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Eco-Anxiety – Öko-Angst

Eco-Anxiety (Öko-Angst) ist eine neuerdings von manchen Psychologen definierte Form einer Angststörung, die die Angst vor ökologischen Katastrophen und Bedrohungen der natürlichen Umwelt wie Umweltverschmutzung und Klimawandel beschreibt. Gemeint ist damit die Sorge oder Aufregung um den gegenwärtigen und zukünftigen Zustand der Umwelt. Befeuert wird diese Besorgnis in der apokalyptischen Behandlung des Themas in Filmen, Medienberichten oder aber durch Einzelpersonen wie die schwedische Schülerin Greta Thunberg. In Büchern und in Filmen wird die Klimakatastrophe oft als finaler Untergang der Menschheit erzählt, je drastischer desto besser. Folgt man aktuellen Umfragen, entwickelt sich die Klima-Angst zu einem Massenphänomen.

Von der American Psychological Association wurde Öko-Angst – auch Öko-Stress oder Klimaangst – als „chronische Angst vor dem ökologischen Untergang“ definiert. Befeuert werden diese Ängste von Medienberichten über Rekordtemperaturen, schmelzende Eisdecken, einen steigenden Ausstoß an Treibhausgasen oder physischen Auswirkungen des Klimawandels, die bei dafür empfänglichen Menschen zusätzlich zu einer Belastung ihrer psychischen Gesundheit führen können. Verstärkend wirken dabei auch ein Gefühl der Hilflosigkeit und Medienberichte, dass zahlreiche Konferenzen zu diesem Thema offenbar keine nennenswerten Fortschritte bringen. Manche betrachten Öko-Angst daher auch als durchaus rationale Reaktion auf die von ihnen behauptete Realität eines Klimawandels (siehe Anmerkung), die einerseits adaptiv sein und zu nützlichem Verhalten motivieren kann, jedoch andererseits sich auch in Form von Konfliktvermeidung manifestieren und dadurch lähmend wirken kann. Manche Menschen entwickeln etwa aufgrund von Berichten über den Klimawandel so starke Angst vor der Zukunft, dass sie sich entscheiden, keine Kinder zu bekommen. Die Klimaforscherin Ashlee Cunsolo (Labrador Institute an der Memorial University, Kanada) sprach über ökologische Trauer, der Umweltphilosoph Glenn Albrecht prägte den Terminus Solastagie als erlebte Erfahrung umweltbedingter Veränderungen einer vertrauten Landschaft. Solastalgie bezeichnet also den Schmerz bei der Erkenntnis, dass der Ort, an dem man lebt und den man liebt, hier und jetzt verletzt bzw. angegriffen wird, wobei damit das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort, ein Gefühl des Leidens durch die Veränderung dieses Ortes, sowie ein intensiver Wunsch, dass dieser Ort, an dem man wohnt, als mögliche Quelle des Trostes erhalten bleibt, verbunden ist.

Nach Ansicht des Zukunftsforschers Matthias Horx handelt es sich bei den literarischen Texten, die sich mit der Klimakatastrophe beschäftigen, um reine Science Fiction, denn das Thema in seiner Gesamtheit übersteigt das menschliche Vorstellungsvermögen und dockt gleichzeitig an archaische Wahrnehmungsmuster von Schuld, Sühne und Strafe an. Das führt zu zahlreichen Kategorienfehlern, denn es werden etwa das Wetter ständig mit dem Klima und die Zufallseffekte mit Kausalitäten verwechselt, was zu einer Spirale von Angst und Hysterie führt, die sich allzu leicht in Zynismus entlädt oder in einer Retterpose, die dann aufgesetzt wirkt. Alarmismus bei der Klimadebatte ist alles andere als produktiv, da er zu Überforderungsgefühlen und nicht zum Handeln führt, denn je größer das Ungleichgewicht zwischen dem wahrgenommenem Risiko und den wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten erlebt wird, desto wahrscheinlicher sind Abwehrreaktionen wie Leugnen oder Wegschieben. Auch dass manche Menschen eine regelrechte Klimaangst entwickeln, hängt wohl damit zusammen, dass sie die Risiken als übermächtig, die eigenen Handlungsmöglichkeiten aber als äußerst begrenzt empfinden. Eine Lösung könnte übrigens dabei sein, dass man beunruhigende Klimaprognosen stets gleichzeitig mit Lösungen präsentiert, wobei die Politik Rahmenbedingungen schaffen kann, indem sie etwa umweltfreundliches Verhalten fördert oder Gesetze erlässt.

Es ist aus psychologischer Sicht aber grundsätzlich fragwürdig, ob es sich dabei um eine das Individuum schädigende Form der Besorgnis und damit einen pathologischen Ausdruck von Angst handelt, oder ob es eine konstruktive oder anpassungsfähige Reaktion ist, die mit umweltbewussten Einstellungen und Handlungen verbunden ist.

Die Öko-Angst tritt wie die allgemeine Angst in einem breitem Spektrum auf und kann je nach Stärke der damit verbundenen Emotionen für das Leben eines Individuums vorteilhaft oder schädlich sein. Nach einer Umfrage haben mehr als zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland große Angst vor dem Klimawandel, wobei diese Angst durch die Fridays for Future Bewegung einen Resonanzboden bekommt. Manche Menschen bewältigen ihre Gefühle durch neue Formen des Aktivismus, andere zerbrechen daran, was in seltenen Fällen bis zu einer Art Psychose führen kann in Form einer überhöhten Panik vor einer vermeintlichen Apokalypse. Auch sechzig Prozent der Österreicher fürchten sich davor, woberi jeder Zweite der Meinung ist, es habe noch nie so viele Wetterextreme gegeben wie derzeit, und drei von vier Befragten gehen auch davon aus, dass menschliches Handeln dafür verantwortlich ist. In solchen Umfragen spiegelt sich in gewissem Ausmaß wohl auch die aktuelle Medienberichterstattung wider, wobei hinzukommt, dass Menschen bei so abstrakten Ängsten immer das Gefühl haben, die Auslöser nicht beherrschen zu können. Das steht im Gegensatz etwa zur Angst vor Spinnen oder Angst vor dem Fliegen, mit der sich Betroffene in der Regel intensiv auseinandersetzen können.


Eco-Anxiety Öko-Angst


Vor allem Schulkinder entwickeln aufgrund der Klimadebatte eine starke Öko-Angst bzw. ein Gefühl der Klima-Hilflosigkeit und leiden unter der vor allem in den Medien geförderten Panik, denn mit der intensiven Berichterstattung entwickeln sie das Gefühl, das Geschehnis rund um Klima und Umwelt nicht kontrollieren zu können. Das liegt daran, dass sie täglich hören, dass eine Veränderung der Klimapolitik notwendig ist, aber sie fühlen sich bis zu einem gewissen Grad hilflos, um diese Veränderung auch zu erreichen. Der Grund für die mancherorts großen Gruppen liegt nicht zuletzt darin, dass sich die Kinder bzw. Jugendlichen im Gruppenverband einflussreicher fühlen, wobei auch nicht übersehen werden darf, dass manche politischen Gruppen bestimmte Interessen verfolgen, die nicht unbedingt etwas mit Ökologie zu tun haben. Dieser Aktivismus sollte daher in der richtigen Art und Weise gefördert werden – denn im Grunde ist es natürlich wünschenswert, wenn sich junge Menschen engagieren -, wobei diese jungen Menschen aber selbständig zur aktuellen Forschung über den Klimawandel recherchieren und sich informieren sollten, denn neben den Emotionen spielt auch das Wissen eine wichtige Rolle, d. h., man darf nicht einfach glauben, was Lehrer, Eltern und Freunde sagen.


Anmerkung

Ein Internetuser übte Kritik an der Verwendung des Begriffs Angststörung im Zusammenhang mit dieser Definition und schrieb:

Ich bitte Sie, den folgenden Text auf dieser Webseite zu korrigieren: „Eco-Anxiety (Öko-Angst) ist eine neuerdings von manchen Psychologen definierte Form einer Angststörung, die die Angst vor ökologischen Katastrophen und Bedrohungen der natürlichen Umwelt wie Umweltverschmutzung und Klimawandel beschreibt.“ Kein ernsthafter Psychologe definiert Eco-Anxiety als „Angststörung“, denn das würde voraussetzen, dass der Auslöser kein realer wäre. Da die Klimakrise allerdings sehr wohl real ist, ist Eco-Anxiety eine gesunde Reaktion auf eine komplexe Bedrohung.
Mit diesen Zeilen stigmatisieren Sie mehr als die Hälfte der jüngeren Bevölkerung, die solche Gefühle regelmäßig erleben.


Aus einer Zeitschrift

Zu unterschätzen ist Climate Anxiety nicht. Eine Studie der University of Bath hat gezeigt, dass viele junge Menschen durch die umweltbedingten Sorgen tiefgreifend beeinflusst werden. Den StudienautorInnen zufolge kann der chronische Stress über den Klimawandel das Risiko mentaler und körperlicher Probleme erhöhen. Was Warnsignale sind dafür, dass die eigene mentale Gesundheit von der Climate Anxiety gefährdet ist? Wenn sich die Klimaangst so stark ausweitet, dass jeder Lebensbereich davon beeinflusst ist. Wenn man im Alltag seinen Aufgaben nicht mehr nachgehen kann, wenn es einem schwerfällt, Freude zu empfinden. Wenn Besorgnis und Furcht überhand nehmen, können sich dysfunktionale, lähmende Ängste zu einer psychischen Erkrankung, beispielsweise einer Angststörung, entwickeln.

Literatur

https://www.horx.com/schluesseltexte/warum-die-klimakatastrophe-nicht-kommen-wird/ (19-12-12)
https://en.wikipedia.org/wiki/Eco-anxiety (19-12-12)
https://de.wikipedia.org/wiki/Solastalgie (20-11-21)