Grübeln

Grübeln gilt als ein Denken, das sich verliert, als selbstquälerisches, Depressionen förderndes Wiederkäuen der immer gleicher Gedanken, die sich zwanghaft einstellen, und als ein vom Zweifel infiziertes Denken, das sich in abstrakten, selbstbezogenen Problemen ohne Ziel und Handlungsfolge verstrickt, und daher manchmal ins Pathologische eingeordnet und als neurotische Störung aufgefasst wird. Grübeln sind gedankliche Schleifen, die Menschen in eine Art Problemtrance führen, wobei ausgehend von einem Thema oder einem Gefühl die Gedanken auf Hochtouren laufen, doch drehen sie sich dabei stets im Kreis, der Blick auf die Welt verengt sich und man entwickelt allmählich das Gefühl, auf die Geschehnisse wenig Einfluss nehmen zu können. Dabei bewertet man sich selbst oft negativ und verzerrt auch die Realität, stellt unwirksame bzw. unbeantwortbare Fragen und produziert auf diese Weise schlechte Gefühle wie Traurigkeit und Hilflosigkeit. Exzessives Grübeln greift den individuellen Selbstwert an und macht daher häufig passiv. Oft steckt auch ein zu hoher Anspruch an sich selbst dahinter, sodass der Betroffene sich immer als Verlierer sieht.

Manchmal wird in der Psychologie für das Grübeln auch der Begriff Rumination verwendet.

Menschen haben grundsätzlich ein Bedürfnis, Situationen und Gefühle begreifen zu wollen. Beim Nachdenken ist der Blick nach vorn gerichtet, es geht lösungsorientiert zu, man sucht aktiv nach Möglichkeiten eines guten Umgangs. Man bleibt beim normalen Denken optimistisch und sich selbst gegenüber gütlicher, auch wenn nicht sofort eine Lösung vorhanden ist. Grübler hingegen beschäftigen sich nicht mit der Frage, wie sie eine Situation meistern können, sondern schauen eher zurück und fragen sich, warum sie in diese Situation geraten sind.

Besonders häufig tritt dieses Grübeln vor dem Einschlafen auf und dauert bei manchen Menschen oft Stunden, bis sie endlich einschlafen, denn sie werden von nervenden und zermürbenden Gedankenschleifen in einer Art Gedankenkarussell wachgehalten und können aus diesem nicht herauszufinden. Der Verstand versucht prinzipiell immer, aus der Vergangenheit zu lernen, um weitere bedrohliche Situationen zu vermeiden, doch übertreibt er manchmal dabei, und es werden unbedeutende Situationen zu manchmal lebenswichtigen Bedrohungen aufgebauscht. Ein solches Grübeln ist für den Betreffenden nicht nur lästig, sondern kann sogar körperlich schaden, da negative Gedankenschleifen für unangenehme Gefühle und körperliche Reaktionen wie Unruhe und Schlaflosigkeit sorgen.

Grübeln ist nicht angeboren und ob man den Hang dazu entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab, die vor allem die Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und gesammelten Erfahrungen betreffen. Menschen, die viel grübeln, haben dies bereits als feste Denkgewohnheit ausgebildet, haben einige Erfahrungen durchlebt, in denen sie tatsächlich wenig Einfluss auf eine Situation hatten und darunter sehr litten. Oft wurde ihnen in der Kindheit und Jugend wenig zugetraut oder erhielten keine konstruktiven Konfliktlösungsstrategien vorgelebt.

Das Verlockende am Grübeln ist übrigens, dass es kurzzeitige Linderung eines inneren Spannungszustands verspricht, der sich beim Grübeln einstellt, denn man hat dabei das Gefühl, an einer Lösung zu arbeiten.


Tipp: Wer unter extremem Grübeln leidet, sodass er oder sie eine Beeinträchtigung im Alltag spürt, Dinge vernachlässigt und davon niedergeschlagen ist, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Kurzfristig gibt es die Methode des Grübelstopps, indem man sich ein innerliches Signal setzt, dieses Karussell zu unterbrechen. Vielleicht stellt man sich ein großes, schillerndes Stoppschild vor und versucht, sich danach thematisch anderen Gedanken zuzuwenden. Hilfreich kann es sein, einen Grübelstuhl festzulegen, also einen Platz in der Wohnung, wo man seinen grüblerischen Gedanken für eine festgelegte Zeit – vielleicht fünfzehn Minuten lang – freien Lauf lassen. Wenn man diesen Platz verlässt, sollte man die grüblerischen Gedanken dort für eine Weile zurücklassen. So ein Platz kann dabei vor allem helfen, das Grübeln aus dem Bett zu verbannen, wo die Gedanken den Betroffenen häufig den Schlaf rauben.


Literatur

Stangl, W. (2019). Grübeln einmal anders. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: http://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/gruebeln-einmal-anders/ (2019-01-22)
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/gedankenkarussell-wann-gruebeln-zur-depression-wird (19-09-10)

Schreibe einen Kommentar

Du musst eingeloggt um einen Kommentar zu hinterlassen.

*