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Blinzeln


Das Blinzeln oder der Lidschlag ist ein Reflex (Lidschlussreflex) des Organismus auf verschiedenste Reize, z.B. auf einen Luftzug oder ein plötzliches, lautes Geräusch, wobei Menschen auch automatisch etwa einmal alle fünf Sekunden die Augen schließen, bei dem das Gehirn dennoch für ein stabiles Bild der Umwelt sorgen muss. Das Blinzeln aber dient in erster Linie der Aufrechterhaltung des Tränenfilms für die dauerhafterBenetzung der Hornhaut mit Tränenflüssigkeit, um das Auge vor dem Austrocknen zu schützen. Auch werden mit dem regelmäßigen Lidschlag auf das Auge gelangte feine Partikel weggewischt und über den Tränenkanal abtransportiert.

Blinzeln kann aber auch eine Funktion in der alltäglichen persönlichen Kommunikation haben, denn dabei ermöglicht der gegenseitige Blick den jeweiligen Zuhörern, den Rednern ein visuelles Feedback etwa durch Nicken zu geben. Zu einem solchen Feedback gehört potenziell auch das Blinzeln, wie Hömke et al. (2018) gezeigt haben. Sie untersuchten die potenzielle Feedback-Funktion des Blinzelns, das tendenziell unterschwellig ist und von kaum jemandem bewusst wahrgenommen wird, sodass sich die Frage stellt, ob die Unterbrechung des gegenseitigen Blicks durch Blinzeln auch kommunikativ sein kann. Dabei wurde ein auf Virtual Reality basierendes experimentelles Paradigma entwickelt, das es ermöglichte, das Blinzeln in einem virtuellen Zuhörer selektiv zu manipulieren und kleine Unterschiede in der Blinzeldauer zu erzeugen, was zu kurzen (208 ms) und langen (607 ms) Blinksignalen führte. Dabei zeigte sich, dass Sprecher unbewusst die subtilen Unterschiede in der Blinzdauer der Zuhörer berücksichtigten und wesentlich kürzere Antworten als Reaktion auf lange Blinzeln der Zuhörer produzierten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass neben den physiologischen, wahrnehmungsbezogenen und kognitiven Funktionen auch das Blinzeln des Zuhörers als kommunikative Signale wahrgenommen werden und das kommunikative Verhalten der Sprecher in der persönlichen Kommunikation direkt beeinflussen. Vermutlich ist der Lidschlag ein wesentlicher Bestandteil für das Erreichen des gegenseitigen Verständnisses in der täglichen sozialen Interaktion. Man vermutet aber auch, dass ein langsamerer Wimpernschlag dem Sprecher das Gefühl vermitteln könnte, verstanden worden zu sein, doch es ist auch nicht auszuschließen, dass Nicken in Kombination mit langem Blinzeln schlicht das Signal aussendet, zu sprechen aufzuhören.

Schwiedrzik et al. (2018) untersuchten Epilepsie-Patienten und identifiziert jene Gehirnregion, die dafür eine entscheidende Rolle spielten dürfte, d. h., der mittlere präfrontale Cortex gleicht aktuelle Sehinformationen mit zuvor gewonnenen Informationen ab und trägt somit dazu bei, dass man die Welt stabil wahrnimmt, auch wenn die Augen beim Blinzeln kurz geschlossen werden. Auf diese Weise gleicht das menschliche Gehirn Unterbrechungen der tatsächlichen Wahrnehmung nicht nur beim Blinzeln, sondern auch auf Grund eines Perspektivenwechsel bei Bewegung aus und sorgt für ein stabiles Bild. Dieser Effekt kann sich vermutlich auch auf höhere kognitive Leistungen auswirken, denn wenn man den Gesichtsausdruck eines Menschen sieht, beeinflusst diese Information die Wahrnehmung des nächsten Gesichtes.

Häufiges Blinzeln kann zudem die Folge einer Tic-Störung sein. Menschen unterscheiden sich übrigens in der Häufigkeit des Blinzelns, wobei Frauen nicht nur schneller sondern auch häufiger als Männer blinzeln – im Durchschnitt 19 gegenüber 11 Mal pro Minute.

Literatur

Caspar M. Schwiedrzik, Sandrin S. Sudmann, Thomas Thesen, Xiuyuan Wang, David M. Groppe, Pierre Mégevand, Werner Doyle, Ashesh D. Mehta, Orrin Devinsky & Lucia Melloni (2018). Medial prefrontal cortex supports perceptual memory. Current Biology, 28, doi:10.1016/j.cub.2018.07.066.
Hömke, Paul, Holler, Judith & Levinson, Stephen C. (2018). Eye blinks are perceived as communicative signals in human face-to-face interaction. PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0208030.


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