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Job Crafting


Job Crafting ist das aktive und individuelle Gestalten der eigenen beruflichen Arbeit, wobei sich Berufstätige aus innerer Motivation heraus bemühen, die Arbeit selbstständig umzugestalten und zu verbessern. Job Crafting ist ein Begriff aus der Organisations-, Wirtschafts- und Arbeitspsychologie und beschreibt eine Form der individuellen Arbeitsgestaltung, bei der Berufstätige sich aktiv bemühen, ihre Arbeit selbstständig umzugestalten und zu verbessern. Art und Gelingen dieses Prozesses hängt von der Persönlichkeitsstruktur der Berufstätigen ab, etwa den Neigungen, der Eigeninitiative und dem Selbstvertrauen. Job Crafting wird dabei als ein Weg beschrieben, eine größere Passung zwischen dem Einzelnen, der Arbeit und der Organisation herzustellen, wobei der Grundgedanke ist, dass es Menschen fast immer möglich ist, kleine Anpassungen am eigenen Beruf vorzunehmen, sodass sich die berufliche Arbeit optimal an die eigene Motivation und Stärken anschließt. Job Crafting kann daher auch dabei helfen, seine Arbeit besser an die eigenen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse anzupassen.

Job Crafting bedeutet daher eine aktive physische, kognitive oder soziale Umgestaltung eines Arbeitsplatzes durch MitarbeiterInnen, wobei diese entweder Aufgaben oder Beziehungen gemäß ihren eigenen Präferenzen umgestalten. Aufgaben können physisch oder kognitiv umgestaltet werden, wobei eine physische Umgestaltung erfolgt, wenn die Art oder Anzahl der Aktivitäten verändert wird, während eine kognitive Umgestaltung stattfindet, wenn die Art und Weise den Beruf zu betrachten, umgestaltet wird. Die Umgestaltung von Beziehungen erfolgt durch veränderte Interaktionen mit anderen, wobei durch solche Handlungen Berufstätige innerhalb eines definierten Aufgabenbereichs das soziale Arbeitsumfeld verändern und einen andersartigen Beruf schaffen können, der ihnen mehr entspricht. Job Crafting beeinflusst daher sowohl die Bedeutung als auch den Sinn der Arbeit, aber auch die eigene Arbeitsidentität. Job Crafting verlangt allerdings in traditionverhafteten Unternehmen, sich von bewährten Hierarchien und lieb gewonnenen Positionen zu lösen, denn viele Entscheidungswege werden in diesem Konzept von Top-down auf Bottom-up gedreht. Für Manager bedeutet das in der Regel einen Machtverlust, auch wenn Führung durch Job Crafting nicht überflüssig wird.

Die Forschung zeigt, dass Menschen, deren Fokus ausschließlich darauf liegt, wie viel Geld sie verdienen, signifikant unzufriedener mit ihrem Beruf und auch generell mit ihrem Leben sind. Generell gilt aber, dass nicht jeder Mensch im Berufung seine Berufung finden kann, denn das birgt ein starkes Werturteil, wobei es gar nicht möglich ist, dass jeder Mensch seiner Berufung nachgeht, so wie die aktuell Arbeitswelt beschaffen ist. Auch sind gar nicht alle Menschen darauf aus, ihrem Leben durch Arbeit Sinn zu verleihen, jedoch sollten sie selbst darüber entscheiden können, ob sie einen sinnstiftenden Beruf machen wollen oder nicht. Im Grunde geht es darum, einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Aufgaben, die anfallen, und der Frage, was diese Aufgaben in ihrer Gesamtheit bewirken, oder welchen Nutzen sie am Ende haben, herzustellen. Oft verbessern die Menschen ihre Arbeit in ihrem Sinne, indem sie Aufgaben übernehmen, die sie eigentlich gar nicht machen dürfen oder die ihre Zuständigkeiten überschreiten. So nehmen sich etwa Reinigungskräfte in einem Krankenhaus oft Zeit, um mit den PatientInnen und ihren Familien zu sprechen und dass sie auch bei ihrer Arbeit genau darauf achten, wem es nicht so gut geht. Für diese Reinigungskräfte ist es also sinnstiftend, die PatientInnen aufzuheitern, ihnen zuzuhören oder sie zu trösten, d. h., sie haben eigenständig Aufgaben übernommen, die in den Bereich der Pflege fallen und das hat ihre Einstellung zu ihrer Arbeit komplett verändert.

Bekanntlich liegt die größte Motivation von MitarbeiterInnen nicht ausschließlich darin, den Anweisungen anderer zu folgen, sondern darin, die Inhalte der eigenen Arbeit so zu gestalten, dass sie zu den eigenen Zielen, Stärken und auch Einstellungen passen. Häufig werden MitarbeiterInnen in ihrer Arbeitsmotivation gehemmt oder allzu sehr eingeengt, sodass sich Unzufriedenheit, Fehlerhäufigkeit und Motivationsarmut einstellen. JobCrafting ist letztlich ein Weg, eine höhere Passung zwischen dem Berufstätigen, seiner Arbeit und der Organisation herzustellen. In Meta-Analyse zum Thema (Rudolph et al., 2017) konnte man zeigen, dass die Nutzung von Job Crafting generell positive Konsequenzen für Erwerbstätige hat, sodass sich etwa eine höhere Arbeitszufriedenheit, größeres Arbeitsengagement und bessere Arbeitsleistung einstellen, wobei auch der Stresslevel sinkt. Job Crafting kann vor allem von jenen Menschen genutzt werden, die eine große Entscheidungsfreiheit an ihrem Arbeitsplatz haben, und von Menschen mit hohen Arbeitsanforderungen. Diese Form der individuellen Arbeitsgestaltung hängt auch mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammen, etwa der allgemeinen Neigung, Eigeninitiative zu entwickeln und der Glauben an die eigenen Fähigkeiten.

Literatur

Rudolph, Cort W., Katz, Ian M., Lavigne, Kristi N. & Zacher, Hannes (2017). Job crafting: A meta-analysis of relationships with individual differences, job characteristics, and work outcomes. Journal of Vocational Behavior, doi.org/10.1016/j.jvb.2017.05.008.
Wrzesniewski, Amy & Dutton, Jane E. (2001). Crafting a Job: Revisioning Employees as Active Crafters of Their Work. The Academy of Management Review, 26, 179-201.


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