Mastery learning

Die zentrale Idee zum Konzept des zielerreichenden Lernens entstand, als Carroll (1963) mit der Entwicklung von Studieneingangstests beschäftigt war. Ein Test für Fremdspracheneignung lässt sich zwar einwandfrei entwickeln, doch sagt das Ergebnis im Einzelfall nur etwas über das relative Abschneiden eines Individuums in Bezug auf eine Eichstichprobe aus. Carroll kam auf die Idee, statt auf unterschiedliche Begabungshöhen hin zu normieren, die Lernzeit als Normwert einzusetzen.
Der Grad des Lernerfolgs ist nach Carroll eine Funktion des Quotienten aus aufgewendeter Zeit und der vom Schüler benötigten Zeit, wobei mit benötigter Zeit die Zeitstrecke gemeint ist, die der einzelne Schüler auf Grund seiner Begabung braucht, um eine Unterrichtseinheit unter optimalen Lernbedingungen zu bewältigen. Die benötigte Lernzeit ist also nicht nur vom Schüler abhängig, sondern in großem Ausmaß auch von der Qualität des Unterrichts. Der Lernerfolg wird in Abhängigkeit von dem zu bildenden Quotienten ausfallen, sodass ein unbefriedigender Lernerfolg durch eine Verbesserung der äußeren Bedingungen wie Qualität des Unterrichts und/oder Erhöhung der Lernzeit zu verbessern ist.
Bloom (1968, 1971) setzte hier mit seinem Vorschlag eines „mastery learning of outcomes“ ein, und möchte im Klassenverband einige der Merkmale des zielerreichenden Unterrichts realisieren, die ein idealer Lehrer im Einzelunterricht nutzen würde. Dies betrifft einmal den taxonomischen Aufbau des Unterrichts. Ein Lernerfolg kann sich logischerweise nur dann einstellen, wenn der Schüler jeden einzelnen Lernschritt auf dem Weg zum Zielverhalten einwandfrei beherrscht.
Die empirische Evidenz, die Bloom vorlegt, ist eher mager, und seine Aussagen bleiben häufig im Formalen. Ein probates Mittel, die Leistungsstreuung innerhalb der Klasse zu vermindern, besteht bekanntlich darin, ohne jeden Rückgriff auf eine besondere Lehrkunst ganz schlicht das Niveau der Leistungsanforderungen so zu senken, dass innerhalb bestimmter Grenzen jeder vollsinnige und gutmütige Schüler mitmachen kann.
Eine weitere Frage ist die nach dem Zeitbudget. Bedeutet zielerreichendes Lernen, dass alle warten, bis der letzte durchs Ziel gegangen ist, ehe es weiter geht? Da die Unterrichtszeit pro Klasse eine relativ fixe Größe ist und Zeit, ökonomisch betrachtet, nur einmal ausgegeben werden kann, stellt sich die Alternative, wie viel Zeit in die Reduktion der Leistungsstreuung investiert werden kann und wie viel in die Förderung des leistungsstärkeren und schnelleren Teils der Klasse.
Empirische Untersuchungen an großen Stichproben zeigen, dass es eine Wechselwirkung zwischen Divergenzminderung und Leistungsförderung gibt, wobei die Häufigkeit des Übens und Wiederholens auf Kosten der Leistungsentwicklung geht, und zügiges Voranschreiten andererseits die Leistungsentwicklung bei zunehmender Divergenz der Leistungsverteilung innerhalb der Klasse fördert.

Mastery-Modell bezeichnet ein Modell, das ausschließlich die erfolgreichen Handlungsmöglichkeiten demonstriert, die zu einem erwünschten Ziel führen (Modelllernen). Bei der Mastery-Orientierung des Lernens soll sich der Lernende daran orientieren, eine Aufgabe möglichst gut zu machen. Kann er dies nicht, soll er die Aufgabe dazu nutzen, aus seinen Fehlern zu lernen. Ein Versagen bei einer Aufgabe wird nicht als Schwäche ausgelegt, sondern als Möglichkeit, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Literatur
Bloom, B. (1968). Learning for mastery. Evaluation Comment,1(2), 1-5.
Bloom, B. (1971). Mastery learning. New York: Holt, Rinehart, & Winston.
Carroll, J. (1963). A model for school learning. Teachers College Record, 64, 723-733.
Dweck, C. S. & Leggett, E. L. (1988). A social-cognitive approach to motivation and personality. Psychological Review, 95, 256–273.




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