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Familien sind aus psychologischer Sicht offene, sich entwickelnde, zielorientierte und sich selbst regulierende soziale Systeme, deren Entwicklung im Kontext historisch gewachsener materieller und sozialer Gelegenheitsstrukturen stattfindet. Familie wird dabei als interpersonales Beziehungsgefüge betrachtet, wobei eine Familie  sowohl von Personen innerhalb der Familie eingegrenzt wird, als auch gegenüber Einflüssen von außen abgegrenzt. Durch selbstinitiiertes Handeln haben Familiensysteme die Fähigkeit, sich anzupassen und ihren Fortbestand zu sichern. Nach Schneewind (2002, S. 106) sind zwei Faktoren für die Entwicklung von Familien bedeutsam sind: Interaktion und Kommunikation.

Kurioses: Familiengröße wirkt sich auf die Gehirnleistung im Alter aus

Der Rückgang der kognitiven Fähigkeiten ist ein weit verbreitetes Problem, wenn die Bevölkerung älter wird. Die Bevölkerungsalterung ist jedoch zum Teil auf einen Rückgang der Fruchtbarkeit zurückzuführen, und die Familiengröße kann die kognitiven Funktionen im späteren Leben beeinflussen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Fruchtbarkeitsgeschichte mit der kognitiven Leistungsfähigkeit im höheren Lebensalter zusammenhängt, aber es bleibt unklar, ob diese Beziehung kausal ist. Bonsang & Skirbekk (2022) verwendeten für ihre Analyse Daten aus dem „Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe (SHARE)“, um zu untersuchen, ob drei oder mehr Kinder im Vergleich zu zwei Kindern die kognitiven Fähigkeiten im späteren Leben beeinflussen. Der negative Effekt von drei oder mehr Kindern im Vergleich zu zwei Kindern war dabei beträchtlich und entspricht in dieser Stichprobe mit einem Durchschnittsalter von 74,3 Jahren einer Alterung von 6,2 Jahren. Er ist also fast so groß wie der kognitive Vorteil, der mit dem Abschluss der Sekundarstufe im Vergleich zur Volksschule verbunden ist, wobei dafür mehrere Mechanismen verantwortlich sein könnten. Eltern ziehen es oft vor, mindestens einen Sohn und eine Tochter zu haben. Die Ergebnisse zeigen, dass drei oder mehr Kinder im Vergleich zu zwei Kindern einen negativen Effekt auf die Kognition im späteren Leben haben. Dieser Effekt ist in Nordeuropa am stärksten, vielleicht weil eine höhere Fertilität die finanziellen Ressourcen verringert, aber nicht die sozialen Ressourcen in dieser Region verbessert. Diese Ergebnisse liegen aber auch nahe, dass der Rückgang des Anteils der Europäer, die drei oder mehr Kinder haben, positive Auswirkungen auf die kognitive Gesundheit der älteren Bevölkerung haben könnte.
Literatur

Bonsang, Eric & Skirbekk, Vegard (2022). Does Childbearing Affect Cognitive Health in Later Life? Evidence From an Instrumental Variable Approach. Demography, 59, 975–994.
Schneewind, K. (2002). Familienentwicklung. In Oerter, R. & Montada, L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 105-129). Weinheim: Beltz.
Stangl, W. (2022, 24. Juni). Familiengröße wirkt sich auf die Gehirnleistung im Alter aus. Stangl notiert ….
https://notiert.stangl-taller.at/zeitgeistig/familiengroesse-wirkt-sich-auf-die-gehirnleistung-im-alter-aus/


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