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sekundäre Traumatisierung


Als sekundäre Traumatisierung bezeichnet man das Phänomen, dass TherapeutInnen in der Auseinandersetzung mit dem primären Träume ihrer KlientInnen, also indem sie zu viel von primären Traumata “miterleben” müssen, gleichfalls traumatisiert werden können. PsychotherapeutInnenen, die sekundär traumatisiert sind, gehen dann oft selbst in Psychotherapie bzw. nutzen eine oft verpflichtende Supervision. Eine solche sekundäre Traumatisierung findet man allerdings nicht nur bei PsychotherapeutInnen, sondern auch bei Rettungskräften oder Angehörigen von Opfern. Das bedeutet letztlich, dass jemand, der mit traumatisierten Menschen zusammen lebt oder ihnen fachlich hilft, durch die indirekte Begegnung mit dem Trauma ebenfalls traumatisiert werden kann. Auch für Überlebende, Helfer und Zeugen eines traumatischen Ereignisses kann dieses massive Folgen haben, wobei selbst Menschen, die gar nicht am Ort des Geschehens waren, können dadurch seelisch schwer belastet werden. Eine solche sekundärer Traumatisierung kann auch Menschen widerfahren, die zwar nicht selbst Opfer von Gewalt oder Unglücksfällen wurden, aber diese miterlebten oder mit ihnen befasst waren, etwa wie Rettungs- und Einsatzkräfte. Oft sind Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten an einem Tatort schwer belastet und auch Augenzeugen eines Verbrechens fragen sich immer wieder, ob man nicht doch etwas tun hätte können, um die Tat gar zu verhindern. Oft sind es auch Familienmitglieder eines Täters oder diesem nahestehenden Personen, dessen Verhalten ihnen zuletzt merkwürdig vorgekommen war, und die sich dann vorhalten, nicht rechtzeitig etwas unternommen zu haben. Meist hilft es Betroffenen, darüber zu sprechen, doch viele Menschen werden ein Leben lang mit den Folgen konfrontiert bleiben.

Das Phänomen der sekundären Traumatisierung ist vor allem bei traumatherapeutisch arbeitenden PsychologInnen virulent, denn sie wissen um die Gefahr der psychischen Ansteckung und der Mittraumatisierung, die von den therapeutischen Gesprächen mit schwertraumatisierten Menschen ausgeht (sekundäre traumatischen Belastungsstörung). Gleichzeitig können aber in diesem Zusammenhang unangemessene Reaktionen bei der Aufdeckung oder übereilte Interventionen nach Katastrophen ebenfalls eine sekundäre Traumatisierung der Opfer bedeuten, wie sie häufig nach Katastrophen oder bei sexuellem Missbrauch auftreten.

Eine sekundäre Traumatisierung unterscheidet sich aber in einigen Punkten von einer primären, denn während primäre Traumaopfer das traumatisierende Ereignis meistens nicht vorhersehen können, wissen Therapeuten genau, wann eine therapeutische Sitzung stattfindet, in der Traumamaterial berichtet werden könnte. Primäre Traumaopfer können zumeist den Verlauf des traumatisierenden Ereignisses wenig beeinflussen, während Therapeuten in der Lage sind, auf den Verlauf der Sitzung mit Hilfe therapeutischer Techniken Einfluss zu nehmen (Therapeutische Distanz). Außerdem können Therapeuten im Gegensatz zu den Patienten auftretende posttraumatische Symptome als solche erkennen und auf sie fachkundig reagieren (Therapeutische Kompetenz).

Manche halten übrigens die sekundäre Traumatisierung für ein Artefakt, denn möglicherweise sind Psychotherapeuten früher selber traumatisiert worden und verarbeiten nur diese eigenen Traumata.

Literatur & Quellen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/68022/Sekundaere-Traumatisierung-Mythos-oder-Realitaet (17-11-21)
https://www.sueddeutsche.de/politik/psychologie-die-hoelle-danach-1.4546027 (19-07-31)


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