Basalganglien sind ein Netzwerk von Strukturen tief innen in der Mitte des Gehirns. Die Basalganglien sind wesentlich beteiligt an der Koordination von Bewegungen und am Lernen.

Die Basalganglien werden demnach traditionell als motorische Kerne angesehen, die grundsätzlich Anregungen vom erhalten bekommen und in tiefere Regionen schalten. Eine wichtige Funktion der Basalganglien besteht in der Produktion von Dopamin, einem Neurotransmitter, der zahlreiche kognitive und motorische Prozesse moduliert. Die wichtigsten Anteile sind dabei der Nucleus caudatus, das Putamen und der Globus pallidus. Man vermutet, dass die Basalganglien neben motorischen Funktionen auch weitere Funktionen im kognitiven Bereich besitzen. Kleine Teile der Basalganglien fungieren im menschlichen Gehirn als gemeinsame neuronale Substrate sowohl für den Werkzeuggebrauch als auch für die Syntax der Sprache. In einem Verhaltensexperiment zeigten Thibault et al. (2021), dass das Erlernen einer neuen Aufgabe, die den Gebrauch eines Werkzeugs beinhaltet, auch die Leistung bei einer komplexen Sprachaufgabe verbessert, was die Hypothese einer Koevolution von Werkzeuggebrauch und Sprache stützt. Offenbar gibt es eine supramodale syntaktische Funktion, die von Sprache und motorischen Prozessen gemeinsam genutzt wird, sodass man nun annimmt, dass ein Training der Fähigkeiten zur Werkzeugnutzung auch die sprachliche Syntax verbessert und umgekehrt das Training der sprachlichen Syntax die Werkzeugnutzung fördert. Die neuronalen Mechanismen, die es ermöglichen, die Leistung in einem Bereich durch das Training der Syntax im anderen Bereich zu steigern, könnten Priming-Prozesse durch Voraktivierung gemeinsamer neuronaler Ressourcen sowie kurzfristige Plastizität innerhalb des gemeinsamen Netzwerks beinhalten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Basalganglien der neuronale Ort einer supramodalen Syntax sind, die eingebettete Strukturen in beiden Bereichen verarbeitet.

Der Nucleus caudatus dürfte auch bei Menschen mit neuropsychiatrischen Störungen wie Angst oder Depression eine entscheidende Rolle spielen. Die Betroffene neigen zu ritualisiertem Verhalten, um die negativen Gedanken zu bekämpfen und gewichten dabei die negativen Folgen einer Situation wesentlich stärker. Diese Art des negativen Denkens beeinflusst auch das Treffen von Entscheidungen durch eine Annäherungs-Vermeidung.

Störungen im Bereich der Basalganglien können darüber hinaus zu einer Reihe von Krankheitsbildern führen, von denen die Parkinsonsche Erkrankung und die Chorea Huntington am bekanntesten sind.

Früher wurden zu den Basalganglien auch das Claustrum und die Amygdala gezähl, jedoch wird wegen ihrer vorwiegend motivational-emotionalen Funktionen heute die Amygdala getrennt von diesen und als zugehörig zum limbischen System betrachtet.

Literatur

Thibault, Simon, Py, Raphaël, Gervasi, Angelo Mattia, Salemme, Romeo, Koun, Eric, Lövden, Martin, Boulenger, Véronique, Roy, Alice C. & Brozzoli, Claudio (). Tool use and language share syntactic processes and neural patterns in the basal ganglia. Science, 374, doi:10.1126/science.abe0874.



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