Kitzeln

Die Grundlage, dass Menschen kitzelig sind aber sich nicht selbst kitzeln können, liegt darin, dass es schon auf neuronaler Ebene eine Unterscheidung zwischen Fremd- und Eigenberührung gibt, wobei diese Unterscheidung generell für das Körpergefühl des Menschen von großer Bedeutung ist. Das lässt auch auf neuronaler Ebene nachweisen, da die Berührungen durch einen anderen Menschen eine Vielzahl von Gehirnarealen aktiviert, etwa den somatosensorischen Cortex, die Inselrinde, die Amygdala, das Cerebellum und den präfrontale Cortex, während bei Selbstberührung viele dieser Areale nicht aktiv werden, wobei diese Unterscheidung bereits im Rückenmark stattfindet, also bevor die Berührungsreize an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet werden. Das stützt die Theorie, nach der das Gehirn die sensorischen Konsequenzen eigener Handlungen zum Teil vorhersehen kann und dadurch den vom eigenen Körper verursachten Reizen weniger Aufmerksamkeit schenkt, weil es diese Informationen bereits erwartet.

Übrigens können sich manche Schizophreniekranke anders als die meisten Menschen auch selbst kitzeln, da ihr Gehirn durch den eigenen Körper ausgelöste sensorische Reize anders interpretiert.

Literatur

Boehme, R., Hauser, S., Gerling, G., Heilig, M. & Olausson, H. (2019). Distinction of self-produced touch and social touch at cortical and spinal cord levels. Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.1816278116.
Boehme, R. (2019). Human Touch – Warum körperliche Nähe so wichtig ist. Erkenntnisse aus Medizin und Hirnforschung. C.H.Beck Verlag.
Stangl, W. (2019). Die neuronalen Grundlagen des Selbst. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Gedaechtnis-Selbst.shtml (2019-01-22)



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