Kontingenzlernen

Beim Kontingenzlernen oder kontingenten Lernen handelt es sich um eine Lernform, bei der Zusammenhänge zwischen dem eigenen Handeln und darauf folgenden Konsequenzen erkannt werden. Kontingenzlernen ist ein wichtiges Grundprinzip für das Bekräftigungslernen. Man konnte das kontingente Lernen jüngst mit der Aktivität im Orbitofrontalcortex in Verbindung bringen, denn Menschen mit Schädigungen in diesem Bereich treffen oft irrationale Entscheidungen und haben Probleme, sich an geänderte Bedingungen anzupassen. Man vermutet daher, dass diese Irritation durch die vermehrte Nutzung alternativer Lernmechanismen zustande kommt, die nicht über den Orbitofrontalkortex vermittelt werden.

Menschen und Tiere lernen bekanntlich schneller und besser, wenn die Folgen ihrer Handlungen unmittelbar erfahrbar sind, denn zeitliche Verzögerungen in der Abfolge von Ursache und Wirkung verunsichern und erschweren einen Lernprozess. Eine fundamentale Lernleistung des menschlichen Gehirns besteht demnach darin, auch in komplexeren Situationen ein Ereignis korrekt mit der verursachenden Handlung zu verknüpfen, also Situationen, in denen das Ursache-Wirkung-Prinzip nicht offensichtlich ist.

In Studien (Jocham et al., 2016) hat man die Auswirkungen zeitlicher bzw. inhaltlicher Verzögerungen von Ursache und Wirkung auf Lernprozesse untersucht, um herauszufinden, welche Strategien Menschen benutzen, um sowohl mit als auch ohne Anwendung korrekter Kausalzusammenhänge einen Lernzuwachs zu erreichen. Es zeigte sich dabei, dass es mehrere Mechanismen im Ursache-Wirkung-Lernen gibt, wobei der wohl effizienteste Prozess vorhandenes Wissen aus nutzt und als kontingentes Lernen bezeichnet wird. Wenn etwa der Kuchen angebrannt ist, liegt das eher daran, dass die Backzeit zu lange war, als an der Menge Zucker im Teig. Wenn solches Wissen nicht verfügbar ist, wird alternativ die zeitliche Nähe zwischen Handlung und Ergebnis genutzt. Wenn das Licht unmittelbar angeht, nachdem der Schalter gedrückt wurde, so kommt diese Handlung als wahrscheinlicher Auslöser in Frage. Auch Statistik kann Probanden helfen, Ursache und Wirkung miteinander zu verknüpfen, wenn etwa der Elfmeterschütze feststellen kann, dass er meistens trifft, wenn er flach in die linke Ecke schießt.

Gesunde Menschen und auch Affen sind so effizient im eindeutigen Ursache-Wirkung-Lernen, dass ihre Entscheidungen in Standard-Laborsituationen meist allein durch diesen Mechanismus dominiert werden. Jochen et al. (2016) konnten aber zeigen, dass gesunde junge Menschen in einer komplexeren Situation zusätzlich weitere Mechanismen anwenden, und zwar ohne es zu wissen, also etwa zeitliche Zusammenhänge oder im Gehirn gespeicherte statistische Erfahrungen. Diese einfachen Mechanismen sind oft nützlich, versagen allerdings dann, wenn sich die Umwelt schnell ändert oder Belohnungen zeitlich verzögert eintreten. Unter diesen Umständen ist das kontingente Lernen für erfolgreiche Entscheidungen unabdingbar.

Literatur

Jocham, G., Brodersen, K. H., Constantinescu, A.O., Kahn, M.C., Ianni, A., Walton, M.E., Rushworth, M.F.S., & Behrens T.E.J. (2016). Reward-guided learning with and without causal attribution. Neuron. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2016.02.018.





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