Neurofeedback

Neurofeedback ist eine Sonderform des Biofeedback und zielt auf die Beeinflussung der Gehirnaktivität ab: Bestimmte Parameter des gemessenen EEG werden an den Klienten rückgemeldet, was sichtbare Folgen für den Verlauf der Gehirnströme hat. Bei Neurofeedback werden mit drei bis fünf Elektroden an der Kopfhaut die Gehirnströme gemessen und mit einem Computerbildschirm verschaltet. Zum Neurofeedback wurden schon in den 1970er Jahren Studien veröffentlicht, die zeigten, dass sich mit Neurofeedback Epilepsie gut behandeln lässt.

Die Rückmeldung beim Neurofeedback kann optisch oder auch akustisch erfolgen und wird heute meist in Form von Computerspielen umgesetzt. Am Bildschirm sieht man etwa eine Blumenwiese oder kleine Flugzeuge, die über die Gehirnströme verändert werden können. Auf spielerische Weise kann so die willentliche Einflussnahme auf unbewusst ablaufende Vorgänge, wie z.B. die Aktivierung und Deaktivierung des Cortex oder einzelner Areale gelernt werden.

Neurofeedback ist ein Gehirntraining, das nach dem Belohnungsprinzip funktioniert, und verspricht, die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Impulskontrolle bei ADHS-Kindern ebenso stark zu verbessern wie das Medikamente könnten. Man leitet beim Neurofeedback einen Lernprozess ein, bei dem das Gehirn lernt, sich selbst zu regulieren, denn auch Menschen machen permanent Abgleichungen in ihrem Gehirn, während sie die Umwelt beobachten.

Die Therapie des Neurofeedback setzt direkt bei der elektrischen Aktivität im Gehirn an, wobei diese von drei am Kopf befestigten Elektroden in einem QEEG (Quantitatives Elektroenzephalogramm) aufgezeichnet wird. Daran lässt sich ablesen, ob jemand gestresst, entspannt oder konzentriert ist. Es wird dem Gehirn gewissermaßen gespiegelt, was es gerade tut, und durch diese Spiegelung lernt das Gehirn, wenn es bestimmte elektrochemische Prozesse (etwa durch Erhöhung von Frequenzanteilen oder Amplituden) ablaufen lässt, kann es auf die Abläufe am Bildschirm Einfluss nehmen. Ein hoher Anteil an Beta-Hirnwellen in der frontalen Gehirnregion entspricht etwa einem konzentrierten Zustand. Während der Neurofeedback-Sitzungen trainiert man sich selbst und versucht, am Bildschirm die Gehirnwellen in einen normalen Bereich zu führen. Man vermutet also, dass im Gehirn eine Art Gleichgewichtszustand entsteht.

Bei Aufmerksamkeitsdefizit-Störungen (ADHS) ist Neurofeedback im therapeutischen Kontext hochwirksam. Die besondere Bedeutung von Neurofeedback für die ADHS-Förderung ergibt sich daraus, dass Betroffene ein erhöhtes Maß langsamer Frequenzbänder und weniger schnelle Frequenzmuster aufweisen. Mittels Neurofeedbackverfahren wird versucht, dieses Ungleichgewicht durch gezieltes Training der einzelnen Frequenzen abzubauen, um auf diese Weise Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvermögen zu steigern.

Im Gegensatz zu Psychopharmaka wie Ritalin oder Mondafil, die meist kurz nach dem Absetzen nicht mehr wirken, wirkt  Neurofeedback nachgewiesenermaßen auch noch zwei Jahre nach einem Training. Allerdings können nicht alle Kinder mit ADHS durch Neurofeedback die Medikamente absetzen, jedoch die meisten können die Dosis verringern.

Problematisch ist, dass die Ausbildung nicht geschützt ist und man ohne therapeutische Vorbildung oder aus einem Gesundheitsberuf zu kommen, in kurzer Zeit und sogar online zum Trainer werden kann. In einem guten Training wird mit dem Klient ein individuelles, sehr konkretes Ziel erarbeitet und genau erklärt, was in der Behandlung passiert, d. h., ein intensives Vorgespräch ist besonders wichtig, denn bei psychischen Erkrankungen kann ein schlecht geplantes Training Ängste auslösen oder zu Nebenwirkungen mit Medikamenten führen. Vor allem in den USA steigt der Umsatz der Fitness-Industrie, d. h., es gibt Neurofeedback-Reisen für gestresste Manager, zahlreiche Computerspiele und Apps. Was solche Heimgeräte tatsächlich bewirken, ist umstritten, denn um effektiv zu trainieren, müssen etwa die Elektroden an ganz bestimmten Stellen am Kopf angebracht werden, wozu man eine sachkundige Unterstützung benötigt.

Literatur
Ellinger, S., Walther, P. & Dietrich, J. (2010). Aufmerksamkeitsförderung in der Schule durch Neurofeedback. Empirische Sonderpädagogik, 22-39.
Hessberger, F. (2016). Neurofeedback – Fitnessstudio fürs Gehirn.
WWW: http://www1.wdr.de/verbraucher/gesundheit/gehirnjogging-102.html (16-08-18)



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