Werte

Als Werte bzw. Wertvorstellungen bezeichnet man unter anderem Eigenschaften bzw. Qualitäten, die als erstrebenswert, in sich wertvoll oder moralisch gut betrachtet werden , und die Objekten, Ideen, Sachverhalten, Handlungen aber auch Menschen zugeschrieben werden. Werte sind in der Psychologie also bewertende Gedanken zu wichtigen Dingen im Leben wie etwa zur eigenen Person, zu Freunden oder zur Gesellschaft, und stellen darüber hinaus allgemeine Präferenzen dar, die eine Aussage darüber machen, was gut oder schlecht ist und letztlich geben sie den Maßstab vor, wie die bewerteten Objekte sein sollten.
Werte sind nicht angeboren, sondern werden vor allem in der Familie, der Peer-Group oder später im Berufsleben erworben, häufig auch unbewusst durch Nachahmung und Lernen am Modell. Werte sind dabei ein bestimmendes Element im menschlichen Leben, denn sie definieren für den Einzelnen aber auch die Gruppe, was wichtig ist und was unwichtig. Darüber hinaus sind Werte ein Baustein der Identität, denn Menschen definieren sich über Maßstäbe, die Werte vorgeben. Werte sind  ein Motor der Motivation und bestimmen zu einem großen Teil die Ziele des Lebens, wobei daraus häufig Konflikte entstehen, wenn Werte aufeinanderprallen, die nicht miteinander vereinbar sind (Wertekonflikt). Werte unterliegen einem ständigen Wandel und sind auch abhängig von der jeweiligen Kultur (Wertewandel).

Es gibt in der Psychologie zahlreiche Versuche, Werte in eine überschaubare Struktur zu bringen, etwa in Form des Wertequadrats von Paul Helwig oder im von Bernhard Possert entwickelten „Wertevieleck“ – einer Erweiterung des Wertequadrats. In den 1980er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Shalom H. Schwartz ein Wertemodell universeller Werte entworfen und postulierte eine Zahl von zehn Werten, die alle Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen gemeinsam haben, wobei diese Einteilung vor allem in der Wirtschaftspsychologie große Verbreitung fand. In Erweiterung dieser früheren Einteilung und in Folge einer internationalen Studie haben Schwartz et al. (2012) jetzt neunzehn grundlegender individueller Werte definiert, die in vier Wertedimensionen zusammengefasst werden können,  und die hier exemplarisch für zahlreiche andere einschlägige Versuche dargestellt werden:

  • Selbstbestimmung (self-direction)
    selbstbestimmtes Denken (1): eigene Gedanken und Fähigkeiten fördern wollen. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und ungewöhnliche Ideen zu haben.“
    selbstbestimmtes Handeln (2):  das eigene Handeln bestimmen wollen. Fragebogenitem: „Ihr ist wichtig, alles möglichst unabhängig zu tun.“
  • Anregung (3) (stimulation): Anregung, neue Dinge und Herausforderungen suchen. Fragebogenitem: „Er denkt, dass es wichtig ist, alle möglichen neuen Erfahrungen zu machen.“
  • Genussstreben (4) (hedonism): auf Vergnügen und Sinnesfreuden aus sein. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, die Freuden des Lebens zu genießen.“
  • Erfolgsstreben (5) (achievement): Erfolg gemäß gängigen Standards suchen. Fragebogenitem: „Sehr erfolgreich zu sein, ist ihm wichtig.“
  • Macht (power)
    Vormachtstellung (6) (dominance): nach Macht streben, um andere damit zu steuern. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, die einzige zu sein, die anderen sagt, was sie tun sollen.“
    Ressourcenkontrolle (7) (resources): nach Macht streben, um damit über Sach- und Finanzmittel zu verfügen. Fragebogenitem: „Das Gefühl der Macht, das Geld einem gibt, ist ihm wichtig.“
  • Ansehen (8) (face): das eigene Image pflegen wollen und vermeiden, dass man bloßgestellt wird. Fragebogenitem: „Ihr ist wichtig, das eigene Image zu schützen.“
  • Sicherheit (security)
    persönliche Sicherheit (9): Sicherheit in seiner unmittelbaren Umgebung suchen. Fragebogenitem: „Es ist ihm wichtig, in einem sicheren Umfeld zu leben.“
    gesellschaftliche Sicherheit (10): Sicherheit und Beständigkeit in der Gesellschaft schätzen. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, dass sich ihr Land gegen alle Bedrohungen schützt.“
  • Tradition (11): kulturelle, familiäre und religiöse Traditionen hochhalten. Fragebogenitem: „Familiäre oder religiöse Bräuche zu pflegen, ist ihm wichtig.
  • Angepasstheit (conformity)
    Angepasstheit hinsichtlich Regeln (12): Regeln, Gesetze und Pflichten befolgen. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, auch dann Regeln zu befolgen, wenn es keiner mitbekommt.“
    Angepasstheit gegenüber anderen (13): vermeiden, dass man jemanden ärgert oder ihm schadet. Fragebogenitem: „Es ist ihm wichtig, dass er andere nicht ärgert.“
  • Bescheidenheit (14) (humility): erkennen, dass man selbst im Gesamtgefüge relativ bedeutungslos ist. Fragebogenitem: „Es ist ihr wichtig, damit zufrieden zu sein, was sie hat und nicht nach mehr zu streben.“
  • Wohlwollen (benevolence)
    Fürsorge (15) (caring): um das Wohlergehen von Angehörigen einer Gruppe (z.B. der Familie) bemüht sein, die einem nahesteht. Fragebogenitem: „Sich um das Wohlbefinden jener zu sorgen, die ihm nahestehen, ist ihm wichtig.“
    Verlässlichkeit (16) (dependability): ein verlässliches und vertrauenswürdiges Mitglied einer bestimmten Gruppe (z.B. des Freundeskreises) sein wollen. Fragebogenitem: „Ehrlich zu denen zu sein, die ihr nahestehen, ist ihr wichtig.“
  • Das Ganze im Blick (universalism)
    gesellschaftliche Belange (17) (concern): sich für die Gleichheit, die Gerechtigkeit und den Schutz aller Menschen einsetzen. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, diejenigen der Gesellschaft zu schützen, die schwach und verletzlich sind.“
    die Natur schützen (18): die natürliche Umwelt bewahren wollen. Fragebogenitem: „Sie ist fest davon überzeugt, dass sie die Natur schützen muss.“
    Andersartigkeit anerkennen (19) (tolerance): diejenigen verstehen und anerkennen wollen, die anders sind als man selbst. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, Menschen zuzuhören, die anders sind als er selbst.“

Diese neunzehn Werte lassen sich auf vier Wertedimensionen verdichten:

  • Wachstum: ängstlicher Selbstschutz am einen Ende der Dimension (mit dem Wert Sicherheit) und angstfreies Wachstum am anderen Ende der Dimension (mit dem Wert selbstbestimmtes Denken)
  • Gemeinschaftsbezug: vom persönlichen Fokus (Genussstreben) bis zum gemeinschaftlichen Fokus (Wohlwollen)
  • Selbstbezug: von „sich selbst verbessern wollen“ (Macht) bis hin zu „sich selbst übersteigen“ (das Ganze im Blick)
  • Veränderung: vom Bewahren (Tradition) bis zum Verändern (Anregung).

Literatur
Schwartz, Shalom H., Cieciuch, Jan,  Vecchione, Michele,  Davidov, Eldad,  Fischer, Ronald,  Beierlein, Constanze,  Ramos, Alice, Markku Verkasalo,  Lönnqvist, Jan-Erik,  Demirutku,  Kursad,  Dirilen-Gumus, Ozlem &  Konty, Mark (2012). Refining the Theory of Basic Individual Values. Journal of Personality and Social Psychology, 103, 663-688.
http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/lernen/lernen-20121114-shalom-schwartz-werteverdopplung.html (12-11-14)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung (11-10-12)




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