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Festhaltetherapie


Auch mit einer Umarmung kann man einen Gegner bewegungsunfähig machen. 😉
Amintore Fanfani

Die Festhaltetherapie bezeichnet eine umstrittene und daher nicht anerkannte Form der Psychotherapie, bei der durch intensives aggressionsfreies Festhalten Bindungsstörungen aufgelöst werden sollen. Die Therapie wurde ursprünglich für Menschen mit geistiger Behinderung, Autismus, Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Störungen entwickelt, bei denen angenommen wird, dass die Bearbeitung einer Bindungsstörung therapeutisch hilfreich sein kann.

Kinder werden dabei von einer engen Bezugsperson, selten auch von TherapeutInnen, in einer Umarmung festgehalten. Der Festhaltende hat die Aufgabe, sämtliche in Erscheinung tretenden Erregungszustände und aggressiven Gefühlsäußerungen achtsam zu begleiten und gegebenenfalls zu verstärken. Da die Therapie im weitesten Sinne Gewalt gegenüber den behandelten Menschen umfasst, kann sie neben aller juristischen Bedenklichkeit auch psychisch traumatisierend wirken und ist daher auch aus diesem Grund problematisch. Das Verfahren ist nach Ansicht von Experten auch nicht mit wissenschaftlichen und psychotherapeutischen Grundsätzen vereinbar.

Bei Erwachsenen wird diese Form des Festhaltens in manchen therapeutischen Settings als gegenseitige Umarmung solange durchgeführt, bis in dieser Konfrontation zuerst schmerzliche Gefühle, aggressive Impulse oder Ängste auftauchen und ausgedrückt werden, und dann solange weitergeführt, bis sich die negativen Gefühle auflösen und das Festhalten zur liebevollen Umarmung wird.

Die Therapie wurde ursprünglich mit Unterstützung des Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Nikolaas Tinbergen für Kinder mit Bindungsstörungen entwickelt und wird heute auch im Rahmen der Familientherapie bei Erwachsenen angewendet.


Umarmung von Kleinkindern

Yoshida et al. (2020) haben untersucht, wie Säuglingen bzw. Kleinkinder im ersten Lebensjahr während einer Umarmung, eines Haltens und einer engen Umarmung durch die Eltern oder andere Personen reagieren. Für die Studie wurde die Herzfrequenz der Kinder und die Festigkeit der Umarmung mittels Drucksensoren auf der Haut der Erwachsenen gemessen, während diese von ihren Eltern und Fremden wahlweise gehalten oder unterschiedlich stark umarmt wurden. Säuglinge, die älter als vier Monate waren, zeigten während einer Umarmung eine verminderte Herzfrequenz und eine ausgeprägte parasympathische Aktivität. Dabei wirkte vor allem eine mittelfeste Umarmung beruhigend, während eine feste Umarmung hingegen weniger wirksam war. Es zeigte sich auch, dass die Kinder zu lange Umarmungen weniger mögen, denn eine Umarmung von einer Minute oder länger führte fast unvermeidlich zu schlechter Laune bei den ihnen. Bei Kindern, die älter als 124 Tage waren, stellte man außerdem einen Unterschied dabei fest, ob es sich beim Umarmenden um einen Elternteil oder um eine fremde Frau handelte, woraus sich ergibt, dass die perfekte Umarmung demnach eine nicht zu feste von den eigenen Eltern darstellt.
Übrigens: Oxytocin dürfte dabei keine Rolle spielen, denn die Zeitspanne des Umarmungsexperiments war dafür wohl zu kurz.

Literatur

Prekop, Irina (1992). Festhalten und Festhaltetherapie. In Susanne Fikar (Hrsg.), Körperarbeit mit Behinderten. Stuttgart: Wittwer Verlag.
Yoshida, Sachine, Kawahara, Yoshihiro, Sasatani, Takuya, Kiyono, Ken, Kobayashi, Yo & Funato, Hiromasa (2020). Infants Show Physiological Responses Specific to Parental Hugs. iScience, 23, doi:10.1016/j.isci.2020.100996.


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