Hypomanie

Unter Hypomanie versteht man in der Psychologie einen Zustand, in dem die Stimmung eines Menschen über mehrere Tage gehoben und sein Antrieb gesteigert ist, die Symptomatik aber schwächer ausgeprägt ist als bei einer echten Manie. Die Betroffenen sind sehr unruhig, haben ein geringes Schlafbedürfnis, haben entweder kaum Hunger oder essen maßlos. Die Gedanken springen von einem Thema zum anderen, sie haben ein großes Mitteilungsbedürfnis. Sie sind sehr überzeugt von sich und gehen leicht Risiken ein, wobei auch das sexuelle Verlangen gesteigert sein kann. Häufig besteht bei den Betroffenen zusätzlich eine gesteigerte Geselligkeit, Gesprächigkeit, übermäßige Vertraulichkeit, gesteigerte Libido und ein vermindertes Schlafbedürfnis. Diese jedoch alle nicht in dem Ausmaß, dass sie zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder zu sozialer Ablehnung führen würden. An Stelle der euphorischen Geselligkeit können auch Reizbarkeit, Selbstüberschätzung und insbesondere bei Heranwachsenden flegelhaftes Verhalten auftreten.

Eine hypomanische Episode kann sich für den betroffenen Menschen selbst gut anfühlen, da sie mit einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und Produktivität einhergeht, wenn aber Familienangehörige und Freunde derartige Stimmungsumschwünge genauer als Vorphasen bzw. Symptome einer Manie erkennen, wird der Betroffene selbst dies in aller Regel abstreiten, da keinerlei Krankheitsgefühl oder Einsicht besteht. Da es sich bei Hypomanie um einen Zustand handelt, der von Energie, schnellen Stimmungswechseln und rasenden Gedanken gekennzeichnet ist, wird er immer wieder in einem mittleren Ausprägungsgrad mit Kreativität in Verbindung gebracht (Zabelina et al., 2014). Hypomanie ist jedoch auch ein charakteristisches Merkmal in der Hochphase einer bipolaren Störung.

In der ICD-10 wird die Hypomanie als psychische Störung klassifiziert, die auch mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Berufstätigkeit oder der sozialen Aktivität einhergehen kann. Eine hypomanische Episode kann sich für den betroffenen Menschen selbst gut anfühlen, da sie mit einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und Produktivität einhergeht, wenn aber die soziale Umgebung diese Stimmungsumschwünge als Vorphasen bzw. Symptome einer Manie bewerten, wird der Betroffene selbst dies in aller Regel abstreiten, da meist keine Krankheitseinsicht besteht.

Es wird empfohlen, dass die Behandlung einer bipolaren Störung neben einer medikamentösen Therapie mit  Mood Stabilizern immer auch eine begleitende, unterstützende und rückfallprophylaktische Psychotherapie umfasst, wobei sich die kognitiv-verhaltenstheoretisch orientierte Psychotherapie empirisch bewährt hat. Sie hilft insbesondere dabei, die Erkrankungsphasen abzumildern, sie hinauszuschieben oder sogar zu verhindern, sodass Betroffene längere Zeiträume ohne Beeinträchtigungen erfahren, ohne Störungen des Berufs- und Familienlebens und bedürfen daher seltener einer stationären Behandlung.

Hypomanieähnliche Zustände werden auch von gesunden Menschen nach Schlafentzug, zum Beispiel im Anschluss an Nachtdienste, berichtet, aber auch nach bestandenen großen Prüfungen.

Siehe dazu auch das Arbeitsblatt Schlafentzug.

Quellen und Literatur
Zabelina, D., Condon, D. & Beeman, M. (2014). Do Dimensional Psychopathology Measures Relate to Creative Achievement or Divergent Thinking? Frontiers in Psychology. Doi:10.3389/fpsyg.2014.01029
http://www.lebenshilfe-abc.de/hypomanie.html (12-08-21)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hypomanie (12-08-21)




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