielt. In solchen Spielen interagiert ein Akteur mit Individuen oder Gruppen, die organisatorisch oder technisch fingiert werden und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen (Stangl, 2020).

Auch die Attraktivität mancher Vorabendserien und die Konstanz ihrer Rezeption beruht vor allem auf der Möglichkeit für die ZuschauerInnen, zu den Figuren dieser Daily Soaps parasoziale Beziehungen aufzubauen, da diese Serien die Menschen nicht nur unterhalten wollen, sondern manchmal lebenspraktische Informationen und vor allem auch Vergleichsmöglichkeiten und damit scheinbar Orientierung anbieten.

Anmerkung: Agnostisch betrachtet fällt unter eine solche parasoziale Interaktion auch das Gebet darunter, das innere Gespräch mit Verstorbenen oder mit Gottheiten oder Schutzengeln.

Literatur

Hartmann, Tilo, Klimmt, Christoph & Vorderer, Peter (2001). Avatare: Parasoziale Beziehungen zu virtuellen Akteuren. Medien-und Kommunikationswissenschaft, 49, 350–369.
Stangl, W. (2019). Warum sind Simulationsspiele so faszinierend? – ☀ bemerkt.
WWW: https://bemerkt.stangl-taller.at/warum-sind-simulationsspiele-so-faszinierend/ (2019-05-07)
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-91158-8_43 (2019-05-07)


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