Tandem-Lernen

Tandem-Lernen ist eine Sprachlernmethode, bei der sich zwei Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache gegenseitig die jeweils fremde Sprache beibringen. Beim Sprachenlernen im Tandem kommunizieren zwei Personen unterschiedlicher Muttersprache miteinander, um gemeinsam und voneinander zu lernen. Das Tandem-Prinzip ist daher eine treffliche Methode für das Erlernen einer Fremdsprache, wobei jeweils die Zielsprache des Gegenübers als Muttersprache erlernt haben sollten und am Erlernen der Partnersprache interessiert sein sollten. Dabei bringt jeder die Kompetenzen ein, über die er schon verfügt und die der andere erwerben will: seine kommunikativen Gewohnheiten in der Muttersprache, sein kulturelles Hintergrundwissen, sein Sachwissen über den eigenen Lebensbereich. Zusätzliche Qualifikationen benötigt er in der Regel nicht.

Tandemlernen kann über unterschiedliche Medien ablaufen, so zum Beispiel durch Briefe, Mails, Chat oder Instant Messenger wie ICQ. Eine erweiterte Form wäre das Telefonieren, z.B. über das Internet, wobei man natürlich auch eine Webcam (Facetime, Skype) zum Einsatz bringen kann. Wer seinem Sprachpartner beim Sprechen lieber direkt gegenübersitzt, kann die Tandemmethode natürlich auch bei regelmäßigen persönlichen Treffen anwenden. Dies ist die beliebteste, oft auch in Sprachschulen angewandte Methode. Diese Sprachlernmethode ist eine sehr flexible und vor allem kommunikative, denn durch aktives Sprechen lernt man eine Sprache immer noch am besten. Um die Tandem-Sprachmethode wirklich effektiv nutzen zu können und Erfolge verzeichnen zu können, ist es natürlich notwendig, dass man in ständiger Kommunikation mit seinem Partner bleibt. Es ist wichtig, dass die zu Verfügung stehende Zeit gerecht verteilt ist, so dass beide Partner gleichermaßen profitieren, d. h., wenn man eine Stunde Zeit hat, sollte eine halbe Stunde Französisch und die andere halbe Stunde Deutsch gesprochen werden. Dabei soll der Muttersprachler sein Gegenüber auf Fehler aufmerksam machen, um den Lernerfolg zu garantieren. Für Tandemlernen spielen Alter, Beruf oder Wohnort keine zentrale Rolle, wichtig ist die Bereitschaft eine Sprache lernen und gleichzeitig einem anderen beim Lernen einer Sprache helfen zu wollen. Das gegenseitige Geben und Nehmen ist dabei sehr wichtig, da beide Tandem-Partner dabei gleich viel davon profirieren sollen. In einem üblichen Sprachkurs ist es häufig schwierig die Sprache auch wirklich sprechen zu können, da vorwiegend auf grammatische Dinge Wert gelegt wird, vor allem dann, wenn man einen Anfängerkurs besucht. Oft ist es auch so, dass gar nicht genug Zeit zur Verfügung steht, um die Sprache mit einem Gegenüber zu üben, auf die Dinge detailliert einzugehen, die Menschen wirklich interessieren. Die Bildung eines Tandems ist auch eine ideale Ergänzung zu einem Sprachkurs, da man sich dabei selbst zum Kommunizieren zwingt. Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, dass man einen Menschen besser kennenlernt, und sich im Idealfall eine Freundschaft entwickeln kann. Außerdem muss man beim Tandem, Inhalte nicht für Prüfungen lernen, sondern man erarbeitet sich diese beim aktiven Gespräch mit seinem Partner.

Die Lernenden trainieren ihre sprachlichen Fertigkeiten dadurch, dass sie jeweils vom „Modell“ des anderen lernen, aus dessen Korrekturen, Verständnis- und Formulierungshilfen. Nachfragen, um Hilfe bitten, Erklären – von diesem wechselseitigen Engagement profitieren beide, auch wenn jeder sein eigenes Lernziel verfolgt. Tandemlernende sind motivierter, weil das Kommunizieren mit einem native speaker und über selbst gewählte Themen Spaß macht.

Hilfreich kann dabei die Erstellung eines Zeitplans sein, denn mit diesem ist jedem klar, wann und in welcher Form man miteinander kommuniziert. Dadurch stellt man einen regelmäßigen Kontakt und die kontinuierliche Übung der Sprache sicher. Ohne festen Zeitplan ist die Gefahr groß, dass die gemeinsamen Einheiten mit dem Tandempartner im Sand verlaufen. Auch spielt ein gewisses Maß an Disziplin von beiden Seiten eine große Rolle. Um das Lernen interessant zu gestalten, ist es wichtig, dass man immer wieder neue Gesprächsthemen findet. Da meist Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinander treffen, ist es vor allem zu Beginn leicht, Themen für eine Unterhaltung zu finden. Man sollte beim Tandemlernen nicht unbedingt die Rolle des strengen Lehrers einnehmen wollen, der ganz genau auf jeden Fehler hinweist. Das kann nämlich zur Verunsicherung des Partners führen und dazu, dass dieser schnell die Lust an der Sache verliert. Auf der anderen Seite soll man dem Partner natürlich zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse verhelfen, und das geht nur, wenn man ihn freundlich auf seine Fehler hinweist.

Vorteile und Nachteile des Tandemlernens

Tandemlernen ist Lernen in einer authentischen Situation, d. h., man eignet sich die fremde Sprache außerhalb formaler Lernumgebungen an (z.B. in der VHS oder mit multimedialen Kursen). Man hat hier die Möglichkeit, stets nachzufragen, eigene Sichtweisen zu erläutern, individuelle Erfahrungen mitzuteilen oder aktuelle Themen oder Ideen zu erörtern.

Man kann die Zeit frei bestimmen und kann selbst entscheiden, wie viel man lernen will. Man legt gemeinsam fest, welchen Umfang und welchen Inhalt das Tandem-Training umfassen soll und kann gemeinsam klären, welche Ziele man mit dem Tandem verfolgt.

Das Lernen im Tandem ist darüber hinaus stets auch interkulturelles Lernen, d. h., man erfährt etwas über die Kultur des anderen Landes sowie über die Lebensumstände und die Sichtweisen seines Gegenübers.

Beim Lernen im Tandem erweitert man nicht nur seinen Wortschatz., sondern lernt darüber hinaus, wie man bestimmte Dinge in der Fremdsprache ausdrückt (Redensarten etc.) und schulen seine Aussprache, sein Hörverständnis und sein Redevermögen.

Beim Lernen im Tandem kann man seine Hemmungen zur Anwendung der fremden Sprache abbauen muss und sich nicht fürchten, auch einmal einen Fehler zu machen, denn schließlich besitzt auch der Tandem-Partner keine perfekten Kenntnisse. Allerdings sollte aus diesem Grund das Fremdsprachenlernen nicht ausschließlich über das Tandem erfolgen, sondern es sollte vor allem als Ergänzung dienen. Gerade die Grammatik einer fremden Sprache zu erlernen, vermag ein Sprachkurs mit Sicherheit besser zu leisten, denn ein Muttersprachiger hat die Grammatik seiner Sprache in der Regel auch nicht systematischerlernt, und wendet sie eher aus dem Bauch heraus an, ohne diese Regeln stets abzurufen oder zu erklären.

Quellen
http://www.sprachenlernen24-blog.de/sprachen-lernen-im-tandem/ (13-11-21)
http://lernen.lerntipp.at/24/tandem-lernen (11-07-11)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/paedpsych/NETSCHULE/NETSCHULEBEISPIELE/TANDEM/Tandemstart.html (99-03-02)
http://lerntipps.lerntipp.at/leitfaden-zum-erlernen-einer-neuen-sprache/ (11-07-17)




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