Psychophysik

Die Psychophysik ist ein Teilgebiet der experimentellen Psychologie, das sich der Untersuchung der Beziehungen zwischen den physikalischen Merkmalen von Reizen, z. B. Reizintensität, und dem psychischen Erleben dieser Reize widmet. Die Psychophysik befasst sich also mit der Art und Weise, in der lebende Organismen auf die energetische Gestaltung ihrer Umwelt reagieren. Es werden dabei also die Zusammenhänge zwischen auf den Körper einwirkenden Reizen und den durch sie ausgelösten Erlebnissen untersucht. Grundsätzlich kann die Psychophysik in die äußere (Beziehung Außenreiz und dadurch ausgelöste Empfindung) und die innere Psychophysik (Beziehung Empfindungen und ausgelösten Körperreaktionen) unterteilt werden.

Die Psychophysik wurde von Gustav Theodor Fechner begründet und beschäftigt sich mit der Erforschung der Beziehungen zwischen physikalischen Reizen und psychischen Empfindungen, d. h.,  sie untersucht die Wechselwirkung zwischen objektiv messbaren physischen Prozessen und subjektivem mentalem Erleben. Die Anfänge der Psychophysik gehen auf das Bemühungen zurück, Wahrnehmungsunterschiede zu messen, denn es ist aus Erfahrung bekannt, dass die Wahrnehmbarkeit von Reizunterschieden von der Größe des Ausgangsreizes abhängt. Wenn es etwa darauf ankommt, zwei Gewichte eben merklich zu unterscheiden, müssen zwei etwa ein Kilogramm schwere Gewichte einen größeren Gewichtsunter­schied aufweisen als zwei etwa zehn Gramm schwere Gewichte. Empirische Untersuchungen zei­gen, dass der eben merkliche Unterschied zwischen zwei Reizen in einem annähernd konstanten Verhältnis zur Größe des Bezugsreizes steht. Fechner hat diesen Zusammenhang „Webersches Gesetz“ genannt. Im übrigen ist die Adaptationsniveautheorie besser geeignet, Wahrnehmungsurteile zu erklären, als die klassischen psychophysischen Geset­ze.

1. Definition:
„Lehre von der Beziehung zwischen Seele und Körper, insbesondere die Wissenschaft von den Beziehungen zwischen physischen Reizen und den ihnen entsprechenden Erlebnissen“ (Höcker & Stopf 1998, S. 694).

2. Definition:
„Die Wissenschaft relativ einfacher Reize, die meist im Labor isoliert und lösgelöst aus der alltäglichen Umwelt dargeboten werden, sind der Gegenstandsbereich der Psychophysik, deren Ziel es ist, zu allgemein gültigen Aussagen über die gesetzmäßigen Beziehungen zwischen objektiven Reizmerkmalen und den subjektiven Eindrücken davon zu gelangen“ (Asanger & Wenninger 1988, S. 835).

3. Definition:
Psychophysik ist die experimentelle Untersuchung der Beziehung zwischen äußeren „Reizen“ (Umwelt) und subjektiven „Reaktionen“ (Aktivität des Individuums). Von der menschlichen Umwelt wird abstrahiert, sie wird zu quasi natürlichen Reizen, die die Individuen zu „Reaktionen“ provoziert (vgl. Grubitzsch & Rexilius 1994,   S. 863f).

4. Definition:
„Teilgebiet der Psychophysiologie ist die Psychophysik, die sich vor allem mit den messbaren Beziehungen zwischen einfachen physikalischen Sinnesreizen und den subjektiven Empfindungen befasst“ (Tewes & Wildgrube 1992, S. 270).

5. Definition:
„1860 von G. T. Fechner begründetes Teilgebiet der Sinnespsychologie und -physiologie, das die Beziehungen zwischen physikalischen Reizen und Sinnesempfindungen untersucht“ (Duden Band 14, 2006, S. 351).

6. Definition
Die Psychophysik ist ein Gebiet der Psychologie, dessen Gegenstand die Beziehungen zwischen der Intensität physischer Reize (Ton, Druck etc.) und der Intensität der Empfindung sind. Zu den Ergebnissen der Psychophysik gehören das Webersche und das Fechnersche Gesetz, die auf Bemühungen, Schwellenwerte in der Unterscheidung von Reizintensitäten zu bestimmen, zurückgehen. Die Psychophysik ist somit auch ein Teilgebiet der experimentellen Wahr­nehmungspsychologie (Wahrnehmung) und weist auf die Grundaufga­be dieses Forschungsgebietes hin: Psycho­physik setzt sich aus „Physik“ und „Psycho­logie“ zusammen und untersucht i. e. S. funktionelle Beziehungen zwischen Physi­schem und Psychischem, also etwa zwischen der physikalischen Intensität eines Tones und seiner empfundenen Lautstärke. Im wei­teren Sinne werden in der Psychophysik auch komplexere Vorgänge der Wahrneh­mung untersucht, wie Urteile, Produktprä­ferenzen, Einstellungen u. a. m.

Literatur
Asanger, P. & Wenninger, G. (1988). Handwörterbuch Psychologie. München: Psychologie Verlags-Union.
Duden (2006). Das Lexikon für Österreich. Mit ausgewählten Beiträgen aus den ORF-Redaktionen. Mannheim: Dudenverlag.
Grubitsch, S. & Rexilius, G. (1994). Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.
Höcker, H. & Stopf, K. H. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Stangl, W. (2008). Psychophysik.
WWW: http://psychologie-news.stangl.eu/105/psychophysik (08-09-05)
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie Lexikon. München/Wien: Oldenbourg Verlag.
Wiedemann, U. (2007). Die Psychophysik. Online im Internet: WWW: http://www.phillex.de/psychphy.htm (2007-10-25)



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