Community Education

Unter Community Education ist versteht man in der Pädagogik ganz allgemein die Zusammenführung von Bildungs- und Gemeinwesenarbeit, wobei die historischen Wurzeln der Community Education v.a. im englischsprachigen Raum zu finden sind. Eine zweite Tradition der Community Education entwickelte sich in Lateinamerika, basierend auf den Theorien Paulo Freires. Community Education unterscheidet sich von herkömmlichen Lernsettings in Inhalt, Methoden und Zielen. Gemeinsam den unterschiedlichen Interpretationen der Community Education ist die Intention, Ziele des lebensbegleitenden Lernens mit sozialen Zielen verknüpfen. Einige damit verbundene Prinzipien sind die Verbindung von Bildungsarbeit mit Gemeinwesenarbeit und/oder Regionalentwicklung, die Schaffung von Lerngelegenheiten innerhalb und für die Community, die Integration von formalem, non-formalem und informellem Lernen, die Bottom-up – Gestaltung, Partizipation und Empowerment von sozial Benachteiligten und die Beteiligung regionaler NGOs. Community Education verfolgt damit auch einen spezifischen gesellschaftlichen Anspruch (Demokratisierung, Autonomisierung, Pädagogisierung), wobei das Beziehungsgeflecht zwischen den handelnden Personen Community Education als einen grundsätzlich kollektiven Prozess beschreibt, bei dem Entwicklungsprozesse eine wesentliche Rolle spielen.
In den meisten Fällen zielt Community Education de facto auf sozial Benachteiligte, d. h., es handelt sich dabei um einen bildungspolitischen Ansatz, der sich per se vorwiegend an ausgegrenzte oder diskriminierte Zielgruppen richtet, ist daher ein demokratisches und kompensatorisch-reformorientiertes Modell. In allen Modellen liegt die Forderung nach Verbesserung der Partizipation der Betroffenen und nach der politischen Reorganisation der Kommune zur Beseitigung der Gründe, die zur Unterprivilegierung geführt haben, wobei dieses Modell vor alem die Bildungs- und Lebenschancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher verbessern soll. Community ist hier lokal definiert, ergibt sich also aus Nachbarschaften, im Stadtteil etc. Der Ausdruck reformorientiert weist auf die Einbindung der Community in die Verwaltung und ihrer Aktivierung zur Partizipation an sozialen und politischen Prozessen. Dabei unterscheidet man radikale Änsätze von Community Education, die neben  schulischen Veränderungen mit den Betroffenen auch die durch sie zu leistenden  Veränderungen politisch und sozial benachteiligender Verhältnisse mit einschließt. Die mehr reformorientierte Position unterscheidet sich von der radikalen Position vorwiegend dadurch, dass der mit der Schule verknüpfte Anspruch nach einer sozialen Veränderung nicht unbedingt aufrechterhalten wird.
In der Bildungstheorie Paulo Freires ist Erwachsenenbildung nicht nur ein individueller, sondern ein sozialer und politischer Prozess der Veränderung, der von ErwachsenenbildnerInnen Parteilichkeit, Solidarität und Einfühlungsvermögen fordert. Dieses Konzept setzt auf nicht formale und entinstitutionalisierte Formen von Bildung, wie die Arbeit mit Initiativen und sozialen Bewegungen, wobei sich die Rolle des Professionals nicht als „Lehrer“ definiert, sondern als mitlernender Partner. Community wird in diesem Verständnis nicht durch die Lokalität definiert, sondern durch gesellschaftliche Einheiten, z.B. ethnische oder kulturelle Minderheiten. Übertragen auf die schulische Community, zielt Community Education auf soziales Lernen, Entwicklung von Urteilsfähigkeit, Herstellung partizipativer Strukturen in den Schulen und letztlich auf die Erziehung zur Demokratie. Im diesem Lifelong-Learning-Modell kooperieren Schulen, Erwachsenenbildungseinrichtungen, außerschulische Jugendarbeit sowie Sozial- und Kulturinstitutionen sowohl auf organisatorischer Ebene als auch in den Inhalten.

Community Education zielt daher zum einen darauf, institutionelle, ökonomische, soziale und kulturelle Bildungsbarrieren zu überwinden, zum anderen gehen die Potentiale und Ziele von Community Education über die herkömmlicher Erwachsenenbildungsarbeit hinaus:

  • Lernen wird als Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung von Lebenssituationen verstanden.
  • Lern- bzw. Tätigkeitsinhalte basieren auf den Interessen der Community und ihrer Mitglieder, d. h., sie bestimmen selbst, was für sie relevantes Wissen ist.
  • Lernprozesse können, müssen aber nicht von der Community selbst organisiert werden, d.h., Erwachsenenbildungseinrichtungen, Büchereien, Jugendarbeit, Beratungsinstitutionen, kommunale Einrichtungen, sonstige Institutionen bzw. Netzwerke von Einrichtungen können Strukturen und Humanressourcen zur Schaffung von Lerngelegenheiten und zur Gestaltung der Lernprozesse bereitstellen.
  • In der Community Education werden mesit wohnortnahe und niederschwellige Alternativen zu Frontalunterricht und Vortrag bereitgestellt.
  • Ziel ist letztlich Empowerment, insbesondere von sozial, regional oder bildungsbenachteiligten Personen und die Steigerung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und die Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Community Education in Österreich unterstützt Gemeinden bzw. Communities, ihre konkreten Problemlagen durch gemeinsames Handeln und gemeinwesenorientiertes Lernen zu bewältigen. Dabei werden Prinzipien wie Empowerment, Partizipation, Inklusion, Selbstbestimmung und Kooperation verknüpft. In Österreich erfährt der Ansatz der Community Education aktuell (2013) eine Bestärkung durch seine Verankerung in der Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich. Dazu  fand die Tagung „Community Education in Österreich“ im Kardinal-König-Haus in Wien statt, wobei 135 TeilnehmerInnen die Veranstaltung besuchten. Neben theoretischen Inputs zum Thema Community Education auf nationaler und internationaler Ebene stellten Erwachsenenbildungseinrichtungen, Einrichtungen der Regional- und Kommunalentwicklung sowie soziale Einrichtungen ihre Projekte im Rahmen einer Postersession vor. Die Vorträge der ReferentInnen, die Projekte der Postersession und aktuelle Hinweise auf Veranstaltungen und das Magazin erwachsenenbildung.at zum Thema „Community Education“ findet man auf der Tagungswebsite (http://www.oieb.at/oieb/page.asp?id=2012).

Literatur
Buhren, Claus G.  (1997). Community education. Münster: Waxmann.





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