verkörperte Intelligenz

Intelligenz ist nicht allein eine Sache des Gehirns, sondern Beobachtungen in der Natur belegen, dass sich intelligentes Verhalten von Lebewesen in erster Linie aus einer Wechselwirkung zwischen Gehirn, Körper und Umgebung entfaltet. So erfolgt beim Menschen etwa die Rückschwungphase des Beines beim Laufen ohne jegliche Steuerung durch das Gehirn, sondern einzig durch das Zusammenspiel von Körper und Gravitationskraft, d. h., das Muskel-Sehnen-Prinzip hilft bei der Stabilisierung der Körperposition, ohne dass das Gehirn zu jedem Zeitpunkt eingreifen muss.

Zur verkörperten Intelligenz gehören eine Vielzahl von Fortbewegungsabläufen bei Mensch und Tier, aber auch natürliche Augenbewegungen oder sicheres Greifen von Objekten. Obwohl solche Abläufe von Verhaltensweisen auf den ersten Blick sehr einfach erscheinen, sind sie aber noch immer komplex genug, um sich einer Umsetzung in künstlichen Systemen zu widersetzen, die mit ihren biologischen Originalen auch nur annähernd konkurrieren können.

Die Relevanz des Grundgedankens einer verkörperten Intelligenz als Zusammenspiel von Gehirn, Körper und Umgebung wird in der allgemeinen Intelligenzforschung zunehmend stärker wahrgenommen. Vor allem im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat die Intelligenzforschung einen Wandel erfahren, der zu diesem aktuellen Forschungsgebiet der verkörperten Intelligenz (embodied intelligence) geführt hat.

Durch die Robotik hat man ebenfalls erkannt, dass es ein Fehler ist, zu sagen, Geist und Körper sind getrennt, sodass man in der Fachrichtung Embodied Intelligence davon ausgeht, dass nicht ein künstliches oder natürliches Gehirn sich etwas ausdenkt und daraufhin Befehle an den Körper schickt, sondern man hat akzeptiert, dass der Geist nicht ohne den Körper existieren kann. Das Gehirn ist mit dem Körper gekoppelt und nur die beiden gemeinsam können in einem sensumotorischen Kreislauf Bewegungsformen entwickeln. Auch in der Evolution des Menschen haben sich Gehirn und Körper stets gemeinsam entwickelt und einer hat ohne den anderen nicht vorwärts kommen können.

Siehe dazu auch das Stichwort Embodiment.

Quelle
http://idw-online.de/pages/de/news520174 (13-02-19)




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