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Gesten


Gesten sind ganz allgemein Bewegungen, die Botschaften wiederholen oder betonen, und zwar unabhängig davon, ob die Botschaft gesprochen wird oder nicht. Gesten sind Bewegungen, die Handlungen repräsentieren können, aber auch abstrakte oder metaphorische Informationen vermitteln. Gesten sind Werkzeuge, die Menschen von klein auf besitzen, wenn nicht gar von Geburt an, denn selbst Kinder, die seit ihrer Geburt blind sind, gestikulieren beim Sprechen. Im Gegensatz zu Primaten zeigen viele Kinder auf Objekte, bevor sie noch sprechen können, sodass man vermutet, dass sich die Fähigkeit, symbolische Bewegungen zu produzieren und zu verstehen, gemeinsam mit der Sprache entwickelt. Auch beim Lernen sind Gesten nützliche Werkzeuge, denn sie helfen Kindern, Wörter in neuen Zusammenhängen zu verstehen, wobei aber nicht geklärt ist, ab welchem Alter Kinder Handbewegungen als Mittel der Kommunikation verstehen und als Teil der Botschaft sehen. Wenn Kinder keine Worte finden, um sich auszudrücken, sprechen sie oft mit den Händen, wobei die Fähigkeit, Bedeutung in Bewegungen zu erkennen, mit dem Alter wächst. Gesten funktionieren aber meist nicht isoliert, denn Studien zeigen, dass Gesten nicht bloß die Sprache erweitern, sondern auch schon beim Spracherwerb helfen. Vermutlich beruhen Gesten und Sprache zum Teil auf den gleichen neuronalen Systemen, denn Untersuchungen zeigen, dass das Gehirn bei der Entwicklung die Fähigkeit zur Integration von Gesten und Sprache immer mehr verfeinert und die Verbindungen zwischen den beteiligten Hirnregionen optimier werdent, wobei das System Areale für die semantische und die sensomotorische Verarbeitung immer mehr integriert.

Gesten dienen aber nicht nur als zusätzliches Ausdrucksmittel, sondern sind auch wesentlich für Kognition und Wahrnehmung. Bei Menschen erfolgt das Übersetzen von Bewegung in Bedeutung automatisch, denn sie haben die Fähigkeit, zu sprechen ohne zu reden, und zu verstehen ohne zu hören. Mit einem Fingerzeig lenkt man die Aufmerksamkeit anderer, untermalt Erzählungen mit Mimik oder unterstreicht diese mit rhythmischen Gesten. Man muss dazu nur jemanden fragen, wie er eine Wendeltreppe beschreiben würde.

Die Tendenz des Menschen, Kommunikation mit Bewegungen zu ergänzen, ist universell, auch wenn diese in Nuancen variieren, denn etwa in Papua-Neuguinea deuten die Menschen mit Nase und Kopf, während die Einwohner von Laos hierfür ihre Lippen verwenden, in Ghana ist es tabu, mit der linken Hand auf etwas zu zeigen, während man in Griechenland oder der Türkei in Schwierigkeiten geraten kann, wenn man mit Zeigefinger und Daumen einen Ring bildet, um anzuzeigen, dass alles in Ordnung ist. Das vermutlich universale verneinende Kopfschütteln ist entweder, wie schon Darwin annahm, eine ritualisierte Brustverweigerung des satten Säuglings oder das ritualisierte Abschütteln eines lästigen Gegenstandes. Der Ursprung dieser Bewegung lässt sich schon beim Säugling beobachten, der auf einen aversiven Stimulus den Kopf zur Seite und somit Auge und Nase vom Reiz weg bewegt. Im Verlauf der Evolution kam es vermutlich zu einer Ritualisierung, wobei jedes Signal eindeutig sein muss, daher wurde es immer auffälliger ausgeführt: durch ein Vergrößern der Kopfdrehung bis über die Mittelachse des Körpers, sowie durch Wiederholung der Bewegung. Siehe dazu im Detail das Arbeitsblatt Ritualisierte Gesten.

Für George Herbert Mead sind Gesten sind gesellschaftlich vereinbart und haben daher in diesem Sinne eine Bedeutung, sie sichern Kommunikation, indem sie passende Reaktionen auslösen. Wenn Gesten über eine konkrete Situation hinausgehen und einen allgemeinen Sinn haben, dann bezeichnet sie Mead als Symbole. Sowohl Gesten als auch Symbole müssen interpretiert werden, d. h ., ihr Sinn, ihre Bedeutung ist nicht unmittelbar klar.

Wenn bei aller Interpretation die Bedeutung eines Symbols in einer Gesellschaft gleich ist, dann spricht Mead von signifikanten Symbolen, von denen die wichtigsten signifikanten Symbole in der Sprache liegen, denn durch Sprache unterscheidet sich der Mensch vom Tier essentiell, wobei Denken nur durch signifikante Symbole stattfinden kann.

Sprache ist dabei die höchstentwickelte Form der Kommunikation, denn in der Sprache sind die kollektiven Erfahrungen einer Gesellschaft gespeichert, sie ist Träger intersubjektiv geteilten Wissens und versorgt den Menschen mit den Erklärungen für Situationen, wie sie diese normalerweise erleben. Durch Interpretation von Gesten und Sprache des anderen wird es auch möglich, den Erwartungen von anderen gerecht zu werden. Diese Fähigkeit, von der Position des Anderen aus zu denken, bezeichnet Mead als Rollenübernahme.

Literatur

https://www.spektrum.de/news/ wie-haengen-gesten-kommunikation-und-lernen-im-gehirn-zusammen/1647198 (19-05-22)
http://www.magic-point.net/fingerzeig/grundlagen-deutsch/kommunikation/koerperspr/koerperspr.html (12-03-08)


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