Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung

Die Hypothesentheorie der sozialen Wahrnehmung wurde von Jerome Bruner formuliert und verdeutlicht den Einfluss der Erwartungen auf die Wahrnehmung, d. h., Hypothesen  sind in diesem Zusammenhang Wahrnehmungserwartungen, die sich auf Grund vergangene Erfahrungen gebildet haben. Die Hypothesentheorie ist eine kognitive Theorie der sozialen Wahrnehmung, weil sie Denken, Erinnern und Wahrnehmen in Bezug setzt, wobei die Hypothesen in kognitive Landkarten integriert sind und  sich aus Erfahrungen und früheren Wahrnehmungen zusammensetzen. Einige kognitive Theorien im Rahmen des Behaviorismus beschäftigen sich im Besonderen mit dem Zusammenhang zwischen Kognition und Handlung, wobei diese Handlungssteuerung zum Kern der Theoriebildung wird, da durch einen Plan  die Handlungen gesteuert werden. Im Unterschied zum klassischen Behaviorismus wird der Mensch als Subjekt gesehen, das nicht unter der Kontrolle seiner Umwelt steht, sondern sich selbst seine Ziele setzen und diese erreichen kann.

Nach Bruner beginnt jeder Wahrnehmungsvorgang mit einer Hypothese, die Vorhersagen darüber beinhaltet, welche Ereignisse in der gegebenen Situation eintreffen werden, und erst in einem zweiten Schritt der Wahrnehmung kommen Informationen durch die Umwelt hinzu. Die Erwartungen aus der Anfangshypothese werden dann mit den Informationen aus der Umwelt verglichen. Wenn die Hypothese widerlegt wird, beginnt der Prozess aufs Neue, ansonsten ist der Vorgang abgeschlossen. Weil die Hypothesen darüber entscheiden, worauf sich die Aufmerksamkeit beziehen soll, wird nicht nur das, was gesehen wird, sondern auch die Interpretation des Wahrgenommenen durch die Hypothesen beeinflusst, wodurch Hypothesen in maßgeblicher Weise Selektions- sowie Inferenzprozesse bestimmen und handlungsleitend sind. Bruner geht daher immer davon aus, dass nur ein Mensch, der in seiner Umwelt Ordnungen und Beziehungen erwartet, nach ihnen suchen und sie finden wird. Er beruft sich häufig zur Veranschaulichung seiner Theorie auf ein Experiment, bei dem die ProbandInnen an einem Zweifachwahlapparat durch Drücken der linken oder rechten Taste Marken gewinnen kann. Die Marken werden bis auf die Tatsache, dass Drücken der rechten Taste in 70% aller Fälle erfolgreich ist, Drücken der linken Taste in 30% aller Fälle aber  völlig zufällig ausgeworfen. Bei den Probanden lassen sich im Wesentlichen zwei Reaktionsmuster unterscheiden: Ein Teil der Versuchspersonen geht davon aus, dass es keinen Plan gibt und geht infolgedessen dazu über, immer die rechte Taste zu drücken. Die andere Gruppe der Teilnehmer nimmt eine Sequenz bei der Ausgabe der Marken an. Diese Gruppe testet nacheinander verschiedene Hypothesen, wobei die Personen durchschnittlich in 70% aller Fälle die rechte, in 30% die linke Taste drücken. Da es tatsächlich keinen Plan gibt, ist die erste Gruppe erfolgreicher: Sie erhalten 70% der möglichen Marken, wogegen die zweite Gruppe durchschnittlich 58% erhält. Bruners hält das Ergebnis dieses Experiments für eine Bestätigung seiner These, da die zweite Gruppe – gäbe es einen Plan – diesen irgendwann herausfände und ab diesem Zeitpunkt alle Marken erhielte, während die erste Gruppe bei 70% der Marken verbliebe.

Quellenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Hypothesentheorie_der_sozialen_Wahrnehmung (12-12-21)
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/LerntheorienKognitive.shtml (12-12-21)





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