Adaptivität

Adaptiver Unterricht ist ein Sammelbegriff für Strategien und Verfahren der Differenzierung und Individualisierung von Unterricht. Während in selektiv orientierten Bildungssystemen eine möglichst gute Passung zwischen den Lernenden und dem Unterricht durch gezielte Auswahl möglichst geeigneter Schülerinnen und Schüler angestrebt wird, versucht man in einem adaptiven System, den Unterricht inhaltlich und methodisch an die Lernenden anzupassen, indem fehlende Lernvoraussetzungen entweder direkt gefördert oder ausgleichend umgangen werden. Zielerreichendes Lernen macht traditionell den Kern adaptiven Unterrichts aus, wobei in den letzten Jahren zunehmend die pädagogisch durchdachte Gestaltung komplexer Lernumwelten in den Blick genommen wird. Empirische Studien belegen, dass sich adaptiver Unterricht durchaus in der schulischen Praxis realisieren lässt, jedoch nur mit einigem Aufwand. Bei immer heterogeneren Lerngruppen dürfte es jedoch zur adaptiven Passung des Unterrichts keine wirksamen Alternativen geben, zumal durch die gemeinsame Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Kinder die Heterogenität in den Jahrgangsklassen zunimmt. Durch die neuen Medien scheint die Adaptivität in einigen Bereichen erreichbar. Adaptivität meint in diesem Kontext die Anpassung einer computergestützten Lernumgebung an SchülerInnen durch Laufzeitmodellierung, d.h., ebenso wie sich ein Privatlehrer auf die Stärken und Schwächen, die besonderen Bedürfnisse oder die Wünsche des Lernenden einstellt und seinen Unterricht darauf entsprechend auslegt, muss ein angepasstes Lernsystem zunächst Informationen über persönlichen Merkmale einer Schülerin oder eines Schülers sammeln. Aus diesen gesammelten Informationen wird dann die Auswahl, Präsentation und auch die Abfrage des Lernstoffes bestimmt. Adaptive Systeme setzen hierzu den Einsatz wissensbasierter Methoden voraus. Je nach Komplexität können Lernprogramme in Hinsicht auf ihre Adaptivität in folgende drei Kategorien eingeteilt werden:

  • Passive Adaptivität: dem Benutzer wird eine Reihe von Lerninhalten angeboten, er selbst entscheidet unter Berücksichtigung eigener Interessen den Lernweg; Einsatz eines passiven „Wenn-Dann“-Schemas; Autorenwerkzeuge, einfache Hypertextsysteme.
  • Aktive Adaptivität: das Programm entscheidet selbst auf Grund des anfänglich eingeschlagenen Weges und an Hand von Testfragen an den Benutzer, wie der weitere Lernweg aussehen soll; Einsatz eines aktiven „Wenn-Dann“-Schemas; moderne Autorenwerkzeuge, Programmiersprachen.
  • Intelligente Adaptivität: zur Laufzeit wird ein umfassendes Bild des Lernenden sowohl unter lernpsychologischen Gesichtspunkten als auch persönlichen Präferenzen generiert und ständig erweitert, auf Grund dieses Benutzerprofiles wird die Lernstoffdarbietung ausgelegt; Einsatz komplexer wissensbasierter Methoden; Programmiersprachen.

Problematisch ist die Laufzeitmodellierung in Anbetracht der Privatsphäre des Benutzers, daher muss ein Missbrauch der gesammelten Daten durch geeignete Schutzmechanismen wie etwa dezentrale Aufbewahrung verhindert werden.

Literatur
Fischer, Ch. (Hrsg.) (2013). Schule und Unterricht adaptiv gestalten: Fördermöglichkeiten für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Münster. Waxmann.
Steinhager, K. (Hrsg.) (1975). Adaptiver Unterricht: Zur Wechselwirkung von Schülermerkmalen und Unterrichtmethoden. München. Kösel.

 




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