Sprachentwicklungsstörung

Unter einer Sprachentwicklungsstörung versteht man ganz allgemein die nicht altersentsprechende Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes. Die Sprache bzw. der Spracherwerb ist in besonderem Maße für Entwicklungsstörungen anfällig, wobei man meist zwei Formen unterscheidet:

  • Primäre Störung der Sprachentwicklung, die auch als spezifische Sprachentwicklungsstörung, die deshalb spezifisch ist, weil es sich um eine Entwicklungsstörung handelt, die nicht infolge einer Intelligenzminderung oder einer anderen Beeinträchtigung entsteht. Im Gegensatz zu den sekundären Störungen ist die sie dadurch gekennzeichnet, dass eine sprachliche Normabweichung bei sonst keinen anderen offensichtlichen Abweichungen besteht.
  • Sekundäre Störungen der Sprachentwicklung treten zusammen mit anderen psychischen Defiziten auf, insbesondere bei Kindern mit Hörstörungen, bei blinden Kindern, Kindern mit erworbenen Aphasien, mental retardierten Kindern mit Down-Syndrom oder Williams-Beuren-Syndrom, sowie Kindern mit frühkindlichem Autismus.

Die oberösterreichische Internetplattform http://www.kindersprache.org/ soll den Eltern mehrfach Hilfe bieten: Zum einen wird der Verlauf der Sprachentwicklung des Kindes dargestellt: Was kann mein Kind mit 24 Monaten schon alles? Zusätzlich gibt es Hinweise für das Erkennen etwaiger Auffälligkeiten, wenn das Kind erst gar nicht versucht, zu kommunizieren, oder wenn es nicht auf angesprochene Gegenstände zeigen kann. Weiters wird auf dieser Site beschrieben, wie ein Kind innerhalb der Familie gefördert werden kann.

Frühförderung der Sprachentwicklung?

Bekanntlich lange bevor Babys sich verständlich ausdrücken können, arbeiten ihre Gehirne daran, die Laute der Muttersprache zu analysieren und Verbindungen herzustellen, die die spätere Sprachbildung unterstützen. Neuere Untersuchungen mit einem eher fragwürdigen erzieherischen Hintergrund deuten darauf hin, dass dieser Prozess durch Training beschleunigt werden kann. Vier Monate alte Babys mussten einmal pro Woche an einem Spiel teilnehmen, bei dem sie sich nichtsprachliche Laute („bleeps“ und „bloops“) anhörten, die mit der Zeit immer komplexer wurden, wobei sie bei Reaktionen, um den Ton zu antizipieren, mit einem animierten Video belohnt wurden. Nach sieben Monaten zeigte sich, dass die trainierten Kleininder schneller auf sprachliche Laute reagierten als Kinder, die nicht an diesem Training teilgenommen hatten. Man hofft nun, dass solche Geräte Babys mit verzögerter Sprachentwicklung helfen könnten, diese Defizite aufzuholen. Frühere Studien zeigten, dass schon kleine Unterschiede in der Geschwindigkeit des akustischen Verarbeitens Auswirkungen auf die spätere Sprachfertigkeit haben können. In weiteren Studien will man nun überprüfen, ob der Trainingseffekt auch nach achtzehn Monaten nachweisbar ist.

Literatur
Ortiz-Mantilla, S., Hämäläinen, J. A., Musacchia, G. & Benasich, A. A. (2014). Enhancement of Gamma oscillations indicates preferential processing of native over foreign phonetic contrasts in infants. Journal of Neuroscience, 34, 13349-13363. Doi: 10.1523/JNEUROSCI.0972-14.2014.
http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE03/hp/grimm/sprachentwicklungsstoerungen.html (11-09-21)

 



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