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dunkler Faktor – dark factor

Viele negativ konnotierte Persönlichkeitsmerkmale wurden in der Psychologie erforscht, um ethisch, moralisch und sozial fragwürdiges Verhalten zu beschreiben. Moshagen, Hilbig & Zettler (2018) haben in Befragungen und Experimenten zusammenfassend einen dunklen Faktor (dark factor, D) definiert, um einen theoretischen Rahmen für das Verständnis von solchen dunklen Persönlichkeiten im Sinne einer allgemeinen Dispositionstendenz zu finden. Im Original: “The general tendency to maximize one’s individual utility – disregarding, accepting, or malevolently provoking disutility for others -, accompanied by beliefs that serve as justifications.”

Insgesamt wurden dabei neun klassische Persönlichkeitmerkmale untersucht: Egoismus, Gehässigkeit, Machiavellismus, moralische Enthemmung, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus, Selbstbezogenheit und übertriebenes Anspruchsdenken. Die Persönlichkeitseigenschaft Machiavellismus zeigt sich etwa in der Manipulation und Ausbeutung anderer Menschen, besonders zynisch, unerbittlich, antisozial und egoistisch handeln. Man geht davon aus, dass ein hoher Anteil an solchen Eigenschaften genetisch bedingt ist, wobei aber sozial unerwünschte Eigenschaften auch im Alltag bei gut integrierten Menschen mit weitgehend unauffälliger Lebensführung auftreten. Denn wenn Menschen die Anlage zu einem hohen dunklen Faktor in sich tragen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie permanent ein auffälliges schlechtes Verhalten zeigen, nur ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit insgesamt höher, gewalttätig oder kriminell zu werden und gegen soziale Regeln zu verstoßen. Wenn es für sie opportun ist, fügen sie anderen Menschen gezielt Schaden zu oder nehmen in Kauf, dass andere Schaden erleiden, wobei sie ihr Handeln rechtfertigen und selbst fest davon überzeugt sind, dass ihr Handeln angemessen ist.

Dieser dunkle Faktor der Persönlichkeit ist dabei ein flexibles Konstrukt, das individuelle Unterschiede in der Tendenz umfasst, den individuellen Nutzen zu maximieren, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen, begleitet von oft gut begründeten Überzeugungen, die ihnen als Rechtfertigung dienen. Es zeigte sich, dass Narzissten, Psychopathen und Sadisten mehr gemeinsam haben, als sie trennt, wobei man vermutet, dass fünf Prozent der Menschen einen solchen ausgeprägten D-Faktor besitzen. Menschen mit einer solchen narzisstischen oder psychopathischen Persönlichkeit sind etwa drei- bis viermal häufiger in Machtpositionen vertreten als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Auf der Website der drei Autoren kann man übrigens seine eigenen Anteile an der dunklen Persönlichkeit feststellen: http://www.darkfactor.org/


Nach Auffassung von Experten kann man bei der Konfrontation mit Menschen dieses Typs einiges tun, um sich selbst zu schützen:

Sich mit anderen verbünden, denn wer etwa im Beruf mit solchen egoistischen KollegInnen zu tun hat, tut gut daran, sich einen Rückhalt bei solchen KollegInnen zu schaffen, die wohl gesonnen sind. Ein solches Umfeld relativiert die Belastung und hilft, sich von möglichen Angriffen zu distanzieren. Wichtig ist auch das Grenzen setzen, d. h., man sollte andere nicht mit ihrem egoistischen und schlechten Verhalten auf Dauer durchkommen lassen, sondern deutlich in einer Gruppe klar problematisches Verhalten ansprechen. Indem man auf Distanz geht, schützt man sich selbst, also keine Freundschaften mit Menschen eingehen, die nur ihren eigenen Nutzen verfolgen. Vor allem sollte man nichts in sich hineinfressen, sondern darüber reden, wenn einem Unrecht angetan wurde. Dadurch kann man die Situation reflektieren und bewusst wahrnehmen, welchen Einfluss dieses Verhalten auf einen selbst hat. Wer dauernd bösen Angriffen ausgesetzt ist, gerät möglicherweise in eine Situation, in der er sich selbst nicht mehr genug abschirmen kann und psychisch Schaden nimmt. Dann wird es sinnvoll sein, psychotherapeutische oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Literatur

Moshagen, M., Hilbig, B. E. & Zettler, I. (2018). The dark core of personality. Psychol Rev., 125, 656-688.
Walter, T. (2019). Der Dark-Factor – das eint böse Menschen.
WWW: https://rp-online.de/leben/gesundheit/psychologie/dark-factor-diese-gemeinsamkeit-haben-boese-menschen_aid-37023679 (19-04-12)


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