Präsuizidale Syndrom

1948 gründete Erwin Ringel im Rahmen der Caritas in Wien das erste Selbstmordverhütungszentrum. Mit der Polizei traf er eine Abmachung, dass alle Selbstmordversuche mit Medikamenten oder Leuchtgas in die Entgiftungsstation gebracht wurden. Diese PatientInnen nicht an der Psychiatrischen Klinik zu führen, wurde bald als der „Wiener Weg der Selbstmordverhütung“ international bekannt und war Anregung für ähnliche Einrichtungen in anderen Ländern. Nachdem er hunderte gerettete Selbstmörder untersucht hatte, beschrieb Erwin Ringel 1953 das „Präsuizidale Syndrom“.

Suizidales Verhalten ist nach Ringel mehrfaktoriell bedingt. Das präsuizidale Syndrom stellt den gemeinsamen Nenner dar, auf welchen die charakteristischen psychischen Zustände vor Suizidhandlungen gebracht werden können.
Das präsuizidale Syndrom baut sich aus drei großen Symptomen auf:

  • Einengung
  • gehemmte und auf die eigene Person gerichtete Aggression
  • Selbstmordphantasien .

Die Einengung zeigt sich in mindestens vier Bereichen: situativ (Einengung der persönlichen Möglichkeiten), dynamisch (Einengung der Gefühlswelt), zwischenmenschlich und wertspezifisch. Der zweite Pfeiler entspricht einer spezifischen Gestaltung der Aggression. Jeder selbstmordgefährdete Mensch ist für Ringel “ ein zutiefst frustrierter, von Aggressionen beherrschter Mensch, der aber nicht imstande ist, diese Aggressionen nach außen abzureagieren und sie daher schließlich gegen die eigene Person wendet“. Der dritte Punkt sind Selbstmordphantasien. Die suizidale Person beschäftigt sich zuerst vage, dann immer konkreter mit der Möglichkeit des Selbstmordes.


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