Abhängigkeit

Unselbstständigkeit oder Abhängigkeit bedeuten in der Psychologie zunächst, dass Menschen als soziale Wesen grundsätzlich auf andere Personen angewiesen sind. Die extremste Form der Abhängigkeit bestehr bei der Geburt, denn Mennschen können ohne die Fürsorge anderer Menschen nicht überleben. Später benötigen Kinder Hilfe, um sich körperlich und seelisch zu entwickeln und mit entsprechende Förderung unabhängiger von der Unterstützung durch Eltern oder anderen Bezugspersonen zu werden.

Der Begriff Abhängigkeit wird auch in Verbindung mit Sucht verwendet. In diesem Zusammenhang unterscheidet man die seelische und körperliche Abhängigkeit, wobei  Abhängigkeit  das dringende Verlangen bzw. das unbezwingbare Bedürfnis bezeichnet, sich eine psychotrope Substanz fortgesetzt oder periodisch zuzuführen, wobei kommt es meist zum Kontrollverlust bezüglich des Konsums sowie zu einer stoffbezogenen Ausrichtung des Verhaltens mit Störungen im normalen psychosozialen Gefüge kommt. Ein Abhängigkeitssyndrom enthält somit die charakteristischen Muster körperlicher, kognitiver, verhaltensbezogener, sozialer und emotionaler Symptome, die durch den andauernden Konsum von psychotropen bzw. psychoaktiven Stoffen entstehen.

Bei einigen Substanzen kann es über psychische Faktoren hinaus zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. Körperliche Abhängigkeit bezeichnet ein zwanghaftes Verlangen nach der Substanz mit Auftreten von Entzugssymptomatik nach Absetzen einer Substanz und Tendenz zur Dosissteigerung aufgrund von Toleranzentwicklung (= Abnahme der Substanzwirkung bei wiederholtem Konsum).

Man unterscheidet formal zwei Arten von Abhängigkeiten:

    • stoffgebundene Abhängigkeit: z.B. Alkoholsucht, Nikotinsucht, Drogenabhängigkeit, Medikamentenabhängigkeit;
    • nicht stoffgebundene Abhängigkeit: Sexsucht, Spielsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Internetsucht.

1. Definition
Abhängigkeit bezeichnet einen psychischen oder physischen Zustand einer Person, die durch andere Menschen, Institutionen, Dinge oder Vorstellungen wesentlich in ihrem Dasein, Denken, Handeln und Fühlen bestimmt ist (vgl. Brockhaus, 1986, S. 47).
2. Definition
„Psychisches Verhaftetsein an Personen, Dinge oder Ideen, wodurch das eigene autonome Denken und Handeln eingeschränkt wird.“ (von Sury, 1967, S. 1).
3. Definition
„Soziale Abhängigkeit wird durch ein Verhalten gekennzeichnet, das geeignet ist, bei anderen Personen erhöhte Aufmerksamkeit und Hilfeleistung zu veranlassen. Der Prozess der Sozialisierung soll s. A. des Säuglings und Kleinkinds in altersangemessener Weise fortschreitend abbauen und zu ihrem Gegenteil, der sozialen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit , entwickeln“ (Dorsch, 1976, S. 2).
4. Definition
„Bezeichnung für die Beziehung eines Individuums zu einem anderen oder zu einer Gruppe (Gesellschaft), von dem oder der es Hilfen empfängt oder zu empfangen meint, ohne die es dem Individuum scheinbar unmöglich ist, zu existieren oder seine Stellung als Mitglied einer Gemeinschaft zu bewahren“ (Drever & Fröhlich, 1968, S. 19).
5. Definition
Der Begriff „Abhängigkeit“ wird häufig als Synonym für das Wort „Sucht“ verwendet. „Sucht bezeichnet im engeren Sinn einen Zustand periodischer oder chronischer Intoxikation mit Substanzen, der für das Individuum u./o. für die Gesellschaft schädlich ist“ (Klaus, 1992, S. 357). Die WHO lehnte diesen Begriff 1964 allerdings mit der Begründung, dass dieser wissenschaftlich nicht sinnvoll sei, ab und schlug vor stattdessen Begrifflichkeiten wie „Missbrauch“ oder „Abhängigkeit“ zu verwenden (vgl. Tewes & Wildgrube, 1992, S. 357).
6. Definition
Unter Abhängigkeit oder Sucht versteht man das zwanghafte Bedürfnis bzw. den unwiderstehlichen Drang nach einem bestimmen Stimulus (Reiz), z.B. einer chemischen Substanz (Droge). Nach den Empfehlungen der WHO soll der Begriff „Abhängigkeit“ den älteren Begriff „Sucht“ ersetzen. Aus klinischer Sicht wird die Abhängigkeit unterteilt in: physische Abhängigkeit und psychische Abhängigkeit. Die Grenzen zwischen beiden Formen sind jedoch fließend und basieren auf der Art, Dauer und Intensität der auslösenden Reize bzw. Drogen.

Literatur
Brockhaus, Enzyklopädie. (1986). Mannheim: F.A. Brockhaus GmbH.
Dorsch, F. (1976). Psychologisches Wörterbuch. Bern: Hans- Huber Verlag.
Drever, J. & Fröhlich, W. (1968). Wörterbuch zur Psychologie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie- Lexikon. München/Wien: R. Oldenbourg Verlag.
von Sury, K. (1967). Wörterbuch der Psychologie. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co Verlag.
http://flexikon.doccheck.com/ (15-03-21)




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