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symbiotische Beziehung


Symbiose bezeichnet ganz allgemein die Vergesellschaftung von Individuen zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist. Der Begriff der Symbiose bzw. symbiotischen Beziehung beschreibt in der Psychologie aber auch bestimmte Formen von Abhängigkeit zwischen Menschen, wobei die Übertragung des ursprünglich biologischen Begriffs auf menschliche Beziehungen meist eine negative Konnotation besitzt, sofern dabei die entwickelte Selbständigkeit und persönlicher Individuation beeinträchtig wird. Symbiotische Beziehungen gelten daher meist als minderwertige, entwicklungshemmende oder geradezu schädigende Lebensform, in der Unabhängigkeit und Reife zugunsten der Befriedigung infantiler Bedürfnisse verfehlt werden.

1 Definition

„Auf diesem theoretischen Hintergrund sind symbiotische Wünsche, Phantasien und Verhaltensweisen als Fixierung oder Rückgriff auf die frühkindliche symbiotische Entwicklungsphase zu verstehen. Ein Elternteil, der sein Kind in einer symbiotischen Beziehung mit sich selbst zu halten versucht, erwartet damit vom Kind die Rolle einer symbiotischen Mutter – das wäre ein Unterfall der Parentifizierung“ (Haag, 2006, S. 35).

2. Definition

„Als symbiotische Verstrickungen, bezeichne ich Beziehungsformen, in denen die Beziehungspartner voneinander nicht das bekommen, was sie brauchen und möchten (Liebe, Fürsorge, Halt,…) und in denen sie sich trotz aller Konflikte, die sie miteinander haben, nicht voneinander lösen können2 (Ruppert, 2010 , S. 128).

3. Definition

„Die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem psychosomatisch erkrankten Kind hat den Charakter einer undifferenzierten, symbiotischen Beziehung. Die Mutter und das Kind scheinen auf existenzielle Weise voneinander abhängig zu sein und versuchen doch gleichzeitig voneinander loszukommen (Jackab, 2006, S. 215).

4. Definition

„Zwei oder mehr Individuen verhalten sich so, als ob sie zusammen eine ganze Person wären. Als symbiotisch wird jede Äußerung einer mangelhaften Abgrenzung bezeichnet. Menschen in einer symbiotischen Haltung vermeiden es eindeutige Abmachungen zu treffen oder konstruktive Auseinandersetzungen zu führen. Eine symbiotische Beziehung besteht, wenn einer der beiden eine überverantwortliche Haltung einnimmt, der andere eine unverantwortliche“ (Pritz, 2009, S. 90).

5. Definition

„Diese Beziehung, die man idealtypisch mit der Mutter-Säuglings-Beziehung beschreiben kann, ist gekennzeichnet durch die existenzielle Abhängigkeit des einen vom anderen“ (Bischof, 2006, S. 45).


Übrigens: Es gibt eine Symbiose zwischen Blattläusen und Ameisen. Die Blattläuse werden von den Ameisen gehegt und gepfleg und transportieren deren Larven an die weichen Blattspitzen, damit sie ihrerseits etwas zurückgeben. Es ist ein süßer Nektar, den die Blattläuse ausscheiden, wenn die Ameisen mit ihren Antennen den Blattlaushintern berühren. Die Ameisen trommeln so lange auf den Hinterleib der Blattläuse, bis diese den süßen Honigtau ausscheiden. Die Ameisen ernähren sich davon oder füttern ihre Brut damit. Für diesen gegenseitigen Vorteil werden die Blattlauskolonien von den Ameisen gegen jeden Feind verteidigt, der sie überwältigen könnte.


Literatur

Haag, K., (2006). Wenn Mütter zu sehr lieben. W.Kohlhammer.
Jackab, S., (2006). Beziehungen erleben: Aspekte menschlicher Beziehungen aus der Sicht heilender systemischer Poimenik für Gemeindeseelsorger, Spezialseelsorge und Diakonie.
Pritz, A & Stumm, G., (2009). Wörterbuch der Psychotherapie.
Ruppert, F., (2010). Symbiose und Autonomie, Symbiosetrauma und Liebe jenseits von Verstrickungen. Gotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH.

 


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